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    Schweinfurt

    Lehrerprotest gegen Piazolos Maßnahmen

    Lehrerprotest auch in Schweinfurt – rote Karte für Kultusminister Piazolo: die Protestkarten der drei BLLV-Kreisverbände wurden an BLLV-Vizepräsident Tomi Neckov (im Vordergrund) übergeben; dahinter der stellvertretende ULLV-Vorsitzende Helmut Schmid mit der Kartenbox.
    Lehrerprotest auch in Schweinfurt – rote Karte für Kultusminister Piazolo: die Protestkarten der drei BLLV-Kreisverbände wurden an BLLV-Vizepräsident Tomi Neckov (im Vordergrund) übergeben; dahinter der stellvertretende ULLV-Vorsitzende Helmut Schmid mit der Kartenbox. Foto: Horst Fröhling

    Zur landesweiten Aktion "So nicht" des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) hatten auch die hiesigen BLLV-Kreisverbände Schweinfurt-Stadt, Schweinfurt-Land und Gerolzhofen einen Protest organisiert. Dieser richtete sich dagegen, dass Grundschullehrer künftig 29 statt 28 Wochenstunden arbeiten sollen, Lehrkräfte an Grund,- Mittel- und Förderschulen erst mit 65 Jahren in Pension gehen können und es Einschränkungen bei Teilzeitmöglichkeiten geben wird.

    "Die Kolleginnen und Kollegen an unseren Grund,- Mittel- und Förderschulen haben sich positioniert und ein Zeichen gesetzt", so BLLV-Kreisvorsitzender Walter Schäffer. Geschehen sei dies in Form individuell gestalteter Protestfotos und Postkarten. Auf diesen würden ganz persönliche Botschaften an den Kultusminister formuliert. Der Protest richte sich gegen die Anfang Januar angeordneten "Maßnahmen zur Sicherung der Unterrichtsversorgung" des Kultusministeriums. "Unsere Botschaft ist klar: So nicht - wir sind viele, wir sind laut und wir sind stark", so Schäffer. Die Protestkarten würden kommende Woche dem Kultusminister übergeben.

    "Die drastischen Maßnahmen wie Mehrarbeit oder der Wegfall des vorzeitigen Ruhestands, haben das Fass auch in unserem Kreisverband zum Überlaufen gebracht. Die Kolleginnen und Kollegen seien sehr enttäuscht, verunsichert und demotiviert.", erklärte Schäffer. Er fordert die Politik auf, hinzuschauen, welchen Belastungen die Kollegien seit Jahren ausgesetzt sind.

    "Dieser Lehrermangel war vorhersehbar", stellte der BLLV-Vorsitzende fest. Jetzt werde die Problemlösung alleine auf dem Rücken der Beschäftigten abgewälzt. Besser wäre es, wenn das Kultusministerium um Mithilfe bei der Lösung gebeten hätte wie beispielsweise mit freiwilliger Mehrarbeit oder Freiräume bei der Schule vor Ort in der Stundenplanung. Mittelfristig müsse der Lehrerberuf attraktiver gemacht werden.

    "Wir sind aus vollem Herzen Lehrer, aber wir sagen Nein zu den Notmaßnahem.", sagt auch Tomi Neckov, Vizepräsident im BLLV und Vorsitzender des Kreisverbands Schweinfurt-Stadt. Kinder und Jugendliche zu unterrichten, heiße auch, die künftige Gesellschaft zu formen, Werte und Orientierung zu vermitteln. Früher sei man Lehrer gewesen, heute müsse man noch Erzieher, Psychologe, Sozialarbeiter, Manager, Therapeut, Entertainer, Vater- und Mutterersatz sein. Die Schüler forderten ständige Aufmerksamkeit, bräuchten intensive Betreuung und individuelle Förderung.

    Neckov sprach die Herausforderungen an, mit denen Lehrer heute konfrontiert seien: Inklusion und Integration, Digitalisierung, Ganztag und  individuelle Förderung. Aber auch die zunehmende Gewalt gegen Lehrkräfte sei ein Thema: Jeder fünfte Lehrer in Bayern habe sich schon einmal körperlich bedroht gefühlt.

    Vehement forderte der Vizepräsident die Besoldungsgruppe A 13 als Einstiegsgehalt für alle Lehrkräfte und damit auch für jene an Grund- und Mittelschulen, die A 12 haben, aber auch bessere Arbeitsbedingungen für die Fach- und Förderlehrer seien im wichtig. Als heftigste Einschnitte bewertete er die Erhöhung der Teilzeit und die Einschränkung beim Antragsruhestand. Zu den Notmaßnahmen gegen den Lehrermangel sagte er klar "Nein". Stattdessen forderte er bessere Arbeitsbedingungen, mehr Wertschätzung der Arbeit der Lehrkräfte und vor allem ein flexibles Lehramtsstudium.

    Als qualifizierten und engagierten Pädagogen lägen den Lehrern, die von den Maßnahmen betroffen sein werden, die Schüler am Herzen. Die Lehrkräfte machten ihre Arbeit gern und mit großem Einsatz. Es könne aber nicht sein, dass dieses große Engagement weiterhin so ausgenutzt wird.

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