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    Schonungen

    Leserbrief: Ein gestutzter Baum ist mir lieber als gar kein Baum

    Zum Artikel "Die stattliche Eibe wird gefällt" (vom 10. Februar) erreichte die Redaktion folgender Leserbrief.

    Vor kurzem sagte mir ein Arbeitskollege, der Hausen erstmals besuchte, dass es schon ein hässliches Dorf sei. Ich war zunächst empört und konnte das nicht nachvollziehen, die ich schon seit Kindesbeinen an sehr gerne in Hausen wohne. Doch beeinträchtigt wohl meine emotionale Bindung zu Hausen den neutralen Blick.

    Also habe ich versucht, einmal mit anderen Augen durch Hausen zu fahren. Und ich stellte bereits beim Einfahren in den Ort fest, dass sich dem Betrachter tatsächlich kein allzu schönes Bild bietet: Außer einer Unmenge parkender Autos in der Hauptstraße neben hoch aufragenden Scheunen und Häusern sieht man eigentlich nichts – lediglich eine stattliche Eibe trotzt sozusagen dem gleichförmigen Ortsbild der Hauptstraße und erfreut durch ihr kräftiges Grün.

    Wäre sie ein kränkelnder Baum, könnte ich den kürzlich gefassten Beschluss, diese zu fällen, noch akzeptieren. Doch dem ist nicht so, und auch die angeführten Argumente gegen die Eibe überzeugen mich nicht.

    Gegner der Eibe beklagen, dass für Verkehrsteilnehmer die Sicht durch die Eibe beeinträchtigt sei. Dem kann ich nicht zustimmen. Ich biege seit Jahrzehnten mehrmals täglich an der kleinen Kreuzung ab, und noch nie hat mich die Eibe beim Abbiegen gestört, egal ob ich mit einem Pkw oder einem Klein-Lkw unterwegs war. Erstens sieht man meiner Meinung nach genügend, und zweitens handelt es sich hier sicher um keine unfallträchtige Stelle.

    Herr Rottmann führt an, dass die unteren Äste aus Gründen der Verkehrssicherheit sowieso entfernt werden müssten. Sicher gibt es hier Vorschriften, die beachtet werden müssen, aber ein gestutzter Baum ist mir weitaus lieber als gar kein Baum! Und ich bin mir sicher, dass der Baum selbst nach dem Stutzen noch ansehnlich wäre.

    Und nebenbei sei auch anzumerken: Einerseits wird auf die Verkehrssicherheit Wert gelegt, andererseits soll aber der Gehsteig in der Hauptstraße weichen. Insbesondere Kinder werden hierdurch meines Erachtens unnötig gefährdet.

    Dass die Eibe Rohre eines Abwasserkanals beschädigen könnte, mag zwar sein, klingt für mich aber wie ein gesuchtes Argument. Auch die im Zeitungsartikel zu lesende Aussage Herrn Schrauths, dass es "höchst zweifelhaft [sei], ob im Zuge der Baumaßnahmen der Baum gerettet werden könne", ist für mich kein Argument für das Fällen.

    Nur weil etwas vielleicht nicht überlebt, soll man es lieber gleich vernichten? Dass das Amt für Ländliche Entwicklung in Unterfranken "Einwände wegen zu wenig Grün und zu wenig Bäumen" hat, kann ich nur begrüßen. Schließlich wird meines Wissens nach ja auch eine weitere (noch) schöne Grünfläche am Kirchplatz einer Fläche zum Parken weichen.

    Vielleicht kennt der eine oder andere das Lied "Wenn die Blumen weinen könnten, sie würden Hilfe schreien" aus den 1980ern. Anlässe hierfür gibt es leider genug.

    Gabriele Soukup-Frank
    97453 Hausen

    Bearbeitet von Gabriele Kriese

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