• aktualisiert:

    Schweinfurt / Würzburg

    "Lackkratzer" steht in Schweinfurt vor Gericht

    Die polizeilichen Ermittlungen waren sehr aufwendig. Über 600 Autos soll der Angeklagte zerkratzt haben. Schaden: fast eine Million Euro. Wie viele Fälle sind beweisbar?
    An 642 Autos soll ein 26-Jähriger mutwillig den Lack zerkratzt und so einen Schaden von 930 422 Euro angerichtet haben. Ab Mittwoch steht er in Schweinfurt vor Gericht. Foto: simonkr

    Schon 2017 begann eine merkwürdige Serie von Vandalismus. Offenbar im Schutze der Nacht machte sich ein Unbekannter daran, in ganzen Straßenzügen geparkte Fahrzeuge zu zerkratzen. Oft wurden Dutzende Autos pro Nacht beschädigt. Eine Sonderermittlergruppe der Polizei wurde gebildet. Sie jagte den Vandalen sogar mit Unterstützung eines Profilers - wochenlang, aber ohne auf eine heiße Spur zu stoßen.

    Zeugin: "Der sah geübt aus"

    Die meisten der Sachbeschädigungen an Autos, die dem Unbekannten zugeschrieben wurden, hat die Polizei im Raum Würzburg registriert. Gefasst wurde der Mann aber, der an hunderten Autos tiefe Ritze in den Autolack gekratzt haben soll, als er mitten in der Nacht sein Unwesen in Schweinfurt trieb.

    Ende April 2018 hörte eine 24-Jährige im Stadtteil Gartenstadt nachts um 3 Uhr Kratzgeräusche. Sie beobachtete „so einen Typen“, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite zügig von Auto zu Auto ging und mit der gleichen Handbewegung einen Wagen nach dem anderen zerkratzte. „Der hatte das gut drauf, das sah sehr geübt aus“, sagte die Zeugin damals gegenüber den Medien.

    Schaden: Eine knappe Million

    Die Zeugin alarmierte die Polizei, die schnell vor Ort war und den Verdächtigen festnahm. Er wurde zunächst in einer Klinik untergebracht, kam aber nach einem halben Jahr wieder auf freien Fuß. Nun beginnt an diesem Mittwoch, um 8.30 Uhr, vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt der Prozess wegen Sachbeschädigung gegen den 26-jährigen Studenten. 

    Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft eine Anklage über 37 Tatserien mit 1700 beschädigten Fahrzeugen und einer Schadenssumme von 2,3 Millionen Euro vorgelegt. Diese Anklage hat das Gericht so aber nicht zugelassen. Verhandelt wird nun die im Umfang stark reduzierte Anklageschrift vom 23. Dezember 2019, die für den Zeitraum Februar bis April 2018 "nur" noch sieben Serien mit  642 Schadensfällen auflistet, mit einem Schaden von 930 422 Euro.

    Dem Angeklagten muss jeder einzelne Fall nachgewiesen werden. Das Gericht hat 24 Verhandlungstage angesetzt – bis zum 8. April.

    Fotos

      Kommentare (13)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!