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    Mainberg

    Mainberg: Schönes Ortsbild mit "viel Verbesserungsbedarf"

    Die Mainberger sind motiviert. Volles Haus war bei der Auftaktveranstaltung zum Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept. Es gab viele Vorschläge, was zu tun ist.
    Auch aus der Vogelperspektive sind Mainbergs historische Wurzeln klar erkennbar.
    Auch aus der Vogelperspektive sind Mainbergs historische Wurzeln klar erkennbar. Foto: Günter Hübner

    Wo ist die Ortsmitte von Mainberg? Bei der Auftaktveranstaltung für das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept sollten die rund 50 Anwesenden ihre Ortsmitte benennen und dementsprechend einen orangefarbenen Punkt auf den Ortsplan kleben. Das Ergebnis war höchst unterschiedlich: Viele leuchtende Punkte waren quer durch den Ort verteilt. Für die einen befindet sich die Ortsmitte gleich am Ortseingang im Bereich des Plans. Für die anderen im Karree zwischen Grundstraße und Liborius-Wagner-Straße. Wieder andere sehen die Ortsmitte im Bereich des Schlossparks. Vereinzelt klebten orange Punkte sogar außerhalb der Ortes, am Ende der Hennebergstraße, am Neuberg und am Mainufer.

    Wo ist Mainbergs Ortsmitte? Die Mainberger haben ganz unterschiedliche Vorstellungen über das Zentrum ihres Ortes.
    Wo ist Mainbergs Ortsmitte? Die Mainberger haben ganz unterschiedliche Vorstellungen über das Zentrum ihres Ortes. Foto: Irene Spiegel

    Dass die Mainberger ihre Ortsmitte so unterschiedlich empfinden, hat mehrere Ursachen: In dem 640 Einwohner zählenden Ortsteil von Schonungen gibt es keinen zentralen Dorfplatz, keine Dorfwirtschaft, keinen Dorfladen. Der Schlosspark als Treffpunkt ist verwildert, auf der Grundstraße ist zum Plaudern zu viel Verkehr, und in die schöne Natur rings um den Ort führen kaum Wege. "Mainberg hat zwar ein schönes Ortsbild und eine attraktive Lage, aber es gibt viel Verbesserungsbedarf", ist denn auch das Fazit von Stadtplaner Bertram Wegner aus Veitshöchheim, der mit seiner Mitarbeiterin Franziska Klose das "Projekt Mainberg" in Angriff nehmen will.

    Es geht um den Einstieg in die Ortskernsanierung. Bis zum Jahresende soll das Sanierungsgebiet festgelegt sein, in dem kommunale und auch private Baumaßnahmen gefördert werden. "Es müssen echte Missstände sein", betont Wegner, denn sonst fließt kein Fördergeld. Und es müssen Maßnahmen sein, die man tatsächlich umsetzen will.

    Mainberg so attraktiv wie möglich machen

    Der eigentliche Plan in Mainberg war eine Dorferneuerung. Im Rahmen von Workshops waren schon vor zehn Jahren Gestaltungsideen, Projekte und Ziele formuliert worden. Doch dann tat sich die Chance auf Städtebauförderung auf, die wesentlich höhere Fördergelder bringt. Mainberg ist zwar alles andere als eine Stadt, schaffte es aber trotzdem in das begehrte Zuschussprogramm. Hierbei geht es nicht nur um den Erhalt von Bausubstanz und Denkmalschutz, sondern auch um die Entwicklung der Straßenräume und Grünflächen, um die Mobilität und den öffentlichen Verkehr, um das Versorgungsangebot und um Begegnungsmöglichkeiten. Es soll ein Leitbild entstehen, wie Mainberg sich in den nächsten zwölf bis 15 Jahren weiterentwickeln kann.

