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    SCHWEINFURT

    Leo-Parkhaus: Entlastung frühestens in vier Jahren

    Es ist ein Drama, anders kann man es nicht bezeichnen. Wer einen Termin im Leopoldina-Krankenhaus hat, sollte im Vorfeld viel Zeit einplanen. Ob Krankenschwester, Pfleger, Arzt, Verwaltungs-Mitarbeiter, Patient, Angehöriger oder Besucher, sie alle haben ein Problem: Viele Menschen, kaum Parkplätze. Seit Jahrzehnten bekannt, seit Jahrzehnten harrt das Problem einer Lösung. Das Leopoldina-Parkhaus ist nicht nur marode, es ist zu klein, noch dazu kostenpflichtig. Deswegen gibt es einen regen Parksuchverkehr in den Straßen rund um das Leopoldina. Was die Anwohner wiederum ziemlich nervt.

    Den gordischen Park-Knoten durchschlagen zu haben, das wollte Stefan Funk, Fraktionsvorsitzender der Schweinfurter Stadtrats-CSU und Kreisvorsitzende, bei der Infoveranstaltung für die Anwohner – es kamen rund 35 – Donnerstagabend nicht behaupten. Es hagelte teils deutliche Kritik an Stadträten und Verwaltung, gab aber auch konstruktive Vorschläge. Das Hauptproblem: Das Park-Drama dauert noch mindestens vier Jahre, frühestens Ende 2022 ist die anvisierte große Lösung fertig.

    Zwei neue Parkhäuser

    Stefan Funk stellte die Planungen der Verwaltung vor, die neue Details enthielten. Wie berichtet, wird das bestehende Leopoldina-Parkhaus abgerissen und neu gebaut. Die Verwaltung lässt das oberste Stockwerk sperren, das Parkhaus muss aus statischen Gründen entlastet werden. Es wurden in den vergangenen Jahren schon armdicke Holzpfosten zusätzlich eingezogen, um die Decken zu entlasten. Ein Gutachten empfiehlt Abriss und Neubau des aus den 1970er Jahren stammenden Gebäudes.

    Neu waren Details zu den Planungen in dem Areal Mainberger Straße/Hennebergstraße bis zum Leopoldina-Krankenhaus. Unterhalb dessen wurde in den vergangenen Jahren der Gesundheitspark gebaut, weitere Groß-Projekte stehen an: Zum einen ein Pflegeheim, zum anderen legt der Bezirk die zwei Schweinfurter Psychiatrie-Einrichtungen Instituts-Ambulanz (jetzt Iduna-Hochhaus) und Tagesklinik (jetzt Dittelbrunner Straße) in einem Haus an der Mainberger Straße/Hennebergstraße zusammen.

    Die offizielle Bestätigung dieser Pläne gab es bisher noch nicht. Außerdem neu war, dass Funk erklärte, die Stadt habe das Areal des Autohauses stadteinwärts links nach der Kreuzung an der Mainberger Straße gekauft. Dort soll ein neues Parkhaus entstehen.

    So viele Parkplätze wie möglich

    Laut Funk ist der Ablauf wie folgt: Als erstes wird das Parkhaus an der Mainberger Straße gebaut. Es soll mindestens 400 Plätze haben, Baubeginn viertes Quartal 2019, Bauzeit ein Jahr. Kosten: geschätzt sechs Millionen Euro. Erst wenn das neue Parkhaus, rund 700 Meter bergaufwärts vom Haupteingang des Krankenhauses entfernt, fertig ist, wird das Leopoldina-Parkhaus abgerissen und neu gebaut. Beginn dafür wäre im ersten Quartal 2021, Fertigstellung im dritten Quartal 2022. Kosten: geschätzt 12,3 Millionen Euro. Fragen der Finanzierung für die Stadt und der Beteiligung der Leopoldina GmbH müssen noch geklärt werden. Außerdem, so Funk, hat die Stadt im Bauamt eine neue Mitarbeiterin eingestellt, die für die Planung beider Parkhäuser zuständig ist und vorrangig daran arbeitet.

    Nach dem Neubau des Leopoldina-Parkhauses wären es 562 statt jetzt 357 Parkplätze plus die 400 neuen an der Mainberger Straße.

    Die Anwohner sind sauer

    Auch wenn die Diskussion mit den Bürgern grundsätzlich sachlich verlief, deutliche Worte wurden Funk, seinen Stadtratskollegen und der Verwaltung nicht erspart. Der Parksuchverkehr sei „ein Drama“, so ein Anwohner, der auch bemängelte, dass das staatliche Forstamt offenbar kaum Parkplätze auf eigenem Grund hat. Es stelle sich auch die Frage, ob der Pflegeheimbetreiber und der Bezirks-Neubau die Parkplatz-Probleme nicht weiter verschärfen, wenn sie nicht genügend Stellplätze auf ihrem Grund haben. Eine andere Anwohnerin kritisierte vor allem die Planungen für die weiteren Gebäude und wollte wissen, warum nicht in anderen Stadtteilen nach Standorten gesucht werde.

    Gar als „Vollpfosten“ wegen der Genehmigung des Pflegeheims wurden die Stadträte bezeichnet und aufgefordert, die Neubauplanungen zu stoppen sowie das kostenfreie Parken in den Parkhäusern zu ermöglichen. Aus Sicht des Anwohners ist die Tatsache, dass man im Parkhaus Gebühren zahlen muss, einer der Gründe für den Parksuchverkehr der Bediensteten und Besucher. Kritisiert wurde auch, dass der Parküberwachungsdienst aus Sicht der Anwohner viel zu wenig in dem Gebiet kontrollierte: „Parken Sie mal am Josefskrankenhaus falsch, da haben sie in fünf Minuten ein Ticket. Aber hier hoch kommen weder Polizei noch Parküberwachungsdienst“, merkte ein Anwohner an.

    Anwohner-Parkausweise als Lösung?

    Anwohner-Parkausweisen zu je 35 Euro pro Jahr sähen die Anwesenden zwar positiv, ob sie aber das Problem lösen und von allen akzeptiert werden, ist unklar. Eine Idee für eine kurzfristige Lösung wäre es, den Platz nach dem Abriss des Schwesternheimes zu schottern und zum Parken freizugeben. CSU-Innenstaatssekretär Gerhard Eck fühlte sich beim Thema Staatliches Forstamt angesprochen und versprach sich zu kümmern, dass zukünftig bei Seminaren die Teilnehmer nicht mehr auf der Straße parken.

    Eine andere Sichtweise auf die Problematik haben die Mitarbeiter des Leopoldina-Krankenhauses, von denen sich eine bei dieser Redaktion meldete. Sie arbeitet als Krankenschwester, kommt aus einer Landkreisgemeinde und ist wie ihre Kolleginnen und Kollegen täglich auf der Suche nach einem Parkplatz, manchmal bis zu einer Stunde, vor allem beim Schichtwechsel zwischen Früh- und Spätschicht. Die angekündigte Sperrung des obersten Decks im Parkhaus erfuhr sie aus der Zeitung, von Leopoldina-Seite aus würden den Mitarbeitern keine Alternativen aufgezeigt. Sie fühlt sich sich allein gelassen mit dem Problem. Wie so viele andere auch.

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