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    Mainberg

    Mainberg will sein historisches Erbe und seine Zukunft sichern

    Die Weiterentwicklung Mainbergs ist überfällig. Für den kleinen Schonunger Ortsteil wird jetzt ein Integriertes ländliches Entwicklungskonzept (ILEK) erstellt. Dieses ist Voraussetzung, um Fördermittel für Sanierungsprojekte zu erhalten. Foto: Irene Spiegel

    Das Pfarrheim ist proppenvoll. Es müssen sogar Stühle und Tische nachgestellt werden, bei der ersten offiziellen Informationsveranstaltung zum "Integrierten ländlichen Entwicklungskonzept", kurz ILEK. Das Interesse der Mainberger an der Weiterentwicklung ihres Ortes ist groß. Und es brennt ihnen unter den Nägeln, etwas zu tun. Da ist es schon enttäuschend zu erfahren, dass man noch lange nicht loslegen kann. Für Planung und Konzepterstellung potenzieller Projekte wird wohl erst einmal ein ganzes Jahr ins Land streichen. Vor Herbst 2020 wird man nicht zur Tat schreiten können.

    Dabei haben die Mainberger schon Ideen, was man anpacken könnte. Zum Beispiel den Schlosspark. Das Areal ist verwildert, das Gelände morastig. Die Sitzgruppen sind verwittert, die Wege zugewuchert. Früher gab es dort Grillfeste, zwischenzeitlich wird über Baumbestattungen nachgedacht. "Das Gelände muss kultiviert werden, es gibt zu viel Grün", sagt Bürgermeister Stefan Rottmann. Der Gartenbauverein würde Hand anlegen. Doch Stadtplaner Bertram Wegner gebietet Einhalt: "Wir können nicht wahllos Bäume fällen." Zuerst müsse ein Konzept erstellt werden, dann seien die Fachbehörden einzubinden, und erst dann könne man aktiv werden.

    Der Schlosspark ist zugewuchert. Hier muss ausgelichtet werden, um die Grünanlage wieder für die Öffentlichkeit nutzbar zu machen. Foto: Irene Spiegel

    Die Erstellung des Integrierten ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) ist Voraussetzung, um später Fördergelder für die Sanierungsprojekte zu erhalten. Es zielt darauf ab, den ländlichen Raum als Lebens-, Arbeits-, Erholungs- und Naturraum weiterzuentwickeln. Es ist ein langfristiges Planungsinstrument, das aufzeigt, wie sich Mainberg in den nächsten zwölf bis 15 Jahren entwickeln kann. Wichtig dabei: "Wir wollen gemeinsam mit den Bürgern ein Leitbild erarbeiten", betont Stadtplaner Wegner. Dabei geht es nicht nur um die Bausubstanz und den Denkmalschutz, sondern auch um die Entwicklung der Straßenräume und Grünflächen, um die Mobilität und den öffentlichen Verkehr, um das Versorgungsangebot und um Begegnungsmöglichkeiten.

    Die Neugestaltung der Grundstraße steht mit an erster Stelle bei den Sanierungsmaßnahmen in Mainberg. Hier liegt vieles im Argen: Leerstände, Möblierung, Straßenraumgestaltung, Grenzverläufe. Foto: Irene Spiegel
    "Alles kommt auf den Prüfstand. Es gibt keine Denkvebote."
    Bürgermeister Stefan Rottmann

    "Alles kommt auf den Prüfstand", betont auch Bürgermeister Rottmann. Und: "Es gibt keine Denkverbote." Die Bürger sind aufgefordert, mitzuwirken. Im Frühjahr 2020 sollen Arbeitskreise gebildet, im Sommer Ortsbegehungen durchgeführt und bis Herbst das fertige Konzept präsentiert werden. Dazwischen gibt es immer wieder Infoveranstaltungen, Treffen mit Behörden oder mit Bürgern, denn auch Privatmaßnahmen im Sanierungsgebiet sind förderfähig.

