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    Grafenrheinfeld

    "Mama Bavaria" kam nach Grafenrheinfeld

    Kabarettisten Luise Kinseher lässt die Mama Bavaria weiterleben. Hier auf Einladung der Disharmonie auf der Bühne der Kulturhalle. Foto: Ursula Lux

    Acht Jahre lang derbleckte Luise Kinseher als Mama Bavaria auf dem Nockerberg Politiker, bevor sie 2018 dort ihre Abschlussvorstellung gab. Aber die Mama Bavaria ist nicht tot.

    In ihrem neuen Soloprogramm "Mama Mia Bavaria" lässt die Kabarettistin sie auferstehen. Vorläufig, denn in ihrer nächsten Inkarnation wird sie "bayerische Ministerpräsidentin". Und sie kennt auch schon die Voraussetzungen für diese Karriere, "Verkaufe 3200 Sozialwohnungen und kaufe 2000 neue, in der dann noch mehr Menschen Platz haben. "Wer so rechnen kann, wird in Bayern sogar Ministerpräsident", stellt sie fest.

    Kinseher redet ohne Punkt und Komma. Aber nicht nur das, was sie nicht in Worte fasst, spiegelt sich in ihrem Gesicht. Dabei kann sie derb und bissig ebenso gut wie weinerlich depressiv oder mütterlich besorgt. Und sie redet nicht nur. Stimmgewaltig wird sie zur Opernsängerin, lallt ebenso perfekt, wie sie jodelt. Immer im Kontakt mit dem Publikum, das ebenfalls sein Fett abbekommt, besonders wenn es in der ersten Reihe sitzt, widmet sich Kinseher ihrem Lieblingsthema, der bayerischen Heimat in allen Facetten. Kein Wunder, sei Bayern doch wie sie selbst, erklärt sie: "Hohe Berge, sanfte Hügel und keine einzige flache Stelle."

    Treffsichere Gemeinheiten

    Sie legt ihren Finger, in Form von treffsicheren Gemeinheiten, in die Wunden. "Im Schweinfurter Land gehen die Leute nicht mehr aus dem Haus, weil sie Angst haben, in ein Funkloch zu fallen, und in München nicht mehr, weil sie Angst haben, ein anderer zieht dann in ihre Wohnung ein." Aber die meisten Münchner wohnten ohnehin im Auto, stellt sie fest, "im Stau am Mittleren Ring". Kinseher erklärt, was Qi Gong mit dem Schuhplattler verbindet und warum ein Tourist, Tourist heißt, nämlich weil er in einer Tour isst.

    Dafür, dass die Kabarettistin in Niederbayern geboren wurde, wo man "schon in die CSU reingeboren" wird, geht sie mit den schwarzen Politikern scharf ins Gericht. "Als ich sagte, Horst hau ab, konnt' ich doch nicht ahnen, dass der nach Berlin geht."

    Ob sie erzählt, dass der Schweinebraten die Bayern spaltet, wegen der Frage ob mit oder ohne Ingwer, oder den aufgemantelten Markus ins Visier nimmt – eine Pointe jagt die nächste. Sie schaut weit zurück in Bayerns Geschichte, als sich in ihrem Wirtshaus "Römer, Restkelten und Druiden trafen" und beschwert sich über ihre Statue auf der Theresienwiese. "Schlecht getroffen, da komm ich doch daher wie ein Trampel." Eine Frisur wie die Mama der Simpsons, mokiert sie sich, und wozu ein Löwe, sie habe schließlich einen Dackel. Auch ein Schwert brauche die Mama Bavaria nicht, ihr reiche ein Nudelholz, und das Schlimmste: "Die Wildpiesler, die mir immer an den Sockel pieseln."

    Unverblümt, scharfzüngig und immer schlagfertig

    Ja, sie hat's nicht leicht die Bavaria, kein Wunder, dass sie ab und an am Stammtisch mit der Europa, der Frankonia, Mütterchen Russland oder der Lady Liberty zusammensitzen muss. Die Letztere aber sei "schlecht beieinander", erzählt Kinseher, "die nimmt sich das mit dem Donald so zu Herzen." Ganz anders Mütterchen Rußland die betont, dass ihr Wladimir selbst nach einem Bad im Eiswasser noch mehr in der Hose habe als "dein Markus".

    Unverblümt, scharfzüngig und immer schlagfertig spricht Kinseher über ihre Heimat und mit dem Publikum. Dabei analysiert sie vor allem den "Schädlingsbefall" messerschaft: "Flächenfraß? Ein Schädling, der über Banken eingeführt wird, im Schmiergeld nistet und durch Landräte und Bauherrn verbreitet wird."

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