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    Schweinfurt

    Konto frei – für unbekannte Betrüger

    Wegen Geldwäsche sollte sich ein 57-Jähriger vor Gericht verantworten, er kam aber nicht. Er hatte sein Konto für einen höchst dubiosen Geldtransfer zur Verfügung gestellt. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

    Um "Geldwäsche" geht es am Montag um 11 Uhr im kleinen Gerichtssaal Nummer 16 im Amtsgericht Schweinfurt. Ein 57-Jähriger soll sein Konto als Zwischenstation für einen Anfang März letzten Jahres erfolgten Geldtransfer von einem ihm unbekannten Mann an unbekannte Dritte weitergeleitet haben. Laut Anklage gingen 1600 Euro auf seinem Konto ein, die gute Hälfte überwies er in zwei Tranchen über einen britischen Zahlungsdienstleister an Dritte, "mutmaßlich die Hintermänner oder weitere Finanzagenten". Wo die andere Hälfte geblieben ist, sei "unbekannt".  

    28 000 Euro nach Ghana überwiesen

    Das bleibt es zunächst auch, denn der 57-Jährige, auf dessen Konto das Geld eingegangen war, glänzt bei seinem "Geldwäsche"-Prozess durch Abwesenheit. Nur der Zeuge ist da, der "Geschädigte", der die 1600 Euro auf das Konto des Angeklagten überwiesen und als Verwendungszweck einen Frauennamen angegeben hatte. Er wie der Angeklagte wurden laut Anklage Opfer eines "Love Scam" (Liebesbetrug).

    Dabei versuchen gewerbsmäßig handelnde Täter, meist vom Ausland aus, übers Internet älteren Menschen vorzuspiegeln, sie seien an einer Liebesbeziehung mit ihnen interessiert. Tatsächlich wollten sie nur Vertrauen aufbauen und so erreichen, dass ihre Opfer große Geldbeträge ins Ausland überweisen, etwa um eine Einreise nach Deutschland zu finanzieren. Auf diese Weise sei, so die Anklage, der nunmehr Angeklagte in den Jahren 2016 und 2017 Opfer eines "Love-Scams" geworden. Er habe an seine Kontaktperson in Ghana, die er für seine Freundin oder Lebensgefährtin hielt,  insgesamt 28 000 Euro überwiesen. Die Polizei habe die Täter nie ermitteln können. 

    Eigenes Konto als Zwischenstation

    Der 57-Jährige kannte also die die kriminelle Nummer, nachdem er selbst darauf hereingefallen war und die Polizei ihm die Betrugsmasche erklärt hatte. Gleichzeitig habe ihn die Kripo gewarnt, weitere Geldbeträge ins Ausland zu überweisen, diese wären unwiederbringlich verloren. Dennoch habe er vor einem Jahr sein Konto für einen dubiosen Geldtransfer zur Verfügung gestellt, bei dem er weder die Auftraggeber, noch den Einzahler, noch den oder die Empfänger kannte.      

    So wurde der 57-Jährige, zwei Jahre zuvor noch "Love Scam"-Opfer, laut Staatsanwaltschaft nun zum Mittäter bei eben diesem Betrug. Der Vorwurf: Geldwäsche. Nachdem der Angeklagte aber nicht erschienen war und deshalb nicht verhandelt werden konnte, beantragte der Staatsanwalt, vom Strafverfahren in ein Strafbefehlsverfahren überzugehen, bei dem die Schuld als sehr wahrscheinlich angesehen und eine Geldstrafe verhängt wird.

    120 Tagessätze à 20 Euro verhängte der Amtsrichter für die "Geldwäsche". Dagegen könnte der 57-Jährige Einspruch einlegen. Es käme erneut zu einer Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht.        

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