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    Dingolshausen

    "Langweilig wird mir sicher nicht"

    Der Mann hat die Entwicklung Dingolshausens nachhaltig geprägt. Am 30. April endet nach 24 Jahren die Amtszeit von Bürgermeister Lothar Zachmann. Ein Gespräch zum Abschied.
    24 Jahre lang war Lothar Zachmann der ehrenamtliche Bürgermeister von Dingolshausen. Am Donnerstag endet seine Dienstzeit.
    24 Jahre lang war Lothar Zachmann der ehrenamtliche Bürgermeister von Dingolshausen. Am Donnerstag endet seine Dienstzeit. Foto: Martina Müller

    Lothar Zachmanns Amtszeit als Bürgermeister der Gemeinde Dingolshausen endet am 30. April. Er war zur Bürgermeisterwahl nicht mehr angetreten, sondern hatte als Landrat kandidiert. Dort konnte er sich aber nicht gegen den Amtsinhaber Florian Töpper durchsetzen. 

    FRAGE: Der 1. Mai 1996 war für Sie ein besonderer Tag. Sie traten die Nachfolge von Erwin Loos an. Wie erlebten Sie diesen Tag?

    Lothar Zachmann: Ich hatte meinen ersten Termin im Wohnstift Steigerwald in Gerolzhofen. Dort wurde der Erweiterungstrakt eingeweiht und Barbara Stamm hielt damals die Festrede. Ansonsten war für mich in den ersten Tagen meiner Amtszeit am spannendsten die konstituierende Sitzung mit meiner Vereidigung.

    Was waren für Sie die drei markantesten Projekte Ihrer Amtszeit?

    Zachmann: Die größten Maßnahmen sind sicherlich die, die als Gesamtkonzept viele kleine Maßnahmen beinhalten und sich über Jahre gestreckt haben. Folglich sind für mich die größten "Meilensteine" zum einen die umfassende Dorferneuerung in Dingolshausen, die den kompletten Altort ein völlig neues Gesicht gegeben hat, die Volkach-Renaturierung in drei Abschnitten gebracht hat und auch den privaten Eigentümern im Kernort mit Fördermöglichkeiten den Erhalt ihrer Gebäude mit vielen neuen Nutzungen ermöglichte. In diesem Zusammenhang gelang es uns, die punktuelle Dorferneuerung in Bischwind mit der Erweiterung und Modernisierung des Gemeindehauses anzugliedern.

    Das zweite wichtige Großprojekt war für mich zweifellos der Abriss der Industriebrache Hümmer und die Neugestaltung mit Bauhof, Vereinsräumen, Parkplätzen, einem Freigelände mit Außenbühne, zwei E-Ladestationen und allen voran dem Regionalzentrum Frei:Raum. Das war finanziell ein enormes Großprojekt der Gemeinde, aber mit mehreren großen Fördertöpfen und dem Zusammenhalt aller beteiligten Vereine stemmbar und absolut erfolgreich.

    Und als Drittes möchte ich die unglaubliche bauliche Entwicklung der Gemeinde in den vergangenen 24 Jahren erwähnen. Wir haben in beiden Gemeindeteilen insgesamt über 100 Bauplätze erschlossen und verkauft. Und die Nachfrage nach Bauland ist immer noch ungebrochen.

    Wie würden Sie Ihre Rolle als Bürgermeister in den zurückliegenden Jahren beschreiben?

    Zachmann: Ich habe mich immer als Bindeglied, Motivator, Ideengeber und ausgleichende Kraft gesehen, der sich als Teil des Ganzen versteht und mit allen Beteiligten auf Augenhöhe agiert. Wichtig ist dabei immer, jedes noch so kleine ehrenamtliches Engagement wertzuschätzen und diese Anerkennung auch immer wieder zum Ausdruck zu bringen. Ein Bürgermeister erreicht nichts, wenn er sich selbst zu wichtig nimmt, aber er kann viel mehr erreichen, als wir alle für möglich halten, wenn er sich als gleichwertiges Glied in der Gesellschaft begreift. Wir haben Erfolge immer als Gemeinschaftsleistung gesehen. Diese Einstellung haben wir auch an die Jugend weiter gegeben. Wir feiern und arbeiten zusammen und wir geben jeder Generation ihre Rolle und ihre Wichtigkeit in dieser Gemeinschaft. 

    • Ein Blick zurück auf die Anfangsjahre von Bürgermeister Zachmann Ende der 90-er Jahre, zu einer Zeit, als die Zeitungsbilder noch schwarz-weiß waren:
    Gab es negative Erfahrungen, wo Sie im Nachhinein sagen, das hätte besser laufen können oder müssen?

    Zachmann: Natürlich gibt es auch negative Erfahrungen. Das Gute ist, dass man diese auch schnell vergisst beziehungsweise das Positive einfach stärker in der Erinnerung bleibt. Ich hätte gerne auf die eine oder andere Unterschriftenaktion verzichtet. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass oft dabei nur Entscheidungsdruck auf die Mandatsträger ausgeübt werden soll und dadurch die Abwägung von Pro- und Contra-Argumenten auf der Strecke bleibt. Auch die Bereitschaft nach Kompromisslösungen ist in solchen Fällen sehr schwer. Es sind meist einzelne oder wenige, die versuchen, mit solchen Aktionen den Eindruck zu erwecken, die breite Mehrheit stehe hinter der eigenen Forderung.

