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    Gochsheim

    Leben und Tod, Freude und Trauer

    Begeistert erklärte Heinz Müller seinen Gästen die Neugestaltung des Friedhofs. Foto: Ursula Lux

    "Leben, Lachen Freude", ein auf den ersten Blick eher sperriges Motto für einen "Tag des Friedhofs". Aber der Humor hat nicht nur die gute Laune, sondern stets auch die dunkle Seite des Lebens im Blick. Unser Leben ist relativ und steht auf Abruf. Diese Lehre, die uns der Tod erteilt, hat der Humor längst begriffen. Er hilft, das große Theater in der Welt zu durchschauen. Spätestens beim sogenannten Galgenhumor merken wir, dass das Lachen sogar die Wucht des Todes relativieren kann.

    Die Friedhofshalle war gut besetzt, als Bürgermeisterin Helga Fleischer zum diesjährigen "Tag des Friedhofs" begrüßte. Mit einer kleinen Einstimmung, die Sandra und Klaus Fiedler stimmungsvoll musikalisch gestalteten, wurde die Veranstaltung eröffnet. Vor der Halle informierten ortsansässige Firmen über Bestattungskultur, Trauerfloristik und Grabpflege, sowie Grabdenkmale. Der Ortsverein für Gartenbau- und Landespflege, von dessen Dachverband der Tag des Friedhofs in Leben gerufen worden war, bot Getränke an.

    Heinz Müller führte die Besucher dann durch den parkähnlichen Friedhof und nahm sie mit auf eine Zeitreise. Innerhalb der heutigen Kirchgaden befand sich im 12. Jahrhundert Gochsheims erster Friedhof. Aus Platzmangel entstand im 17. Jahrhundert hier ein Beinhaus, das man aber knapp hundert Jahre später wieder abriss, die Knochen wurden beerdigt. In den "Kemenaten" am Plan entstand 1729 zusätzlich zur Beerdigungsstätte in den Kirchgaden ein neuer Friedhof.  Der heutige "Alte Friedhof" wurde 1806 eingeweiht.

    Längst ist er einem fünften Friedhof gewichen, der 1968 seiner Bestimmung übergeben wurde. Auch er ein "Spiegel seiner Zeit", so Müller. Die Gräber wurden immer größer, die Grabsteine wuchtiger, Ausdruck des wachsenden Wohlstands und Bürgerstolzes. Die Pflege der Gräber übernahmen die Familien. Aber so wie sich die Standorte im Laufe der Jahrhunderte änderten, so änderte sich auch die Friedhofskultur.

    Verwahrloste Gräber, weil niemand mehr da war, sie zu pflegen, die neue Urnenbestattung, der Ruf nach Baumbestattungen, all dies brachte die Gemeinde dazu, umzudenken und den Friedhof neu zu gestalten. Wenn der Friedhof Zukunft haben wollte, brauchte es pflegleichte kleinere Gräber, kleinere Grabdenkmale, ansprechende Urnengrabplätze, Möglichkeiten für Baumbestattungen und ein Feld für anonyme Beisetzungen. Bei all dem musste zudem Rücksicht genommen werden auf die bestehenden Grabstätten. Es war ein eigener Prozess, die Bürger der Gemeinde in diese Umgestaltungsmaßnahmen einzubeziehen, für die Neugestaltung zu werben und davon zu überzeugen.

    "Nach fünf Jahren und fünf Bauabschnitten sind die Bürger von Gochsheim zufrieden", stellte Müller fest. Er war gemeinsam mit der Bürgermeisterin die Triebfeder der Friedhofsneugestaltung. In der weitläufigen Parkanlage gibt es jetzt für jeden Geschmack etwas. Wiesengräber, solche mit kleiner Pflanzflächen oder nur einer Platte, den Rosengarten als Urnengemeinschaftsanlage. Individuelle Urnengräber, einen Friedgarten für Baumbestattungen und ein Rasenfeld für anonyme Bestattungen. Die Gemeinde kümmert sich um die Rasenflächen, ein Gärtner um den Rosengarten, also auch pflegerisch ist den Bürgern viel abgenommen worden.

    Heute ist der Friedhof ein "Ort der Würde, der Trauerbewältigung, der Begegnung, aber auch der Hoffnung und Zufriedenheit", so Müller. Und das Besondere: Es ist ein Ort für alle Generationen, denn Müller bezieht auch die Kinder und Jugendlichen in die Gestaltung des Gottesackers ein. Gemeinsam mit der Grundschule wurden Schiefertafeln mit Sinnsprüchen versehen und im Friedhof aufgestellt, die Mittelschüler gestalteten "Seelenbretter" aus Holz, die unter anderem den Kiefernhain schmücken.

    Wiese, Pflanzfläche oder Platte, den individuellen Wünschen der Angehörigen wird auf dem Gochsheimer Friedhof Rechnung getragen. Foto: Ursula Lux
    Kinder und Jugendliche wurden in die Neugestaltung des Friedhofs einbezogen. Grundschüler gestalteten diese Schiefertafeln, die zum Nachdenken einladen. Foto: Ursula Lux
    Das Rosenbeet ist eine Möglichkeit der Urnenbestattung. Foto: Ursula Lux

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