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    Schweinfurt

    Kulturschaffende in Schweinfurt sehnen sich nach Normalität

    Die Absage aller Veranstaltungen bis mindestens 19. April und die Ausgangsbeschränkungen machen Veranstaltern zu schaffen. Wie die DDC und die Agentur L19 damit umgehen.
    Kann das Schweinfurter Stadtfest in diesem Jahr der Coronakrise stattfinden? Darüber wird in den nächsten Wochen entschieden, der reguläre Termin wäre Mitte August.
    Kann das Schweinfurter Stadtfest in diesem Jahr der Coronakrise stattfinden? Darüber wird in den nächsten Wochen entschieden, der reguläre Termin wäre Mitte August. Foto: Josef Lamber

    Bis mindestens nach den Osterferien sind alle Museen, das Theater und die Volkshochschule in Schweinfurt während der Coronakrise geschlossen. Die freien Kulturanbieter wie Disharmonie oder Stattbahnhof können keine Konzerte veranstalten, gerade in der Kulturbranche sind die Einschnitte massiv und die Sorgen um die Zukunft ebenso. Auch bei der Schweinfurter Agentur L19, die das Stadtfest veranstaltet sowie das Honky Tonk im Herbst, oder bei der Dancefloor Destruction Crew sind die Folgen der Coronakrise Thema Nummer eins.

    Ralf Hofmann ist der Inhaber von L19, seit zehn Jahren organisiert man mit Partnern das Stadtfest, seit über 25 Jahren die Honky-Tonk-Festivals, von denen alleine Hofmanns Agentur 29 veranstaltet. Das Schweinfurter Stadtfest ist immer Mitte August, das Honky Tonk 2020 am 17. Oktober in der Wälzlagerstadt. Abgesagt ist noch nichts, viel zu früh, um eine Entscheidung zu treffen. Unsicherheit gibt es trotzdem, wie es weitergeht.

    "Wir waren in voller Fahrt auf der Autobahn, um unsere Ziele zu erreichen", beschreibt Hofmann die Situation und fügt an: "Auf einmal wird alles auf Null gefahren, ohne eine Chance auf Vorbereitung." Für seine Agentur ein heftiger Einschnitt, auch wenn man in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet hat und grundsätzlich der Bestand der Firma nicht gefährdet ist. Einschnitte gab es trotzdem, zwei Mitarbeiterinnen wurden freigestellt, auch Kurzarbeit war nötig.

    Kann das Honky Tonk in Schweinfurt am 17. Oktober stattfinden? Darüber wird in den nächsten Monaten entschieden.
    Kann das Honky Tonk in Schweinfurt am 17. Oktober stattfinden? Darüber wird in den nächsten Monaten entschieden. Foto: Josef Lamber

    Ralf Hofmann, im Ehrenamt SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, hält die Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus für richtig. Für die Stadtverwaltung und ihre Arbeit, auch die des Oberbürgermeister Sebastian Remelé, hat er in der "Megakrise" nur Lob: "Die Verwaltung funktioniert und es läuft." Auch die Soforthilfen für von der Krise betroffene Unternehmen seien schnell ausgezahlt worden.

    Ralf Hofmann, Vorsitzender des Kunstvereins, SPD-Stadtrat und Geschäftsführer der Agentur L19.
    Ralf Hofmann, Vorsitzender des Kunstvereins, SPD-Stadtrat und Geschäftsführer der Agentur L19. Foto: Katharina Winterhalter

    Dennoch hat Hofmann bezüglich der Veranstaltungen eine besondere Schwierigkeit: "Wir planen als ob alles stattfindet", betont er, wissend, dass es in den nächsten Monaten wichtig ist, einem Grundsatz zu folgen: "Die Wissenschaft bestimmt."

