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    Gerolzhofen

    Lieblingsorte in Gerolzhofen erkundet

    Evamaria Bräuer führte interessierte Bürger zu wenig bekannten Orten im Gerolzhöfer Stadtgebiet, wie hier im Bild am Schillerplatz.
    Evamaria Bräuer führte interessierte Bürger zu wenig bekannten Orten im Gerolzhöfer Stadtgebiet, wie hier im Bild am Schillerplatz. Foto: Helga Richter

    Bereits zum siebten Male trafen sich laut einer Pressemitteilung eine große Zahl interessierter Teilnehmer aus Gerolzhofen und Umland zu einer Streiferei durch die Stadt. Zum Int. Weltgästeführertag war diesmal das vorgegebene Thema Lieblingsorte. Diese Orte für sich zu finden ist eine persönlich Sache, eine andere  Sache ist allerdings diese liebenswerten Örtlichkeiten zu pflegen, erhalten und für gute Erreichbarkeit für alle zu sorgen. Dies ist Aufgabe der Kommune. Für uns ist es eine liebgewordene Tradition sich mit der Heimatgeschichte zu beschäftigen, betonte der 1. Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Lukas Bräuer.

    Er dankte Stadt-und Museumsführerin Evamaria Bräuer, die sich immer wieder der Herausforderung stellt und passend zum vorgegebenen Thema auch heuer wieder einen lebendigen stadtgeschichtlichen, mit Anekdoten gewürzten Rundgang erarbeitet hat. Wo ist Ihr heimatlicher Lieblingsort, wo fühlen Sie sich wohl und geborgen? „Ich bin erst mal in mich gegangen und habe erkannt, Wasser wirkt auf mich belebend und beruhigend“  beantwortet die Stadtführerin für sich selbst die Frage. So zog sich das Element Wasser als roter Faden durch den neu konzipierten Stadtrundgang. Start war beim Brückenheiligen am ehem. Spitaltor. „Heiliger St. Nepomuk halt uns die Wassergüss zurück“ so flehten unsre Ahnen zum Brückenheiligen. Inzwischen liegen Stadtgraben und aktuell auch der Gabelmann Brunnen trocken.

    Die Traditionen des denkmalgeschützten ehem. Badhauses und in der Südstadt  ansässiger  Handwerker reichen weit zurück und sind gut dokumentiert. Eine historische Hochwasser Marke am äußeren Schallfeldertor lässt uns die Zerstörungen im 18. Jahrhundert nur erahnen, die der heute - in den 90er Jahren renaturierte - harmlos dahin plätschernde kleine Bach den Anwohner damals  brachte. Ende der Kleinen Eiszeit änderte sich das Klima. Frühes Tauwetter, warme Winter mit Starkregen brachten Schäden, Verwüstungen, Not und Hunger mit sich. Wen wunderte es, dass 1724  Gerolzhöfer Familien auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen von hier in Richtung  Elek/Ungarn auswanderten.

    Die Straßennamen Weth- und Bleichstraße erklären uns den Bezug zum Abzweiggewässer des Volkachbachs. Buchstäblich nahe am Wasser gebaut hatten Korbflechter, Wäschereien und Gärtner. Besonders Müller lebten und betrieben jahrhundertelang mit natürlicher Energie des Wassers ihr Handwerk am Bach. In der beispielhaft restaurierten Litzenmühle, historisch benannt als „Steynmühle“, wurde nicht nur Getreide gemahlen. Vorbildlich erhalten wurden durch die Besitzer neben steinernen Inschriften auch ein metallenes Kamm und Kronrad Getriebe als technisches Zeitzeugnis. Das vom Bach im Innern des Gebäudes betriebene hölzerne Mühlrad existiert nicht mehr. Heute liegt der liebevoll, in den 80er Jahren aufwändig sanierte Gießgraben trocken und erinnert eher an einen Müllbach statt an den ehemaligen Mühlbach.

    Stadtführung lebt vom Hinschauen und Hinhören. Diese Grundregel machte sich, der Ortsverein wieder zum Leitmotiv. Neben motivierten Kandidaten  für den künftigen Stadt- und Kreistag begleitete zweiter Bürgermeister Erich Servatius die Gruppe. Eifrig notierte er sich Wünsche und Anregungen, schaute und hörte sehr genau hin, denn während des Rundganges sollte auch die barrierefreie Erreichbarkeit unserer Lieblingsorte geprüft werden. Wer mit Gehhilfen, Rollstuhl  oder auch Kinderwagen unterwegs ist, kann nicht überall auf eine Absenkung oder Rampe hoffen um das gewünschte Ziel direkt zu erreichen. Seufzerbrücke und Schillerplatz sind dafür  deutliche Beispiele. Oft müssen ärgerliche Umwege mit mehr Zeitaufwand eingeplant werden, was die teilnehmenden  Rollstuhlfahrer bestätigten.

    Der Rundgang führte vorbei am ehemaligen Vorstadtsee umgangssprachlich Säusee genannt. Hier findet sich unser größtes Wasserangebot im Geomaris. In den Tiefen der Eiskeller lagerten und kühlten die heimischen Brauer das mit Gerolzhöfer Wasser gebraute Bier. „Wir sitzen alle im gleichen Boot“, vor der Weltkugel auf der Partnerschafts Stele ein Symbol für Zusammenhalt und Versöhnung, beendete die Stadtführerin den spannenden Rundgang bei dem sie den Teilnehmern erneut ein weiteres Fenster der Stadtgeschichte geöffnet hatte.

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    Bearbeitet von Helmut Hickel

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