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    Schweinfurt

    Kreis Schweinfurt will jetzt auch "Fahrradfreundliche Kommune" werden

    Das Radwegenetz im Landkreis Schweinfurt ist schon gut ausgebaut. Um als "Fahrradfreundliche Kommune" zertifiziert zu werden, bedarf es allerdings noch Nachbesserungen. Ziel ist es, für Radfahrer eine ähnlich gute Ausgangslage zu schaffen, wie sie vom motorisierten Individualverkehr bekannt ist. Foto: Anand Anders

    70 Kommunen in Bayern sind es schon, auch die Stadt Schweinfurt. Jetzt will der Landkreis Schweinfurt ebenfalls "Fahrradfreundliche Kommune" werden. Einstimmig hat sich deshalb der Umweltausschuss des Kreistages für eine Mitgliedschaft des Landkreises in der "Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern" (AGFK) ausgesprochen, mit einem jährlichen Beitrag von 2500 Euro. Zielsetzung dieses eingetragenen Vereins, dem derzeit neun Landkreise angehören, ist die Förderung des Radverkehrs als klimaneutrales und ressourcenschonendes Verkehrsmittel. Für Radfahrer soll eine ähnlich gute Ausgangslage geschaffen werden, wie sie vom motorisierten Individualverkehr bekannt ist. Das heißt: mehr Infrastruktur, mehr Sicherheit und generell mehr "Radkultur" in der Gesellschaft. 

    "Das ist eine sinnvolle Sache", meinte Walter Rachle (Bündnis 90/Grüne). In Zeiten des Klimawandels sei es richtig, sich für den Fahrradverkehr stärker ins Zeug zu legen. Der AGFK unterstützt die Kommunen bei der Umsetzung einer fahrradfreundlichen Mobilitätskultur, entwickelt konkrete Projekte, ist Plattform für den Erfahrungsaustausch zwischen den Mitgliedern und managt die Öffentlichkeitsarbeit.

    Allerdings: Es gibt Qualitätskriterien für die Aufnahme, die auch später regelmäßig von einer Kommission überprüft werden, informierte Ulfert Frey, Leiter des Sachgebiets Kreisentwicklung. So braucht der Landkreis ein Radverkehrskonzept, einen Radverkehrsbeauftragten und politische Zielvorgaben zur Erhöhung des Radverkehrsanteils. Nicht alle Kriterien müssen gleich von Anfang an erfüllt sein, zumindest aber müssen politisch, personell und finanziell die Weichen für eine klimaneutralere Verkehrsabwicklung gestellt sein.

    Gut ausgebautes und gut beschildertes Radwegenetz

    Hier ist der Landkreis Schweinfurt schon auf einem guten Weg, wie eine Untersuchung der Radwege und Infrastrukturen in den unterfränkischen Landkreisen zeigt. Das gemeinsame Leader-Kooperationsprojekt der Landkreise Schweinfurt (mit Stadt Schweinfurt), Haßberge, Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen hatte Regionalmanagerin Johanna Böhm vorab dem Umweltausschuss vorgestellt. Demnach ist das Radwegenetz im Landkreis gut ausgebaut und gut beschildert. Nur die Qualität der Oberflächen sei teilweise verbesserungswürdig, sagte Böhm. Auch sei das Wege-Angebot nicht immer auf Touristen ausgelegt und die begleitende Infrastruktur nicht immer bedürfnisorientiert. Und: Die Qualität der Anbieter entspreche nicht immer den veränderten Ansprüchen im Radtourismus.

    "Das ist ein Ergebnis, mit dem man leben kann, das aber auch anspornt", zeigte sich Landrat Florian Töpper zufrieden. Walter Rachle sah die infrastrukturellen Defizite hauptsächlich auf städtischem Gebiet. "Wir haben ein ausgezeichnetes Fahrradnetz." Walter Weinig (CSU) sprach sogar von einem "Vorzeigeobjekt". Das Regionalmanagement wird die Ergebnisse auch der Stadt Schweinfurt und allen beteiligten Gemeinden präsentieren, verbunden mit Handlungsempfehlungen, wie der Radtourismus besser gefördert und etabliert werden kann.

    Kommission soll Landkreis gründlich unter die Lupe nehmen

    Unterstützung auf dem Weg zu einer fahrradfreundlichen Mobilitätsstruktur möchte sich der Landkreis Schweinfurt bei der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern holen. Sollte der Kreistag dafür grünes Licht geben, wird das Aufnahmeverfahren in Gang gesetzt. Bis zu vier Jahre kann sich das hinziehen. Denn zuerst einmal gibt es eine "Vorbereisung" einer Kommission, die den Landkreis gründlich unter die Lupe nimmt und entsprechende Handlungsempfehlungen gibt. Gefordert werden zudem ein Radwegekonzept und die Bestellung eines Radverkehrsbeauftragten. Erst dann erfolgt die Hauptbereisung der Bewertungskommission, die entscheidet, ob alle Aufnahmekriterien für die Auszeichnung des Landkreises Schweinfurt als "Fahrradfreundliche Kommune in Bayern"erfüllt sind. Das Zertifikat gibt es dann vom Staatsministerium.

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