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    Zeuzleben

    "Konfliktbeladene" Begegnung nach Schwammspinnerbekämpfung

    Die Raupe eines Schwammspinners.  Foto: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

    Waren Menschen in Gefahr? Stephan Thierfelder vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten stuft die Vorwürfe, man habe bei Zeuzleben nicht korrekt abgesperrt, als unbegründet ein.

    Sonntag, 5. Mai, gegen 17 Uhr: An einem Hubschrauber über seinem Haus in Zeuzleben erkennt Gerhard Röthlein eine breite Spritzanlage. Das aktive Mitglied im BUND sieht dann, wie sich der Helikopter in Richtung Schraudenbach aufmacht und über der Waldabteilung Birkig Runden dreht. Für Röthlein ist klar, das hier die Bekämpfung des Schwammspinners läuft, dass "eine Art aus finanziellen Gründen geschützt und die wertlose Vielfalt sterben muss". 

    Das Waldstück (samt der benachbarten Streuobstwiese) ist der "Hauswald", in dem der BUND die Umweltbildung für die Kindergruppen abhält. Röthlein macht sich auf und will wissen, wie das Waldstück zum Schutz der Bevölkerung abgesichert ist und ärgert sich, dass die Bekämpfung im Amtsblatt der Marktgemeinde nicht angekündigt gewesen sei. Dort hatte er nur von einer Spritzaktion im Grenzbereich zu Werneck auf Schwebenrieder Gemarkung gelesen. 

    An einem ersten Weg waren Sperrband und Warnschild korrekt angebracht, doch schon 600 Meter entfernt habe das Schild gefehlt, sagt Röthlein. Im Gespräch mit Spaziergängern erfuhr er, dass diese kein einziges Schild gesehen hätten, dass sie bei dem Flug des Hubschraubers von einer Suchaktion nach einem Vermissten ausgegangen seien.

    Bei der weiteren Nachschau traf Röthlein auf Stephan Thierfelder, der beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten für den Forst zuständig ist. Auf die Frage nach den fehlenden Absperrungen soll dieser gesagt haben, dass Beschilderung und Bänder ordnungsgemäß gewesen seien, aber von unbekannt abgerissen wurden.

    Röthlein: Zu wenige Schilder und dann auch noch zu schnell entfernt

    Im Laufe des Abends fand der Mann aus Zeuzleben an "etwa 20 verschiedenen Wegen und Pfaden" keine Hinweise, die vor dem Betreten des Waldstückes gewarnt hätten. Auf seinem Rückweg seien dann an dem zuvorderst aufgesuchten Zugang keine Absperrbänder mehr gewesen. Bereits eineinhalb Stunden nach der Spritzung hätten Mitarbeiter des Amtes diese entfernt. Nur noch wenige Schilder hätten jetzt noch darauf hingewiesen, dass man bis Ende Mai keine Pilze, Früchte und Kräuter aus dem Waldstück verzehren soll. 

    Auf dem Heimweg hat Gerhard Röthlein dann noch Kinder, die mit einem Hund unterwegs waren, vor dem Betreten des Waldstücks gewarnt, und von einem Imker erfahren, dass dieser am Samstag angerufen und aufgefordert worden war, die Bienen am Sonntag eingesperrt zu lassen.

    So sollten korrekte Absperrungen aussehen. Dass diese nicht überall passten, sagt Gerhard Röthlein, der mit über 50 Fotos dokumentiert hat, dass Zugänge am Sonntagabend ohne Schilder und Bänder und am Montag zumindest mit Sperrbändern gekennzeichnet waren. Foto: Stephan Thierfelder

    Am Montag schaute sich Gerhard Röthlein nochmals im Birkig um. Nun notierte er Absperrbänder auch an den Stellen, die am Vorabend nicht markiert waren. Warnhinweise hätten aber weiterhin gefehlt.

    Edo Günther, BUND-Kreisvorsitzender, meldete sich am Montag in der Redaktion zu dem Vorgang und kritisierte, dass er vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten keine exakten Informationen erhalten habe, obwohl er sich um diese von Anfang an bemüht habe. Erklärt habe man ihm, dass das Amt nur eine Weisung aus München befolge. 

