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    Dittelbrunn

    Leserforum: Zweifel an den hohen Kosten

    Zum Artikel "Wird das Wasser abgelassen?" über das Hallenbad Dittelbrunn vom 30. Januar erreicht die Redaktion folgende Leserzuschrift.

    „Siebenjähriger ertrinkt in Freibad, Kind in Regenrückhaltebecken ertrunken, Deutschland wird zu einem Land der Nichtschwimmer“ – so lauten die Schlagzeilen Jahr für Jahr. Auch bei uns wird das hochbrisant, fordert doch ein Dittelbrunner Gemeinderatsmitglied, das sanierungsbedürftige Schwimmbad zu schließen. In einem Zeitungsartikel vom 30. Januar wird der Gemeinderat mit Aussagen von sehr hohen Sanierungskosten zitiert, die es anzuzweifeln gilt. 

    Was muss denn überhaupt saniert werden? Und wie möchte man sanieren? Diejenigen, die in diesem Schwimmbad schwimmen, möchten doch keinen Badetempel, sondern ein, wie bisher, nutzbares Becken, die notwendige Wassertemperatur und ein Dach über dem Kopf. Also können doch nur statische bautechnische Notwendigkeiten wie beispielsweise Betonsanierung, Unfallverhütungsmaßnahmen, technische Reparaturen und Dämmungsmaßnahmen erforderlich sein, um ein Schwimmbad zu erhalten. 

    Ich weiß nicht, ob ein Schwimmbad immer defizitär ist, wenn ja, dann sollten die Kommunen das als sozial erforderlich für ihre Bürger betrachten. Schwimmen ist der einzige Sport, der tödlich sein kann, wenn man ihn nicht beherrscht. Für die Bürger gilt es, das Angebot vor Ort zu nutzen, die kurzen Wege, die günstigen Preise sprechen dafür. Das Herumstehen im warmen Wasser von weiter entfernten Thermen hat mit Schwimmen nichts zu tun. Die Nutzung von Solarenergie und Wärmerückgewinnung könnte sich auf Dauer bestimmt lohnen. Nur Mut! 

    Verschiedene Studien belegen, dass immer weniger Menschen sicher schwimmen können. Nicht nur Eltern, auch die Grundschulen sind in der Pflicht, Kindern das Schwimmen beizubringen. Der Lehrplan Bayrischer Grundschulen gibt vor: „Die Schülerinnen und Schüler schwimmen zunehmend sicher und erfüllen mindestens die Anforderungen des Seepferdchens."

    In einer Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus wird explizit darauf hingewiesen, dass Schwimmunterricht in freien Gewässern (Seen, Flüsse) nicht zulässig ist. Die daraus resultierende Schlussfolgerung kann nur lauten: Hierfür müssen ausreichend Schwimmbäder zur Verfügung stehen! 

    Wenn man die Kinder im Schwimmbad sieht, kann man den Wunsch des Gemeinderats nicht verstehen, für mich fühlt sich das an, als wenn man fordert, die Kanalisation nicht mehr zu sanieren oder die Straßen nicht mehr zu teeren. Als ich meiner Cousine aus Amerika davon erzählte, gab sie mir den Tipp: „Bei uns werden Stadien nach den Sponsoren benannt, das geht doch auch bei Schwimmbädern.“ Gibt es bei uns noch Mäzene, die mal kein Fußballstadion, sondern ein Schwimmbad sponsern?

    Jürgen Ruß
    97422 Schweinfurt

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    Bearbeitet von Peter Kallenbach

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