    Froh ist Hofmann, dass das bestehende Veranstaltungsteam sowohl für das Stadtfest als auch die anderen Veranstaltungen wie das Wikingerfest in Schonungen so eingespielt ist, dass man kurzfristig reagieren kann. Das Programm fürs Stadtfest steht, die Bands sind gebucht, bleibt die Frage, ob es möglich ist oder nicht. Gemeinsam mit der Werbegemeinschaft "Schweinfurt erleben" werde man zu gegebener Zeit eine Entscheidung auf Basis der dann geltenden Richtlinien treffen.

    "Wir waren in voller Fahrt auf der Autobahn, um unsere Ziele zu erreichen. Auf einmal wird alles auf Null gefahren ohne eine Chance auf Vorbereitung."
    Ralf Hofmann, Inhaber der Agentur L19, die unter anderem das Stadtfest veranstaltet.

    Während er in der Krise für seine Agentur Chancen sieht, sich neu aufzustellen und das Portfolio zu erweitern, macht sich Hofmann, der auch Vorsitzender des Schweinfurter Kunstvereins ist, natürlich Sorgen um die gesamte Kultur-Branche – vom Veranstalter über den Musiker, den freien Künstler, den Tontechniker, den Bühnenbauer bis zum Lichttechniker, vom fahrenden Händler bis zum Gastronom. Wie überstehen gerade sie die Krise, wann können sie wieder arbeiten, Geld verdienen? 

    Für die Dancefloor Destruction Crew steht die Welt gerade auf dem Kopf: Wegen der Coronakrise kann die DDC wie viele andere Künstler derzeit nicht auftreten.
    Für die Dancefloor Destruction Crew steht die Welt gerade auf dem Kopf: Wegen der Coronakrise kann die DDC wie viele andere Künstler derzeit nicht auftreten. Foto: Oliver Schikora

    Die Dancefloor Desctruction Crew ist eines der Schweinfurter Aushängeschilder in Sachen Kultur, sie füllt mit ihren Shows große Hallen, tritt mit Florian Silbereisen auf und tanzte schon für den früheren US-Präsidenten Barack Obama. Seit vergangenem Sommer hat die DDC eine neue Heimstatt mit ihrer DDC-Factory in der ehemaligen amerikanischen Turnhalle am Kessler Field.

    Während der Coronakrise ist natürlich auch dort geschlossen, der Kursbetrieb mit bis zu 25 verschiedenen Workshops findet nicht statt. Der ganztägige Schulworkshop Mitte März wurde abgesagt, im April sind einige Auftritte deutschlandweit abgesagt bzw. verschoben worden, zum Beispiel "Breakin' Mozart" in Essen. Marcel Geißler, künstlerischer Leiter der DDC, ist mit dem Team im Moment im Wartestand, weiß den aber zu nutzen.

    Der Verdienstausfall durch abgesagte Auftritte ist bei der DDC erheblich, wird die erfolgreiche Company aber nicht in Schwierigkeiten bringen, weil man ein finanzielles Polster hat. Kurzarbeit gibt es auch deswegen nicht, weil die DDC-Tänzerinnen und Tänzer selbstständige Künstler sind.

    Man nutzt nun die Zeit zur Entwicklung neuer Projekte, auch wenn wegen der Ausgangsbeschränkungen ein Trainingsbetrieb nur eingeschränkt möglich ist. Am vergangenen Wochenende bot man den zahlreichen Fans per Livestream auf Facebook und Instagram eine Aufzeichnung der umjubelten neuen Show "DDC goes CRZY", die im November im Schweinfurter Theater fünf Mal in Folge ausverkauft war. Außerdem werden Tanz-Tutorials in den eigenen Studios aufgezeichnet, die sich jeder auf den DDC-Social-Media-Kanälen ansehen kann.

    Einen Vorteil hat die Zwangspause auch noch: Es ist jetzt nicht nur "Zeit zum runterkommen vom hektischen Alltag", so Marcel Geißler, sondern auch für kleinere Reparaturen und Verschönerungsarbeiten an und in der neuen Halle, zu denen man bisher noch nicht kam. Außerdem ist eine Tournee mit "CRZY" in gut einem Jahr in Planung, feste Termine im Februar, März und April 2021 gibt es schon.

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