    Protestiert hat gegen die Sprühaktion am Dienstag auch der Kreisverband Schweinfurt der Grünen und der grüne Landtagsabgeordnete Paul Knoblach, weil das mutmaßlich eingesetzte Pestizid Mimic nicht nur den Schwammspinner, sondern auch andere Insekten töte. Nachgewiesen sei auch, dass in den behandelten Wäldern die Vogelbruten verhungern würden, da keine Insekten mehr zu finden seien. Unter den Alternativen zur chemischen Keule schlägt in der Pressemeldung Kreisvorsitzender Johannes Weiß die Beseitigung der Eigelege und das Einsammeln von Raupen vor.  Weiter heißt es in der Stellungnahme der Grünen, dass die anscheinend nicht angekündigte Aktion am Sonntag schon deshalb zu kritisieren sei, da offensichtlich das Gebiet nicht ausreichend abgesperrt war.

    Thierfelder sieht keine Versäumnisse

    Der zu den Vorwürfen von der Redaktion befragte Stephan Thierfelder schildert die Ereignisse aus seiner Sicht und sieht keine Verfehlungen bei der Schwammspinnerbekämpfung. Akribisch belegt Thierfelder das behördliche Vorgehen. Im vergangenen Herbst hatte eine Eigelegeprognose für das Waldstück bei Zeuzleben erhebliche Fraßschäden vorausgesagt. Daraufhin habe man die Waldbesitzer informiert und zu einer Info-Veranstaltung am 21. März eingeladen, bei der die Eigentümer die Spritzung beauftragt hätten.

    Sein Amt wurde dann am 30. April über den Hubschraubereinsatz ab Donnerstag, 2. Mai, informiert worden. Noch am gleichen Tag habe man die Einsatzgebiete auf der Internetseite des Amtes bekannt gegeben. Die Presse wurde laut Thierfelder gegen 18.40 Uhr informiert und habe die Nachricht in mehr oder minder gekürzter Form auch veröffentlicht. Die gleiche Pressemitteilung sei dann am Freitag auch an Edo Günther vom BUND gegangen.

    Das Warnschild bei Schwammspinnerbekämpfung. Foto: Gerhard Röthlein

    Den Wald bei Zeuzleben hätten Mitarbeiter des Amtes noch am Donnerstag (2. Mai) abgesperrt, sagt Thierfelder. Am Samstag und am Sonntag  (gegen 16.30 Uhr) seien diese Absperrungen nochmals kontrolliert worden. Thierfelder: "Sie waren intakt. Der Mitarbeiter lief dann eine Runde durch die Fläche. Er traf niemand an." Thierfelder war wie sein Mitarbeiter während der Bekämpfung am Südrand des Waldes, da auf einer "Waldfläche in Eßleben von Freitagabend (20.30 Uhr) bis Sonntagmittag systematisch alle Hinweisschilder der Absperrungen von Unbekannten abgerissen und ins Gras geworfen waren".

    Als Thierfelder wegfahren wollte, kam es zur Begegnung mit Gerhard Röthlein, die ersterer so schildert: "Er war sehr aufgebracht. Er fragte, warum nicht abgesperrt sei. Ich antwortete, weil der Gemeindewald nicht behandelt  wird. Die tatsächliche Behandlungsfläche ist abgesperrt. Der weitere Gesprächsverlauf war von seiner Seite konfliktbeladen." Am Montagmorgen notierte Thierfelder im Bereich Zeuzleben, dass die Wegabsperrungen "weitgehend entfernt waren". Umgehend habe sein Amt dann die betroffenen Flächen mit Schildern und Bändern gekennzeichnet.

    Zur Anmerkung der Grünen, wonach die Beseitigung der Eigelege und das Einsammeln der Raupen eine Alternative zur durchgeführten Bekämpfung seien, führt Thierfelder aus, dass die Gelege des Schwammspinners nicht nur in Bodennähe und am Stamm, sondern insbesondere an den Ästen in den Baumkronen anzutreffen seien – und dies keinesfalls nur an den Eichen. Das Beseitigen der Gelege und das Einsammeln der Raupen "ist rein praktisch nicht machbar". 

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