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    Stadtlauringen

    Mobilfunk: Nur wenige Standorte sind geeignet

    Der Stadtlauringer Gemeinderat steckt in einem Dilemma: Einerseits soll die Mobilfunkabdeckung verbessert werden, andererseits sollen aber auch Bedenken der Bürger berücksichtigt werden. Wie schwer diese beiden Faktoren unter einen Hut zu bringen sind, das zeigte eine ausführliche Diskussion im Gemeinderat.

    Immer wieder war das Thema Mobilfunkabdeckung in den Bürgerversammlungen angesprochen worden. Die großen Netzbetreiber hätten, so hieß es, wohl aus wirtschaftlichen Gründen jedoch wenig Interesse, den ländlichen Raum abzudecken, reagierten auf politischen Druck und oft auch angelockt durch Kostenübernahmen oder Förderungen dann aber doch. Zuletzt erklärte sich Mobilfunkanbieter Telekom bereit, in Oberlauringen und Wetzhausen entsprechende Technik anzubieten - ohne Inanspruchnahme des Förderprogramms. Voraussetzung seien jedoch Standorte, die drei Sektoren mit jeweils 120 Grad abdecken. Als geeignet wurden Standorte in Oberlauringen am alten Schulsportplatz und in Wetzhausen hinter dem Friedhof auserkoren. Dies sei zu nah an der Wohnbebauung, befanden um ihre Gesundheit fürchtende Anwohner und bekundeten ihre Ablehnung auch mit Unterschriftenlisten. Als ungeeignet hätten sich auch Standorte am Ellertshäuser See an der Toilettenanlage und am Klettergarten erwiesen.

    Schwierige Suche

    Doch die Suche nach Alternativstandorten gestaltet sich schwierig. Neben den technischen Voraussetzungen muss immer auch Strom vorhanden sein. Am Ellertshäuser See gibt es immerhin einen Standort auf dem Gelände einer sich in Auflösung befindlichen Gebietskörperschaft. Hier wird man wohl nach Klärung der Nachfolge tätig werden können. In Oberlauringen böte sich als Alternative einzig ein Mast an der Staatsstraße 2280 zwischen den Einfahrten Oberlauringen Süd und Mitte an. Aber auch hier sei wohl mit Anwohnerbeschwerden zu rechnen.

    Uwe Zirkelbach wunderte sich, dass in Schonungen zuletzt drei Masten zur Ortsteilversorgung weit weg von Wohnbebauungen "mitten in der Prärie" aufgestellt werden konnten. Michael Jäger gab zu Bedenken, dass ein Mobilfunkmast am angedachten Standort den höchsten Punkt des Ortes markieren würde, weithin sichtbar und höher als der Kirchturm. Markus Kohlhepp forderte die Hinzuziehung eines unabhängigen Sachverständigen zur Klärung der Standortfrage. Winfried Reß fragte sich, was passiert, wenn ein Privatmann der Telekom eine Aufstellmöglichkeit anbietet. Dies könnte die Gemeinde nicht verhindern, wenn die baurechtlichen Anforderungen erfüllt seien, antwortete Verwaltungsleiter Michael Kastl. Ob eine Anfrage bei der aus dem Wahlkreis stammenden Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, helfen könnte, war eine weitere Anregung. Auch sie werde privatwirtschaftliche Unternehmensüberlegungen wohl kaum beeinflussen können, mutmaßte der Bürgermeister.

    Informationsveranstaltung für Bürger

    Am Ende wurde beschlossen, zunächst einmal eine Informationsveranstaltung für die Bürger von Oberlauringen und Wetzhausen anzuberaumen. Ein neutraler Experte des Landesamtes für Umweltschutz soll dabei insbesondere über mögliche Gefahren für die Gesundheit aufklären. Dass nicht nur Mobilfunkmasten in gewisser Weise "strahlen", sondern immer auch die Empfangsgeräte, die häufig sogar von Bedenkenträgern ganz sorglos in der Hosentasche herum getragen werden, dies machte Heckenlauer deutlich, ebenso wie Drahtlosnetzwerke, die in Betrieben für einen reibungslosen Ablauf der modernen Arbeitswelt sorgen.

    Gleichzeitig soll eine Interessensbekundung für ein neues Förderprogramm an das entsprechende Staatsministerium gesandt werden. Auf diesem Wege könnte möglicherweise auch um die beiden anderen Mobilfunkanbieter wie Vodafone oder Telefonica geworben werden. Diese haben bislang jedoch noch nicht einmal auf entsprechende Anfragen geantwortet.

    Ansonsten bliebe dem Gemeinderat nur ein trockenes "Ja" über die Köpfe der Bevölkerung hinweg zu den Plänen der Telekom oder ein trockenes "Nein", welches eine flächendeckende Mobilfunkversorgung in Oberlauringen und Wetzhausen dann wohl auf lange Sicht verhindert.

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