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    Schweinfurt

    Leserforum: Sag mir, wo die Bäume sind

    Zum Bericht über Baumfällungen in Schweinfurt erreichte die Redaktion folgende Leserzuschrift:

    Herr Oberbürgermeister Sebastian Remelé, in der Stadtratssitzung am 27. Februar 2018 sprachen Sie davon, dass es ohne Baumschutzverordnung mehr Bäume in Schweinfurt geben würde, als mit der Baumschutzverordnung. Wo sind denn diese Bäume nun? Wo wurden diese denn gepflanzt?

    Im Jahr zwei nach Abschaffung des Baumschutzes in Schweinfurt finde ich auf keinem Privatgrundstück mehr neue Bäume als vorher. Im Gegenteil, in den vergangenen Wochen fanden regelrechte Fällorgien statt, als ob es bald keine Kettensägen mehr gäbe. Dies trifft auf öffentliche, wie auf private Flächen zu.

    20 Bäume gegenüber der Stadtgalerie, zehn Bäume zwischen Haltepunkt Mitte und Altem Friedhof, acht große Bäume am Haus Marienthal (hier werden wenigstens neue gepflanzt), zwölf Bäume am Steinberg in meinem nahen Umfeld. Die Liste lässt sich noch beliebig weiter fortführen mit Marienbach, Jahnstraße, Hohmannstraße (Mc Donalds), Niederwerrner Straße (Tasch-Gelände), Elsa-Brändström-Straße und viele mehr.

    Hochgerechnet geht der Netto-Verlust an Bäumen in die Hunderte, vielleicht sogar schon in die Tausende. Ganze Grundstücke sind komplett abgeholzt, allen voran in der Altstadtstraße und in der Hennebergstraße. Aus dem Stegreif könnte man ein Dutzend Grundstücke mit jeweils etlichen hundert Quadratmetern aufzählen, auf denen kein einziger Baum mehr steht. Ich frage Sie, wo ist der angebliche Schutz durch Naturschutz- und Baurecht, wenn es überhaupt nur für einen kleinen Teil von Schweinfurt Bebauungspläne gibt?

    Selbst dort, wo er eigentlich existieren müsste, ist der Schutz wirkungslos. So wurden gesunde und vitale Pappeln mit einem Umfang von drei Metern und mehr gefällt (Bellevue) oder Linden trotz Pflanzgebot (Eselshöhe, vergleiche letzte Bürgerversammlung). Das alles passiert in Schweinfurt, wo es sowieso schon trockener ist als anderswo, wo es in der Stadt heißer ist, als im Umland. Dies alles passiert nach zwei extrem trockenen und heißen Sommern.

    Wir brauchen mehr Bäume als Klimaanlage in unserer Stadt und nicht weniger. Trotzdem lässt eine bekannte Mehrheit des Stadtrats eine 80-jährige Pappel fällen, die in einem besseren Zustand war, als dargestellt. Es bleibt zu hoffen, dass eine Mehrheit den Wahlslogan auf den Plakaten ihrer Partei richtig interpretiert und jeder für sich denkt – „Ja, es ist meine Stadt und ich lasse mir diese nicht weiter kaputt machen“. Bleibt abschließend nur noch zu fragen: Wann wird man je verstehen?

    Richard Lindner
    97422 Schweinfurt

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    Bearbeitet von Peter Kallenbach

    Kommentare (1)

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