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    Schweinfurt

    Leserforum: Erschreckender Umgang mit Friedrich-Rückert-Bau

    Was haben sich diejenigen gedacht, die den Rückertbau abreißen wollen, um dort einen Neubau für das Friederike-Schäfer-Heim bauen zu können? Ein fünfstöckiger Kasten an dieser Stelle wird wohl nicht dem Kopf eines vernünftigen Stadtplaners entsprungen sein. Sowohl die Höhe als auch die Baumasse eines solchen Bauwerks ist der städtebaulichen Situation an dieser empfindlichen Stelle der Altstadt völlig unangepasst. Die entstehende Verdichtung ist ohne jedes Maß. Und was gewinnt man damit? Einen Standort, der für ein Pflegeheim denkbar ungeeignet ist, ohne Auslauf, ohne Grün.

    Aber auch die alternativ angedachten Standorte für ein neues Friederike-Schäfer-Heim sind stadtplanerisch genauso falsch. Der Spitalseeplatz würde im gleichen Maß mit der Vernichtung von Grünbestand zugeklotzt. Die Grünschneise an der Friedrich-Stein-Straße sollte für das Stadtklima erhalten bleiben. Und die geradezu irrsinnige Idee, den Chateaudun-Park zwischen Kunsthalle und Theater mit einem funktionellen Zweckbau zu vernichten, konterkariert die erfolgreichen Bemühungen, die Stadtmauer freizustellen. Die Standortsucher haben offensichtlich die seit Jahren eingetretene Entwicklung vom Altersheim zum Pflegeheim nicht mitbekommen. Ich empfehle den Besuch in einer solchen Einrichtung. Dann wird man merken, dass das zwanghafte Festhalten an einem Standort im Stadtkern heute keinen Pluspunkt mehr bringt, sondern mehr Nachteile für die Bewohner, für die Angehörigen und Besucher und für die Beschäftigten.

    Wenn die Ertüchtigung des bestehenden Pflegeheims wirklich nicht mehr möglich ist, dann sollte man einen neuen Standort außerhalb des Stadtkerns auf einem Grundstück mit Busanbindung suchen. Die Konversionsflächen an der Bellevue könnten da genauso in Betracht kommen wie die Gartenstadt, Oberndorf, die Stresemannstraße oder die Hundertäcker. Der bestehende Rückertbau ist von der Baumasse, von der Höhe und mit der eigenständigen, aber zurückhaltenden Formensprache städtebaulich vorbildlich in die Umgebung eingepasst. Da stellt sich schon die Frage, warum man dieses Gebäude gezielt herunterkommen hat lassen und es jetzt ganz abreißen will.

    Warum muss das Stadtarchiv raus aus einem Gebäude, das ganz speziell für diesen Zweck gebaut ist mit einem sicheren Bunker für die wertvollen reichsstädtischen Archivbestände? Der vorhandene, ungepflegte Vortragssaal kann mit geringem Aufwand für kleinere bis mittlere Veranstaltungen hergerichtet werden. Auch der Lesesaal kann zum sinnvoll nutzbaren Schmuckstück werden, von der früher einmal beeindruckenden Eingangshalle ganz abgesehen. Ein Abbruch wäre eine Sünde. Solche Entscheidungen für eine intensivierte kulturelle Nutzung des Friedrich-Rückert-Baus und für ein funktionierendes Kulturforum am Martin-Luther-Platz hätten eine Leuchtturm-Funktion für die gesamte Kernstadt. Und das Friederike-Schäfer-Heim hätte an einem anderen, besseren Standort eine gute und eine sichere Zukunft.

    Werner Bonengel
    97422 Schweinfurt

    Bearbeitet von Anja Behringer

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