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    WERNECK

    Kriege kennen keine Sieger

    Kranzniederlegung und mahnende Worte. Steffen Hörtler (Zweiter von links), Landesvorsitzender Bayern der Landsmannschaft der Sudetendeutschen, forderte dazu auf, die Erinnerung wach zu halten und aus der Vergangenheit zu lernen. Peter Krier (Zweiter von rechts), Kreisvorsitzender des Bunds der Vertriebenen, appellierte an die Staatsoberhäupter dieser Welt, nachhaltig für den Frieden einzutreten. Foto: Helmut Glauch

    „Frieden und Demokratie kommen vielen Menschen heute selbstverständlich vor, doch es sind kostbare Güter, die es zu bewahren gilt.“ Die Wernecker Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl brachte damit – neben dem Gedenken an die Opfer zweier verheerender Weltkriege – ein zentrales Anliegen des Volkstrauertages auf den Punkt. Traditionell gestaltete der Bund der Vertriebenen mit seinen angeschlossenen Landsmannschaften gemeinsam mit der Marktgemeinde Werneck die Gedenkveranstaltung.

    Die Werte einer freien Gesellschaft weitergeben

    „Populisten und rechte Gruppen schüren Ängste und vertiefen Gräben“, so Baumgartl weiter in ihren einleitenden Worten zur Feierstunde an der Gedenkstätte am Ostlandkreuz. Umso wichtiger sei es, die Werte, die eine freie Gesellschaft braucht, an künftige Generationen weiterzugeben.

    Die deutsche Version von Bob Dylans „Blowin' in the Wind“, in der es heißt „Wie viele Straßen auf dieser Welt, sind Straßen voller Tränen und Leid“, dargeboten vom Chor „Klangfarben“ aus Zeuzleben, war die Überleitung zur zentralen Gedenkansprache. Steffen Hörtler, Landesvorsitzender Bayern der Landsmannschaft der Sudetendeutschen, war nach Werneck gekommen, um in Erinnerung zu rufen, wie wichtig es sei, eine lebendige Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu führen und so einen wichtigen Beitrag gegen das Vergessen zu leisten.

    Erst die Heimat, dann das Leben verloren

    In eindrucksvollen Worten erinnerte er nicht nur an die vielen Millionen Soldaten, die in zwei Weltkriegen ihr Leben gelassen haben, sondern auch an die unzähligen Menschen, die Opfer der Vertreibung wurden, die eine Heimat, die ihre Vorfahren jahrhundertelang bewohnten, von heute auf morgen verlassen mussten. Eine Heimat, deren Äcker sie bebaut, deren Gebäude sie gebaut haben und die dennoch plötzlich keine mehr war.

    Doch damit nicht genug, verloren viele von ihnen auf der Flucht ihr Leben, sie ertranken nach dem Untergang ihres Schiffes in eisigen Fluten, wurden von Panzern überrollt oder starben den Hungertod. Menschen wurden erschossen, erschlagen, wurden Opfer von Säuberungsaktionen und Massakern und – wenn überhaupt – hastig in Massengräbern verscharrt. Darunter viele Kinder, die die Flucht nicht überstanden, deren Leichname oft unbegraben am Wegesrand zurückblieben. All diesen ungezählten Opfern gelte die Anteilnahme am Volkstrauertag.

    Vor diesem Hintergrund, so Hörtler weiter, nehme man Anteil am Schicksal jener Menschen, die auch 2018, also hundert Jahre nach dem Ende des 1. Weltkrieges, aus irgendwelchen Gründen, wie zum Beispiel wegen ihrer Religion, auf der Flucht sind und ihre Heimat zurücklassen müssen.

    Opfer in beinahe jeder Familie

    Peter Krier, Kreisvorsitzender des Bund der Vertriebenen, zeichnete in seinem Schlusswort am Beispiel seiner eigenen Familie nach, wie viel Leid die Kriege über die Menschen gebracht haben. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges habe seine Großmutter mit drei kleinen Kindern auf dem Bahnhof auf die Rückkehr ihres Mannes gewartet, doch er kam nicht, die Kinder wuchsen ohne Vater auf. Ein Schicksal, das seinerzeit beinahe jede Familie in dieser oder ähnlicher Form teilte. Kaum zu begreifen, dass gut 20 Jahre später wieder ein Krieg tobte, der 55 Millionen Opfer forderte. Diesmal war es Kriers Patenonkel, der in Stalingrad blieb. „Der Krieg kennt keine Sieger, nur Opfer auf allen Seiten.“

    Verantwortung für den Frieden

    An die Adresse der Staatsmänner dieser Welt appellierte er, ihre Verantwortung für den Frieden in der Welt ernst zu nehmen. Ein Zeichen der Hoffnung sei, dass zumindest zwischen Deutschland und Frankreich eine stabile Freundschaft gewachsen sei.

    Umrahmt wurde die Feier von der Bläserphilharmonie Werneck, dem Chor Klangfarben aus Zeuzleben und der oberschlesischen Trachtengruppe „Eichendorff“ Schweinfurt. Weitere Teilnehmer waren die Reservistenkameradschaft Eckartshausen und die Schulgemeinschaft ehemaliger Angehöriger der Unteroffiziersschule 3 der Luftwaffe.

    Die Wernecker Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl mahnte, die kostbaren Güter Freiheit und Demokratie nicht als selbstverständlich anzusehen. Foto: Helmut Glauch
    Auch im alten Friedhof in Schweinfurt hielt der Bund der Vertriebenen vor seiner Fahrt nach Werneck eine kurze Andacht und legte Blumen nieder. Foto: Helmut Glauch

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