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    Schweinfurt

    Kulturkonferenz: Hippes Ambiente, kritische Worte

    Am Martin-Luther-Platz entsteht bis 2023 das neue Kulturforum. Bei der Kulturkonferenz gab es auch kritische Nachfragen zu dem Thema von Seiten der Kulturschaffenden. Foto: Oliver Schikora

    Die Dancefloor Destruction Crew ist immer einen Besuch wert, insbesondere auch in ihren neuen Räumlichkeiten in der DDC Factory in einer ehemals von den US-amerikanischen Streitkräften genutzten Turnhalle im Stadtteil Yorktown. Das dachten sich auch zahlreiche Kunst- und Kulturschaffende aus Schweinfurt, denn selten war die Kulturkonferenz so gut besucht wie dieses Mal.

    Der Kreativ-Hotspot, den die DDC-Macher um Marcel Geißler und Alexander Pollner geschaffen haben, zieht junges, hippes Publikum an, begeisterte aber auch die älteren Semester bei der Konferenz, denn durch ihre umgängliche, offene Art machten die DDCler schnell klar, dass sie mit jedem gerne sprechen und auch zusammenarbeiten, wenn es sich anbietet. Die Kulturkonferenz als Ort, an dem man sich vernetzen kann, das war in diesem Jahr das Anliegen von Oberbürgermeister Sebastian Remelé, der das auch selbst mit vielen angeregten Gesprächen in Anspruch nahm.

    Neben der Vorstellung der Arbeit der DDC nutzte Dominic Gentil die Gelegenheit, die vielfältige Jugendarbeit im kom,ma in der Schultesstraße vorzustellen, sowie die stellvertretende Vorsitzende des 1983 ins Leben gerufenen Stadtverbandes Musik, Hilde Müller, eine Lanze für die Schweinfurter Chöre und Instrumentalgruppen zu brechen.

    Die Kulturkonferenz fand in diesem Jahr im stylischen Ambiente der neuen DDC Factory in Yorktown statt. Foto: Oliver Schikora

    Die gestrichenen Saal-Pläne im Kulturforum werden kritisch hinterfragt

    Es gab auch Kritisches zu besprechen. Manfred Manger, der seit über zehn Jahren Poetry Slams in Schweinfurt und Umgebung veranstaltet, brachte das Thema großer Saal im Kulturforum zur Sprache. Bekanntlich stellte sich im Sommer heraus, dass der von Seiten der Kulturszene erhoffte Saal mit einer Größe von 300 bis 400 Personen – bei einer Umfrage und in Workshops im Rahmen des Kulturprofils gefordert und zugesagt – aus Kosten- und bautechnischen Gründen nicht realisierbar ist. Im Moment wird ein Saal mit etwa 160 Personen geplant, entschieden ist das aber noch nicht. 

    Manger machte aus seinem Herzen keine Mördergrube: "Ich bin zutiefst enttäuscht", erklärte er. Aus mehreren Gründen: Zum einen habe die Stadtverwaltung versprochen, dass der große Saal, der aus Sicht der Kulturschaffenden dringend notwendig wäre, im Rahmen des Kulturforums gebaut werde. Er und viele andere Mitstreiter hätten sich ehrenamtlich eingebracht, als das Kulturprofil entwickelt wurde. Man habe ihnen versprochen, ihre Wünsche ernst zu nehmen.

    Blick aus der Alten Reichsvogtei in Richtung Stadtschreiberhaus und Altes Gymnasium. Das Gebäude rechts wird abgerissen und durch einen Neubau für das Kulturforum ersetzt. Foto: Oliver Schikora

    Manger betonte, er habe mit vielen Bekannten, die in Schweinfurt Veranstaltungen machen, gesprochen, sie alle seien enttäuscht vom Verhalten der Kulturverwaltung. In der Tat hat auch eine Umfrage dieser Zeitung bei mehreren Anbietern großes Unverständnis über die Entscheidung, auf den großen Saal im Kulturforum zu verzichten, ergeben. Ebenso augenfällig war bei der Kulturkonferenz bei aller offensichtlichen Harmonie im Rahmen der Veranstaltung die Abwesenheit bestimmter wichtiger Akteure, die ansonsten immer dabei sind.

    "Es lohnt sich in die Stadthalle zu investieren. Wir können so ein attraktives Angebot schaffen."
    Oberbürgermeister Sebastian Remelé will für mittelgroße Veranstaltungen in Schweinfurt auch die bestehende Stadthalle ertüchtigen.

    Oberbürgermeister Sebastian Remelé erklärte, Ehrenamtler in einen Entscheidungsprozess der Verwaltung einzubinden bedeute nicht zwingend, dass man auch "alle berechtigen Wünsche umsetzen kann". Es habe sich in den vergangenen Monaten gezeigt, dass der große Saal nicht realisierbar sei. Es sei ihm bewusst, "dass wir Enttäuschung auslösen". Er verwies darauf, dass nun ein Saal mit 150 bis 200 Plätzen komme und man sich überlege, die Stadthalle ins Blickfeld zu nehmen. Dort gebe es 400 bis 700 Plätze, "es lohnt sich da zu investieren und wir können so ein attraktives Angebot schaffen".  

    Planungsvariante B für das Kulturforum am Martin-Luther-Platz in Schweinfurt, wie sie im Sommer im Stadtrat vorgestellt wurde. Foto: Animation Freie Architekten Heinle, Wischer und Partner

    Kulturforum-Leiterin Katharina Christ warb für einen "lebendigen Ort der Begegnung", der das Kulturform mit Museum und Aktionshaus werden solle. Bezüglich der Pläne für das Alte Gymnasium erklärte sie, man wolle ein Aktionshaus mit Räumen für Projekte schaffen, Vereinszimmer zur uneingeschränkten Nutzung seien nicht geplant.

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    Auch andere Themen wurden angesprochen wie das Chorkonzert „Schweinfurt singt und klingt“, das dieses Jahr im Rathausinnenhof nicht möglich war. Der OB versprach für 2020, notfalls einen anderen Ort zu suchen. Weiteres Thema war das „Verlauf dich nicht“-Open-Air, früher am Almrösl, und die Frage, wie man es wieder aufleben lassen könnte.

    Die Entwicklung der Idee Kulturforum in den vergangenen drei Jahren

    Im Norden der Johannis-Kirche am Martin-Luther-Platz entsteht das neue Kulturforum, bei dem auch die Alte Reichsvogtei, das Stadtschreiberhaus und das Alte Gymnasium saniert werden. Foto: Hajo Dietz Nürnberg

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