    Der schon beschlossene Abriss der alten Scheune in der Mainberger Grundstraße 9 könnte im Zuge des Integrierten ländlichen Entwicklungskonzeptes noch einmal auf den Prüfstand kommen. Foto: Irene Spiegel

    "Wie schnell geht es mit der Grundstraße", will ein Bürger wissen. Hier liegt vieles im Argen: die Leerstände, die Möblierung, die Straßenraumgestaltung, die Grenzverläufe. Das alles hindert Anwohner oder potenzielle Investoren, private Projekte zu verwirklichen. Bürgermeister Rottmann versichert, dass die Grundstraße "oberste Priorität" hat. Schon bald soll es ein Treffen mit allen Beteiligten geben. Auch der schon beschlossene Abriss der alten Scheune an der Grundstraße 9, die einer lückenlosen Gehwegführung im Wege ist, könnte noch einmal auf den Prüfstand kommen. Das Gebäude steht zwar nicht unter Denkmalschutz, sagt Architekt Klaus Herta, der im Zuge von ILEK das Denkmalschutzkonzept für Mainberg mit einer 91-seitigen Fotodokumentation erstellt hat. "Der historische Wert der Scheune ist aber unstrittig." Hier gibt es Gelächter im Saal.   

    Mainberg besitzt viel wertvolle Bausubstanz im Altort. Foto: Irene Spiegel

    Das Kommunale Denkmalkonzept (KDK) ist speziell auf das historische Erbe der Gemeinde abgestimmt. Es soll Bewusstsein schaffen für die historischen Werte im Ort. Derer gibt es viele, allen voran das Schloss, das Amtshaus, die ehemalige Schule und die alten Häckerhäuser. Oder die Kleindenkmale wie Bildstöcke. Aber auch die Grünräume in Mainberg besitzen historischen Wert. So zum Beispiel der Baumgürtel am Ortsrand und am Friedhof sowie der untere (öffentliche) und obere (private) Schlossgarten.

    Für die historische Bausubstanz in Mainberg wird ein Kommunales Denkmalkonzept erstellt. Foto: Irene Spiegel

    Diesen hat Landschaftsarchitektin Marion Dubler unter die Lupe genommen. Alte Fotos zeigen, wie der Bereich um das Schloss herum Mitte des 19. Jahrhunderts einmal ausgesehen hat. Wilhelm Sattler, der das heruntergekommene Schloss 1822 gekauft und zu seinem Wohnsitz hergerichtet hatte, ließ hier einen Barockgarten anlegen. Die formal strenge Gartenanlage war mit drei Springbrunnen und wertvollen mythologischen Sandsteinskulpturen dekoriert. Heute ist alles weg. Das Finanzamt hatte 1960 bei einer Auktion in Nürnberg alle Wertgegenstände aus dem Schloss versteigert, um aus dem Erlös die Steuerschulden des damaligen Schlossbesitzers Wilhelm Heger zu begleichen. Der Haarwasserfabrikant war pleite gegangen und wegen Betrugs zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden.

    So sah er einmal aus: der Barockgarten von Schloss Mainberg. Fabrikant Wilhelm Sattler ließ ihn anlegen und mit wertvollen Skulpturen ausstatten. Foto: Karl-Heinz Hilf/Sammlung Karl Heinz Hennig

    Danach verwilderte der Garten. Ebenso der schöne Landschaftsgarten im Burggraben mit seinen Baumreihen und geschwungenen Wegen. Hier war an einem Bildstock ein schöner Aussichtsplatz mit Blick auf Mainberg angelegt. Den Bildstock gibt es noch, er steht heute im Friedhof und "sollte restauriert werden", rät Landschaftsarchitektin Dubler. Der Aussichtsplatz ist zugewuchert. So wie der gesamte obere Schlosspark, so dass das Schloss nicht mehr hinunter ins Dorf wirken kann. Erst von der höher gelegenen Hennebergstraße aus hat man wieder einen schönen Blick auf die drei markanten Giebel. 

    "Der Schlosspark muss genutzt werden, es ist die schönste Grünfläche im Ort."
    Landschaftsarchitektin Marion Dubler

    Auch der untere, gemeindeeigene Schlosspark mit seinem potenziell historischen Baumbestand ist zu dicht bewaldet. "Hier sollte ausgelichtet werden", empfiehlt die Landschaftsarchitektin. Die vier über 100 Jahre alten Platanen, die großen Winterlinden, Blutbuchen und der Bergahorn sind stark eingewuchert. Die vorhandenen Sitzbänke sind vermorscht, auch das kleine Holzbrücklein ist sanierungsbedürftig. "Der Park muss genutzt werden, es ist die schönste Grünfläche im Ort." 

    Da pflichtet Bürgermeister Rottmann bei: "Mainberg hat ein Riesenpotenzial. Es wird allerhöchste Zeit, dass wir uns mit unserem Ort beschäftigen."

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