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    Schweinfurt

    Mehr Hass im Netz und Gewalt gegen die Polizei

    Ehrungen bei der Gewerkschaft der Polizei. Im Bild Heinz-Jürgen Fischer, Karolina Heimgärtner, Kristina Reuß, Carolin Schatt, Gustav Breunig, Friedrich Jobst, Bernhard Meyer, Ernst Haupt, Uwe Rüster, Bruno Ziegler, Klaus Beck, Georg Dickert, Manfred Kreußling, Wolfgang Niedermeier, Reiner Schlechter, Egbert Schmitt und Manfred Hümpfner. Verena Gütter (vorne Zweite von rechts), Kerstin Krapf (vorne Zweite von links) und Stefan Reitemeyer (links) repräsentieren die GdP-Kreisgruppe Schweinfurt. Zum Vorstands-Team gehören auch Marcus Volpert, Christian Birkmeyer und Melanie Brandenburg. Peter Schall (Dritter von links) ist bayerischer GdP-Landesvorsitzender, Christian Schulz (Vierter von links) Bezirksgruppenvorsitzender in Unterfranken.      Foto: Helmut Glauch

    Hassdelikte im Internet, Morddrohungen gegen Politiker, Cyberkriminalität und eine ganze Reihe neuer Aufgaben und Herausforderungen. Die Polizei ist mehr als nur gut beschäftigt. "Da tickt eine personelle Zeitbombe", wie der bayerische Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Peter Schall, bei der  Jahreshauptversammlung der GdP-Kreisgruppe Schweinfurt ausführte.  

    Kräfte gebunden, die dann woanders fehlen 

    Personenschutz, die arbeitsaufwendige Durchforstung des Internets zum Beispiel in Fällen von Kinderpornografie, Drohungen oder Beleidigungen seien sehr personalintensiv, binde Kräfte, die woanders fehlen. Doch das sind nicht die einzigen Probleme, die die in der GdP organisierten Ordnungskräfte beschäftigen. Schall thematisierte von Kollegen angezeigte Mängel mit der neuen Dienstkleidung. "Ich fühle mich im Sommer, als hätte ich eine Plastikhose an", habe ihm ein Polizist mitgeteilt. Viele Kollegen teilen die Einschätzung, dass man in dieser Uniform leicht ins Schwitzen gerät. "Eventuell muss man da noch mal ran an die Gewebemischung."  Auch die Dienstwagen – 3er-BMW – stoßen mitunter an ihre Grenzen. Die vorschriftsmäßige Bordausrüstung sei mittlerweile nicht nur vielfältiger, sondern auch viel schwerer geworden. So schwer, dass man sich, wenn man einen Verdächtigen oder Straftäter mit an Bord hat, häufig am Rand der zulässigen Zuladungsgrenze, oder darüber hinaus, befinde.  

    Höhere Bezüge und mehr Munition im Lauf

    Es gibt aber auch Positives zu vermelden. Gemessen an den Jahren von 1993 bis 2021 hat man für die Kollegen eine Steigerung der Bezüge von 57 Prozent erreicht. Die neue Dienstpistole, nun mit 15 Schuss" sei in Zeiten zunehmender Anschläge ein Gewinn, weil sie bei Dauerbeschuss nicht so schnell nachgeladen werden muss, auch das neue Visier hält einiges ab. Polizei-Apps auf dem Handy können immer mehr. So wird es schon bald eine geben, die nicht nur den Ausweis einer Person abfotografiert, sondern auch gleich die Überprüfung im Detail übernimmt.  Die Body-Cam biete Rechtssicherheit bei Einsätzen, dokumentiert, was wirklich passiert ist.    

    Auch Christian Schulz, Unterfränkischer Bezirksgruppenvorsitzender der GdP, war nach Schweinfurt gekommen. Er ist neu in diesem Amt und dankte dem "jungen dynamischen Team" rund um die Vorsitzende der  GdP-Kreisgruppe Schweinfurt, Verena Gütter, für ihre Arbeit. Mit Stefan Reitenmeier hat die GdP auch wieder einen festen Ansprechpartner bei der Polizei in Schweinfurt in der Mainberger Straße. Auch Schulz bemängelte in manchen Bereichen der Polizeiarbeit die zunehmende Belastung, mitunter seien Kollegen förmlich nicht mehr aus den Stiefeln herausgekommen. Zusätzliche Arbeit, die vor allem durch Abschiebemaßnahmen und Flugbegleitung in die Herkunftsländer entstehe. Für zusätzlichen Frust sorge unter den Kollegen die zu geringe Rückführungsquote. Immer wieder komme es zum Beispiel vor, dass ein Pilot sich weigere, einen abzuschiebenden Asylbewerber an Bord zu nehmen, weil dieser sich nicht vorschriftsgemäß benehme und anderen Passagieren nicht zugemutet werden könne.  

    Es mangelt an Respekt vor den Einsatzkräften

    Zahlenmäßig so viel Personal wie nie, aber aufgrund flexibler Arbeitszeitmodelle (Teilzeit, Elternzeit etc.) weniger zur Verfügung stehende Kräfte – so präsentiere sich die Personalsituation der Polizei, sagte Schulz. Bei gleichbleibend hohen Einstellungs- und Ausbildungszahlen sei erst ab 2021 mit Entspannung zu rechnen. 251 Kolleginnen und Kollegen, also fünf pro Woche, wurden 2018 in Unterfranken Opfer von Gewalt gegen die Polizei. Schulz appellierte an Bildungseinrichtungen und Erziehungsberechtigte wieder dafür zu sorgen, dass junge Menschen wieder mehr Respekt vor Rettungsdienst, Polizei oder Feuerwehr haben. 

    Breiten Raum nahm die Ehrung langjähriger Kollegen ein, die bis zu 55 Jahre Mitglied der Gewerkschaft der Polizei sind. Bronze (20 Jahre), Silber (30 Jahre) und Gold (40 Jahre) und Gold auf Band  (50 Jahre) nennen sich die Auszeichnungen der GdP.  Insgesamt wurden 39 Kolleginnen und Kollegen geehrt. 

    Ehrenurkunden und Anstecknadeln in Bronze, Silber und Gold
    Die Geehrten: Heinz-Jürgen Fischer, Karolina Heimgärtner, Kristina Reuß, Heribert Schleyer, Michael Weber, Ronald Colligan, Stefanie Gößwein, Steffen Stühler (10 Jahre). Carolin Schatt, Marco Weilnhammer, Michael Nöth, Enrico Funke-Hengelhaupt (20 Jahre). Gustav Breunig, Friedrich Jobst, Bernhard Meyer, Ernst Haupt,  Angelika Herzog, Bernhard Schneider, Harald Firsching, Hubert Kimmel, Oliver Wagner (30 Jahre).  Bernd Beck, Günter Schneider, Willi Schuhmann, Uwe Rüster, Bruno Ziegler, Klaus Beck, Georg Dickert, Manfred Kreußling, Wolfgang Niedermeier , Reiner Schlechter, Egbert Schmitt  (40 Jahre).  Manfred Hümpfner, Bodo Krapf, Günther Lauerbach, Rudolf Mangold, Werner Seuling (50 Jahre). Ingrid Müller und Heinz Götz (55 Jahre).

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