• aktualisiert:

    Grafenrheinfeld

    Leserforum: Mit Volldampf zum Grafenrheinfelder "Bildungszentrum"?

    Zum Bericht über das geplante "Bildungszentrum" in Grafenrheinfeld erreichte uns folgender Leserbrief:

    Natürlich sind Kinder unsere Zukunft! Und erfreulich ist es ja, dass der Grafenrheinfelder Gemeinderat seine Verantwortung ihnen gegenüber anerkennt. Ein neues "Bildungszentrum" sollen sie jetzt bekommen, was sich wirklich super anhört, für einen Ort mit gerade einmal 3400 Einwohnern, wohlgemerkt.

    Doch wunderte man sich schon, als überraschend der einzige, wohl absolut unaufschiebbare Punkt "Kindertagesstätten; Neubau eines Gesamtkindergartens; Beratung und Beschlussfassung" auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung vom 23. März, also mitten in der Zeit der coronabedingten Ausgangsbeschränkungen, auftauchte. Zwei funktionierende, familiäre KiTas im Ort mit jeweils 68 bzw. 79 Kindern in Krippen- und Regelgruppen für den Neubau eines Großkindergartens für bis zu 375 Kinder aufzugeben (Zahlen aus der Gemeinderatssitzung), war kein Thema in den vergangenen Monaten oder im Kommunalwahlkampf gewesen.

    Ob das KiTa-Personal in den Entscheidungsprozess eingebunden wurde, ist fraglich. Klar war aber schon vor der Sitzung, dass die Gemeinderäte einstimmig für die Riesen-KiTa stimmen würden. Genau das wurde nämlich betroffenen Eltern, die erst aus dem Gemeindeblatt des 20. März von dem Vorhaben erfuhren, nach deren Aussage am selben Tag mitgeteilt. Und so kam es dann auch, dass der Neubau des "Bildungszentrums" im Schnellgang (bei stark reduzierter Rätezahl und Zuhörermöglichkeit) in der allerletzten Sitzung des noch amtierenden Gemeinderats durchgewunken wurde. 

    Die vorgelegten Prognosen (60 Krippenkinder, 175 Regelgruppenkinder und 140 Kinder in der Schülerbetreuung, so die Zahlen aus der Gemeinderatssitzung) hören sich angesichts der aktuellen Zahlen schon ein wenig wie Luftnummern an. Laut Schul-Homepage gehen zurzeit nur 107 Kinder in die hiesige, schon damals zu groß geplante Grundschule, von denen offenbar weniger als 40 die Schülerbetreuung (Kindergarten Bühl) besuchen.

    Im Jahr 2019 kamen lediglich 22 Kinder auf die Welt (Grafenrheinfelder bürgerbüro.online). Bei dem Beschluss, der laut Zeitungsbericht ohne Kostenschätzung oder Nachfragen über die Bühne ging, wurde die Zukunft der beiden bestehenden KiTa-Gebäude Bühl und Fröschloch hingegen nicht zu Ende gedacht. Eine Sanierung der ortsbildprägenden und identitätsstiftenden Einrichtungen wurde ohne Zahlenbeleg gleich vorab als unwirtschaftlich abgetan. Ressourcenschonung und sparsamer Flächenverbrauch waren ebenfalls kein Thema bei einem Bürgermeister und einem Gremium, dessen Mitglieder sich in den vergangenen Monaten vehement gegen die Sand- und Kiesausbeute in der Gemarkung stemmten und vor unwiederbringlichem Bodenverlust warnten.

    Kinderfreundlichkeit kann man auch durch andere Maßnahmen beweisen. Zum Beispiel durch ein besseres Fußgänger- und Fahrradklima innerorts oder innovative pädagogische Konzepte wie Waldkindergärten, die gar keine Gebäude brauchen. Verantwortung zukünftigen Generationen gegenüber könnte die Gemeinde auch zeigen durch einen wirklich nachhaltigen Umgang mit Ressourcen im Rahmen einer ehrlich gemeinten Innenentwicklung und eine aktiv-kritische Begleitung des KKW-Rückbaus einschließlich des Lagerbetriebs für radioaktive Abfälle, die die Menschen in Grafenrheinfeld und der Region noch lange Zeit belasten werden.

    Barbara Schug
    97506 Grafenrheinfeld

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Schweinfurt-Newsletter!

    Bearbeitet von Horst Breunig

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!