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    Schweinfurt

    Mehr als nur der Chiemsee-Maler

    David Grube hat die Ausstellung zu Josef Wopfner im Museum Georg Schäfer kuratiert. Das Gemälde "Herbst, 1896" zeigt das Interesse des Malers auch an den Menschen am Chiemsee. Foto: Anand Anders

    Josef Wopfner? Selbst der interessierte Kunstfreund wird möglicherweise mit dem Namen zunächst kaum etwas anfangen können. Und das völlig zu Unrecht, wie die neue Ausstellung im Museum Georg Schäfer zeigt. Hier haben die wichtigsten Arbeiten des 1843 in Tirol geborenen Malers inzwischen ihre Heimat. Zusammen mit einigen privaten Leihgaben werden dort 25 Gemälde, 32 Skizzenbücher und eine Reihe von Arbeiten auf Papier unter dem Titel "Landschaftsmalerei zwischen Naturidylle und Dramatik" gezeigt.

    Für Hausherr Wolf Eiermann ist es ein besonderes Anliegen, regional entstandene Kunst vom Stigma der Heimattümelei zu befreien, den Schatten, der zwischen 1933 und 1945 auf sie geworfen wurde, aufzuhellen. Obwohl es einen großen Fundus in den Museen gebe, würden Künstler dieses Genres kaum noch ausgestellt. Dem entgegenzuwirken, sei eine Aufgabe seines Hauses, sagte Eiermann bei der Pressekonferenz zur neuen Ausstellung. Dass es zu Wopfner neben einer unveröffentlichten Dissertation erstmals einen Katalog gibt (128 Seiten, 24,90 Euro) unterstreicht dieses Anliegen.

    Schon als Jugendlicher hatte Wopfner sein großes zeichnerisches Talent unter Beweis gestellt. In den 1860er-Jahren kam er nach München, wo er zunächst als Stubenmaler und Lithograf arbeitete, 1864 in die Akademie aufgenommen und Meisterschüler Carl Theodor von Pilotys wurde.

    Nach dem Abschluss des Studiums eröffnete er ein eigenes Atelier und reiste erstmal an den Chiemsee, wo er sich auf der Fraueninsel niederließ. Der See blieb Zeit seines Lebens ein zentrales Ziel, ein Ort der Inspiration, was ihm den Namen "Chiemsee-Maler" einbrachte.

    Ihn darauf zu beschränken, wäre jedoch völlig falsch, wie die von David Grube zum Abschluss seines Volontariats am MGS kuratierte Ausstellung eindrucksvoll beweist. Wopfner wirkte über die Region hinaus, verkaufte in die USA, war bei mehreren Weltausstellungen vertreten. In München war Wopfner gut vernetzt, mit Wilhelm Leibl oder Franz Defregger befreundet, 1873 gründete er die Künstlergesellschaft Allotria mit.

    Unter dem Titel "Landschaftsmalerei zwischen Naturidylle und Dramatik" zeigt das Museum Georg Schäfer Arbeiten des Tiroler Malers Josef Wopfner. Foto: Anand Anders

    Die Ausstellung ist in fünf Räumen gegliedert. Im Zentrum steht das Thema "Dramatik". Dabei sticht sofort die großformatige "Verfolgung von Wilderern auf dem Chiemsee" von 1884 ins Auge. Die starke Wellenbewegung, der sich verdunkelnde Himmel und die angespannten Insassen des Bootes fügen sich zu einer höchst dynamischen, spannenden Situation. Indem Grube zu den meisten der Gemälde die jeweiligen Skizzenbücher stellt, vermittelt er einen guten Eindruck zum Entstehungsprozess der Gemälde.

    Die "Nächtliche Kahnfahrt auf dem Chiemsee" ist dem 60. Geburtstag des Prinzregenten Luitpold gewidmet. Foto: Anand Anders

    Der zweite Raum ist dem Thema "Kultur und Tradition" gewidmet. Allein von der "Nächtlichen Kahnfahrt auf dem Chiemsee", die dem 60. Geburtstag des Prinzregenten Luitpold gewidmet ist, gibt es zwölf gesicherte Versionen, was die Geschäftstüchtigkeit Wopfners unterstreicht.

    Unter dem Stichwort "Arbeit und Idylle" ist zu sehen, dass der Maler nicht allein von der Landschaft beeindruckt war. Er rückt einfache Menschen, Handwerker, Bauern und Fischer in den Vordergrund seiner Bilder.

    Großes Besucherinteresse fand die Eröffnung der neuen Ausstellung mit Arbeiten von Josef Wopfner im Museum Georg Schäfer. Foto: Anand Anders

    Im dritten Raum "Auf der Fraueninsel" lässt sich in den von leuchtender Farbigkeit geprägten Gartenbildern gut erkennen, dass der Impressionismus den Maler nicht unberührt ließ. Reisen in die Alpen, Italien, Frankreich, die Ost- und die Nordsee erweitern seine Formensprache.

    Die Ausstellung wird bis zum 1. September gezeigt. Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm. Im nördlichen Teil des Museums wird ab Ende Juni Henri Toulouse-Lautrec mit "Auf den Bühnen von Paris" präsentiert.

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