    Bei zwei derartigen Themen (Weinfest-Schlusszeiten und Mobilfunkversorgung) haben wir lange und intensiv mit den Beteiligten beraten. Gott sei Dank gibt es das Weinfest immer noch – natürlich inzwischen mit klar geregelten Ende-Zeiten – und auch ein Mobilfunkmast steht inzwischen. 18 Jahre nach meinem seinerzeit an Unterschriften gescheiterten Versuch, auf einem damals vorhandenen Turm im Hümmergelände einen Mobilfunkmast zu errichten und Mieteinnahmen für die Gemeinde zu ermöglichen, hat dann die nächste Generation genau so eine technische Einrichtung in der Gemeinde mit Nachdruck gefordert, wie sie seinerzeit von deren Eltern mit Nachdruck verhindert worden war.

    Was werden Sie nach Ihrer Amtszeit vermissen und worauf freuen Sie sich?

    Zachmann: Vermissen werde ich mit absoluter Sicherheit Eheschließungen. Es gab für mich in den vergangenen 24 Jahren nichts Schöneres an Amtshandlungen, als eine Trauung vollziehen zu dürfen. Es sind sicher weit über 100 gewesen. Freuen werde ich mich jetzt auf etwas mehr Zeit für die Familie, für Hobbys und Freunde. Ich schreibe gerne Gedichte und ich will noch ein Buch herausbringen, vielleicht auch wieder musikalisch aktiv werden, ich singe auch gerne und spiele auch gerne Theater. Zudem arbeite ich wieder Vollzeit in meinem Beruf und bringe mich weiterhin in der Kreispolitik ein – da bin ich auch sehr dankbar für das eindeutige Mandat der Kreisbevölkerung. Also langweilig wird mir nicht.

    In seiner Funktion als Vorsitzender des Weinfest-Ausschusses übernahm Lothar Zachmann, hier im Bild mit der amtierenden Weinprinzessin Larissa II., viel Verantwortung.
    In seiner Funktion als Vorsitzender des Weinfest-Ausschusses übernahm Lothar Zachmann, hier im Bild mit der amtierenden Weinprinzessin Larissa II., viel Verantwortung. Foto: Gerald Effertz
    Ihre Nachfolgerin wird bekanntlich Nicole Weissenseel-Brendler. Was geben Sie ihr, aber auch dem neuen Gemeinderat mit auf dem Weg?

    Zachmann: Zusammenhalt und Respekt, das sind die beiden Charaktere, die unsere Gesellschaft wieder mehr braucht. Leider haben sich in den letzten Jahren die Menschen zu sehr zu Individualisten entwickelt, die Forderungen und Erwartungen gegenüber der Gemeinde nicht mehr mit ehrenamtlichem Engagement und Eigenverantwortung in Verbindung bringen. Früher waren Lehrer, Pfarrer und Bürgermeister in einem Dorf die Respektspersonen – das ist leider inzwischen nicht mehr häufig der Fall. Aber die Entwicklung unserer Gemeinde hängt sehr stark davon ab, ob wir uns als Gemeinschaft verstehen, wo jeder seinen Beitrag dazu leisten muss, damit es erfolgreich in die Zukunft geht. Steuern und Abgaben zu zahlen, das allein reicht definitiv nicht aus. Der Nicole Weissenseel-Brendler wünsche ich gemeinsam mit dem neuen Gemeinderat eine glückliche Hand und dass es ihr gelingt, ihre Talente und Persönlichkeit zum Wohle unserer Heimat in ihrem Amt einzusetzen. 

    Einen Blick über die Gemeinde Dingolshausen hinaus: Wie sollte die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden vonstatten gehen?

    Zachmann: Die Zusammenarbeit der Nachbargemeinden ist in den vergangenen Jahren sehr intensiv geworden. Ich durfte dabei als Vorsitzender der Region Main-Steigerwald über nunmehr 13 Jahre auch Verantwortung tragen. Daneben gibt es ja bei den klassischen Kommunalaufgaben schon lange gemeinsame Themen. Denken wir da an den Waldzweckverband mit Gerolzhofen, an den Abwasserzweckverband mit Sulzheim für Vögnitz und Bischwind, an den Grundschulverband mit Donnersdorf, Michelau und Sulzheim oder an den Hauptschulverband über die gesamte VG und die Gemeinde Kolitzheim. Ich habe erlebt, wie hier das Gemeinschaftsgefühl und auch die Erkenntnis für die Notwendigkeit der Zusammenarbeit bei Bürgermeistern und Gemeinderäten aller Gemeinden deutlich zugenommen hat.

    Sie sind stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins der Geomed-Klinik. Warum bringen Sie sich dort ein? 

    Zachmann: Wenn uns die aktuelle Corona-Krise eines vor Augen führt, dann doch vor allem, dass die medizinische Versorgung nie nur eine Frage der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einer Einrichtung sein darf. Im Gegenteil. Medizinische Versorgung muss sich an der Erhaltung einer flächendeckenden Grundversorgung orientieren. Die Geomed-Klinik ist so eine Einrichtung und ich trete dort gemeinsam mit vielen Mitstreitern dafür ein, dass diese Einrichtung dauerhaft erhalten bleibt. Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen Einrichtung und Patienten und wollen mit Beitragsgeldern unserer Mitglieder und unglaublich vielen Spenden, die wir aus der Bevölkerung erhalten, Anschaffungen ermöglichen, die insgesamt den Aufenthalt in der Klinik angenehmer, menschlicher und einfacher machen und nicht zur Grundausstattung gehören. Ich freue mich darauf, auch weiterhin den Verein unterstützen zu können und ich habe auch die Patientenbesuche an Weihnachten, zu Ostern oder am Valentinstag immer als persönliche Bereicherung empfunden.

    Der Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Equemauville ist Zachmann seit Jahrzehnten verbunden, hier zusammen mit dem dortigen Bürgermeister Michel Bailleul.
    Der Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Equemauville ist Zachmann seit Jahrzehnten verbunden, hier zusammen mit dem dortigen Bürgermeister Michel Bailleul. Foto: Gerald Effertz
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