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    Werneck

    Mit Winnetou zurück in die 60er-Jahre

    Ein Bild des Indianerhäuptlings von Karl May ergänzte die begeisternde Musik der Bläserphilharmonie Werneck bei ihrer "Großen Suite über Winnetou". Foto: Silvia Eidel

    Die 1960er-Jahre hatten es in sich: Winnetou ritt durchs Kino, die Beatles sorgten für Ohnmachtsanfälle und in Werneck sammelte ein musikbegeisterter Peter Blum junge Leute für ein Orchester um sich. Die heute als Bläserphilharmonie Werneck auftretenden 70 Musiker und Musikerinnen feierten bei ihren beiden Dreikönigsfestkonzerten ihr 50-jähriges Bestehen: mit begeisternder, symphonischer Musik der Höchststufe.

    Frühere Uniformen aus den 1970er- und 1980er-Jahren gaben einen Blick zurück zu den Anfängen der Bläserphilharmonie Werneck vor 50 Jahren. Foto: Silvia Eidel

    Alte Fotos, Plakate und Urkunden an den Wänden der Mittelschul-Turnhalle, dazu Pokale, Medaillen und Schallplatten auf einem Podest vor dem Dirigentenplatz und Schaufensterpuppen mit den früheren Musikeruniformen an der Bühne stimmten das Konzertpublikum auf die Zeitreise zurück zu den Anfängen ein. 1969 war es, als das Schülerblasorchester Werneck-Ettleben von Peter Blum ins Leben gerufen wurde, wie die Vorsitzende des Musikvereins, Kristina Engelmair, eingangs erläuterte. Also Grund genug, zu feiern und den Konzertabend unter das Motto "Wie vor 50 Jahren" zu stellen. Entsprechend feierlich und fröhlich gratulierte sich das Orchester selbst mit einer prächtigen "Jubilee Overture" von Philipp Sparke. Der aus Ungarn stammende Musiker Peter Blum hatte es verstanden, seine Begeisterung an seine Schüler weiterzugeben, erzählte Moderatorin Carolin Wech, die selbst Klarinettenunterricht bei ihm erhalten hatte. Schon bald führte Blum den nun "Jugendblasorchester" genannten Klangkörper erfolgreich zu Wertungsspielen des Nordbayerischen Musikbundes – und das gleich in der Höchststufe.

    Mit "Tirol 1809" siegten die jungen Musiker schon 1974, und genau dieses Stück über den Freiheitskampf der Tiroler beeindruckte erneut bei den Dreikönigskonzerten. Diesmal führte aber die seit 2000 agierende Dirigentin Tanja Berthold Regie. Sie entwickelte das Orchester weiter, leitet sicher, souverän und mit großer Ausstrahlung die Musiker, die sie immer wieder zu neuen Herausforderungen anspornt.

    Als Hommage an Blum bewiesen die Bläserphilharmoniker beim "Ungarischen Tanz Nr. 5" von Johannes Brahms, dass auch sie begeistern können: mit mitreißendem Spiel, exakten Einsätzen und vor allem äußerst flinken Läufen gerade der Holzbläser. Temperamentvoll versetzten sie das Publikum in das Balkanland und ließen es beim Csárdás förmlich mittanzen.

    Erster Preis beim Weltfestival in Wien

    Zahlreiche Erfolge innerhalb Deutschlands und Europas hat das Orchester in 50 Jahren errungen, etwa beim Weltfestival in Wien ein erster Preis, informierte die Moderatorin. 1995 übernahm Peter Blums Sohn Heinz für fünf Jahre den Dirigentenstab. Traditionell wurde in dieser Zeit als Zugabe meist der "Bayerische Defiliermarsch" gespielt, den das Dreikönigs-Konzertpublikum in seiner ganzen Mächtigkeit vorgestellt bekam.

    Musiker der Extraklasse, hier die Fagottspieler, zählen zum 70 Mann starken Ensemble der Wernecker Bläserphilharmonie. Foto: Silvia Eidel

    Mit der Übernahme der Orchesterleitung 2000 durch Tanja Berthold standen weitere Wertungsspiele an, der Name der Formation wurde geändert in "Bläserphilharmonie", der Tag der Musik im Schlosspark kreiert. Zwei Musicals, 2004 der "Kleine Riese Gernegroß", 2014 "Tabaluga", waren herausragende und herausfordernde Projekte. Dass die 60er-Jahre bleibende musikalische Erinnerungen geschaffen haben, bewiesen die Wernecker nach der Pause mit der "Großen Suite über ‚Winnetou‘". Schon die feinen Mundharmonika-Klänge von Siegbert Juhasz ließen das Bild des Indianerhäuptlings von Karl May lebendig werden. Seinen Ritt durch die Prärie, seine Kämpfe gegen Bösewichte und seinen Einsatz für das Gute transportierte das Orchester mit ausgesprochener Einfühlsamkeit. Fröhlich ergänzten sie mit dem Beatles-Welthit "When I'm sixty four" den Ausflug in die 60er-Jahre, bei dem Mitsingen und -wippen ausdrücklich erlaubt war. Bei der Soulnummer von Aretha Franklin "Think" zeigte sich die individuelle Klasse aller Musiker: Sowohl die Blech- als auch die Holzbläser sowie die Schlagwerker trugen sicher ihren Teil zum fetzigen Hit der Bürgerrechtsbewegung bei.

    Tanzende Schornsteinfeger und ein am Schirm schwebendes Kindermädchen wurden mit der Filmmusik aus dem Musical "Mary Poppins" lebendig. Von piano bis forte, von getragen bis rasend, aber immer swingend und leicht wurde das schwierige Arrangement vorgetragen.

    Bereits seit 1970, also zwei Jahre nach der Gründung des Wernecker Musikvereins, spielt Doris Treutlein (links) im Orchester mit. Leiterin Tanja Berthold (rechts) dankte ihr mit einem Blumenstrauß. Foto: Silvia Eidel

    Nicht nur sieben Neuzugänge hatten die Wernecker Bläserphilharmoniker im vergangenen Jahr, stellte Dirigentin Tanja Berthold dem Publikum vor. Viele der Musiker sind seit Jahrzehnten mit Lust und Freude dabei, wobei Klarinettistin Doris Treutlein fast von Anfang an, seit 1970, zu den engagierten Spielern und Vereinsmitgliedern zählt. Während es für sie Blumen und Dankesworte regnete, durfte sich das Publikum bei den Zugaben über "Moon River" aus dem Film "Frühstück bei Tiffany" sowie den coolen "Pink Panther" freuen.

    Das Jubiläumsjahr 2019 hält weitere Veranstaltungen bereit, unter anderem bereits am 12. Januar den "Zeuzlebener Feuerzauber" am Musikerheim und das Schlosskonzert sowie "Musik im Schlosspark" am 20. und 21. Juli.

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