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    GELDERSHEIM

    Leise huscht die Weihnachtsmaus

    Impressionen der Weihnacht: Jazz-Pianistin Christiane Dehmer gastierte in den Gaden. Foto: Uwe Eichler

    Sachsen ist ja dafür bekannt, dass dort nicht nur schöne Bäume wachsen. Aber so ein lebensbejahendes, duftendes Nadelgewächs hat schon etwas ungemein Sinnliches, jetzt zur Weihnachtszeit.

    „O Tannenbaum, O Tannenbaum, du kannst mit sehr gefallen“ singt Christiane Dehmer und greift beherzt in die Tasten, im sanften Licht des Christbaumschmucks.

    Die aus Chemnitz stammende Jazz-Pianistin ist zum wiederholten Mal am Biegenbach und hat eine persönliche Liebeserklärung an immergrüne Koniferen dabei. „Freue Dich!“ nennt sich das Programm der 21. Galderschummer Weihnacht, die Gaden sind randvoll gefüllt.

    Dehmer hat an der Musikhochschule Weimar und Würzburg studiert, wo sie mittlerweile als Dozentin arbeitet. „Freue dich“: Was in der unruhigen Adventszeit nach Drohung oder Befehl klingt, zwischen „Feliz Navidad“ und Erledigungsstress, lädt in der fränkischen Kirchenburg wirklich mal zur Entspannung ein. Zum Runterkommen und harmonischen Miteinander.

    Die Waldbrunnerin arrangiert traditionelle Weihnachtslieder neu, poppig-digital am Synthesizer: Was zum einen augenzwinkernde Hommage an unsere computergenerierte Marketing-Kunstwelt namens X-mas sein könnte. Zum anderen aber auch eine Liebeserklärung an Lieder und Emotionen der Kindheit, die halb zugeweht worden sind in den Schneestürmen des Lebens.

    Im Kerzenschein wird das Eingefrorene vorsichtig aufgetaut, vom „Kommet Ihr Hirten“ bis zum „Macht hoch die Tür“, was ja nicht nur die Kaufhaustür meint.

    Zwischendurch wandert Dehmer zum gediegen glänzenden Yamaha-Piano, dass gefühlt seit Urzeiten an der Fachwerkwand steht. Dem sie dann zeitlose, zarte Klänge entlockt, mit eigenen, raumgreifenden Kompositionen, die scheinbar schwerelos zu den Deckenbalken schweben. Hinauf zur thematisch passenden Ausstellung des Gadenvereins, den „Impressionen der Nacht“ (zu denen die Vereinsvorsitzende Claudia Cebulla in der Pause einlädt).

    „Little Journey“ nennt sich so eine Eigenproduktion, eine einfühlsame, romantische Reise entlang der Klaviatur, geradewegs durchs Leben, mal silbrig funkelnd wie Schneestaub, mal dunkelschön wie ein Winterwald.

    „Some day my prince will come“ ist ein schmachtig-süßer Jazz-Standard, der sich auch auf den sehnsüchtig erwarteten Weihnachtsmann anwenden lässt. „Longing“ nennt sich das Titelstück des aktuellen Albums, rund um die „Sehnsucht“, die man nicht nur zwischen den Jahren empfindet. „Zusammen“ ist man weniger allein, im gleichnamigen Lied. Bevor es Gnade regnet und leise der Schnee rieselt.

    „Ice Oasis“ nennt sich eine weitere Eiswüsten-Wanderung am Klavier, auf der Suche nach Herzenswärme und einem sicheren Ort zum Verweilen. Mit Weihnachten kündigt sich ja schon Ostern an, damit der Frühling und die Auferstehung. Bei „Resurrection“ darf die digitale Technik bereits hoffnungsvoll orgeln und jubilieren, bei „Stille Nacht“ das Publikum mitsingen. Bevor kurz vor Schluss „O Du Fröhliche“ neuinterpretiert wird. Und, als selbstkomponierte Zugabe, „The Mouse“ über die Tasten huscht, ein musikalisches Mäuslein unterm Tannenbaum.

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