    "Der Ort hat Potenzial", sagt Bürgermeister Stefan Rottmann, der selbst in Mainberg lebt. Und der kleine Schonunger Ortsteil in Sichtweite zur Industriestadt Schweinfurt gilt inzwischen als Geheimtipp für junge Familien. Stand der Kindergarten vor ein paar Jahren noch auf der Kippe, gibt es jetzt eine Warteliste. "Viele Immobilien gehen unter der Hand weg", weiß der Bürgermeister. Sein Ziel ist es daher, Mainberg so attraktiv wie möglich zu machen. Dabei sind aber auch die Bürger gefordert. Denn nicht nur der öffentliche Raum soll hergerichtet werden, genauso bedeutend für die Attraktivität Mainbergs sind private Sanierungsmaßnahmen.

    Ab April gibt es Ortsrundgänge

    Das Interesse daran ist da, das zeigte schon die große Resonanz bei dieser Auftaktveranstaltung. Und der Tatendrang auch, wie das produktive Mitarbeiten an diesem Abend belegte. Die Anwesenden sollten auf Kärtchen notieren, was gut und schlecht ist im Bereich Freizeit/Tourismus, Bauen/Wohnen, soziales/kulturelles Leben und Verkehr/Infrastruktur. Es wurde fleißig diskutiert und geschrieben. Nach einer dreiviertel Stunde waren die vier großen Plakatwände über und über mit bunten Kärtchen bestückt. Die meisten mit Mängeln und Verbesserungsvorschlägen. Vor allem im Verkehrsraum sehen die Mainberger großen Handlungsbedarf. Die Gehwege sind nicht barrierefrei, es fehlen Parkplätze und öffentliche Einrichtungen wie Spielplatz oder WC. 

    Verbesserungswürdig ist auch die Gestaltung der öffentlichen Grünflächen, angefangen beim Badestrand am Main bis hin zum zugewucherten Schlosspark. Apropos Schloss: Das Wahrzeichen von Mainberg ist von weitem schon zu erkennen, nur im Ort sieht man es vor lauter Grün nicht. Hier muss Hand angelegt werden. "Das Schloss soll auch im Ort präsent sein", sagt der Stadtplaner.

    Ab April will er mit den Bürgern die Missstände bei Ortsrundgängen genauer unter die Lupe nehmen. In den Sommerferien wird dann eine Maßnahmenliste ausgearbeitet, der der Gemeinderat im Herbst absegnen muss. Dann kann es losgehen.

    Mehr Lebensqualität in den Ort bringen

    Bürgermeister Rottmann appelliert an die Bevölkerung, sich an den Arbeitskreisen und Ortsrundgängen zu beteiligen. "Jede Meinung zählt, es gibt keine Denkverbote." Auch Christine Bender rief in ihrer Funktion als Vorsitzende des Fördervereins Schloss Mainberg zur Mitarbeit auf. Es sei eine riesengroße Chance für Mainberg, Mittel aus der Städtebauförderung zu bekommen und so mehr Lebensqualität in den Ort zu bringen. "Arbeiten Sie mit an der Zukunft Mainbergs." Bender warb bei dieser Gelegenheit auch gleich für eine Mitgliedschaft im Förderverein. Sein Fokus richte sich nicht nur auf das Schloss und den Schlosspark, Ziel sei genauso, das Dorf mitzuentwickeln.

    Auch wenn Mainberg sich touristisch noch entwickeln muss, die Weichen sind schon gestellt: Voraussichtlich ab September wird an der Autobahn A 70 ein großes braunes touristisches Schild auf das historische Mainberg mit dem Wahrzeichen der Region hinweisen.

    Wo gibt es Verbesserungsbedarf in Mainberg? Viele Ideen und Vorschläge gab es bei der Auftaktveranstaltung zum Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept.
    Wo gibt es Verbesserungsbedarf in Mainberg? Viele Ideen und Vorschläge gab es bei der Auftaktveranstaltung zum Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept. Foto: Irene Spiegel
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