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    MAIBACH

    Mit Holz, Papier und vielen Ideen

    Wer sein Wohnhaus energetisch sanieren will, merkt schnell, wie sich immer neue Energiesparmöglichkeiten entwickeln und wie sich Technik und Material verbessern. „Panta rhei“, alles fließt, wissen auch Christof und Hiltrud Bärhausen, die seit Jahren ihr Wohnhaus und ihre Lebensweise auf den ökologischen Prüfstand stellen. Bisheriger Höhepunkt: die ökologische Gesamtsanierung der Doppelhaushälfte, die der Pastoralreferent und Energieberater in einem Sabbatjahr selbst bewältigte.

    Zisterne für Regenwasser

    Schon beim Hausbau 1985 hatte Hiltrud Krebs-Bärhausen eine gemauerte Zisterne für das Regenwasser vom Dach sowie von der Garage unter der Terrasse eingebaut. Was damals noch belächelt wurde, wird heute immer wieder kopiert. Ihr Mann, Pastoralreferent in der Pfarreiengemeinschaft im Lauertal, Poppenlauer, forcierte Zug um Zug die energetische Sanierung des Gebäudes. Schließlich ist auch ihm die Ressourcenschonung wichtig, gerade als engagierter Christ, dem die Bewahrung der Schöpfung auch Auftrag ist.

    Schon 1996 kam eine thermische Solaranlage zur Warmwasser-Bereitung aufs Hausdach, 2000 wurde eine Photovoltaikanlage auf der Garage installiert, „die erste im Dorf“ erinnert sich seine Frau, eine gebürtige Maibacherin. 2005 löste ein gebrauchtes Mini-Blockheizkraftwerk, ein „Dachs“, gespeist mit Pflanzenöl, die Solaranlage ab. Es sorgt derzeit noch im monovalenten Betrieb für Warmwasser und Heizung.

    Sabbatjahr auf der Baustelle

    Weil auch die Gebäudehülle noch jede Menge Einsparpotenzial bot, wurde ab September 2015 die energetisch-ökologische Generalsanierung des Wohnhauses begonnen. Dafür nahm sich Christof Bärhausen ab September 2015 ein Sabbatjahr, in dem er diszipliniert jeden Tag auf seiner Baustelle arbeitete. Er hatte sich 2006 zum Energieberater weitergebildet und bis 2015 als kirchlicher Umweltberater bistumsweit kirchliche Gebäude begutachtet. Handwerklich zu arbeiten, macht ihm Spaß, aber ihm war klar, dass er die Sanierung nicht nebenbei stemmen konnte.

    Mit dem Absägen des Betonbalkons über der Terrasse begann die Arbeit, zumal die Betonplatte mit der Zimmerdecke gegossen war und die Wärme nach außen leitete. Solche Wärmebrücken, etwa Rolladenkästen, wurden konsequent ausgeschaltet. Stattdessen sind heute Raffstores angebracht, deren Lamellen als Sonnenschutz gekippt werden und dennoch Tageslicht ins Innere lassen. Die zugehörigen Kästen sind in der Dämmebene des Hauses eingebaut.

    Diese hat es in sich: Unter der neuen Holzverkleidung der Hauswände aus Douglasie-Brettern verbergen sich Nut und Feder-Holzweichfaserplatten und Gefache aus Holzständern. In deren Hohlraum wurde Zellulose, also Altpapier, eingeblasen. 21 Zentimeter Dämmung plus elf Zentimeter für den Aufbau liegen heute vor der Hauswand.

    Aufgesetzt ist diese Isolierung auf der Sockeldämmung aus 20 Zentimeter dicken Schaumglasplatten, die aus 60 Prozent Altglas bestehen. Dafür musste rund ums Haus der Boden bis 70 Zentimeter unterhalb der Kellerdecke aufgegraben werden. Alles in Handarbeit, die der Bauherr mit Hilfe seiner Söhne bewältigte.

    Hilfsprojekt unterstützt

    Neue, dreifachverglaste Fenster ersetzen zudem die alten, die sorgsam ausgebaut und dem Hilfsprojekt „Werke statt Worte“ geschenkt wurden. Zuvor war schon das Dach mit Hilfe einer Fachfirma gedämmt und mit neuen Fenstern und Ziegeln versehen worden. Um die Dämmung zu komplettieren, brachte Bärhausen auch innen an der Kellerdecke zehn Zentimeter dicke Holzweichfaserplatten an.

    Angesichts der soliden Dämmung der Gebäudehülle wurden für das Hausinnere über Kernbohrungen dezentrale Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung eingebaut. Festgestellt hat der Bauherr, dass in seinem Haus nun ein Wärmebedarf von 45 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr besteht. Bei einem Passivhaus sind es maximal 15, bei einem Neubau nach gesetzlichem Standard 70. „Wir sind also besser“, freut er sich.

    Weil aber aufgrund der guten Dämmung das Blockheizkraftwerk im Keller weniger läuft, ist es wartungsanfälliger geworden, weshalb demnächst eine thermische Solaranlage aufs Dach kommt, um es zu ersetzen. „Panta rhei“, alles fließt, lacht Bärhausen. Er hat darüber hinaus das Energiemanagement im Visier, was bedeutet, die Stromleistung aus dem BHKW nur dann abzurufen, wenn sie direkt gebraucht wird.

    Apropos Strom: Schon seit 20 Jahren fährt der Theologe mit seinem Twike, einem Elektroleichtmobil, bei Dienstkurzstrecken, zwei seiner Söhne haben sich ebenfalls Elektroautos angeschafft, „aus eigenem Antrieb“. Ein auf Pflanzenöl umgerüstetes Auto steht ebenfalls in der Garage.

    „Bei einer Umrechnung auf Benzin würde das Twike 0,4 bis 0,8 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen“, betont Bärhausen, die beiden E-Kleinwägen 1,6 bis 2,2 Liter. Und sie sind in 2,5 Stunden wieder neu mit Strom geladen.

    Welche vielfältigen Möglichkeiten es gibt, Energie zu sparen, will Familie Bärhausen in Maibach, Am Rothberg 2, beim „Tag der Innenentwicklung im Oberen Werntal“, Samstag, 29., und Sonntag, 30. September, von 14 bis 18 Uhr Besuchern zeigen. Zu sehen sind auch Modelle der Baumaterialien.

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