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    Gerolzhofen

    Mörderisch gut: Premiere für „Acht Frauen“ in Gerolzhofen

    Acht Frauen auf der Bühne: Gibt es das nächste Mordopfer zu beklagen? Foto: Andrea Lindenberger

    Am 18. Oktober war es endlich soweit: Das Kleine Stadttheater und der Verein "Das Karussell" feiern mit 150 Zuschauern die Premiere des Theaterstücks "Acht Frauen" an einem besonderen  Aufführungsort: in den Geschäftsräumen der Kirchner GmbH. Schirmherrin der mörderisch guten Komödie ist sozusagen eine Frau vom Fach: die Leiterin der Polizeiinspektion Gerolzhofen, Erste Polizeihauptkommissarin Margit Endres.

    Acht Frauen auf einer Bühne – da kann schon mal nichts schiefgehen. Acht schöne und begabte Frauen auf einer Bühne – damit kann eine Kriminalkomödie nur ein Erfolg werden. Wir schreiben das Jahr 1957, Weihnachten naht. Eine wohlhabende Familie trifft sich über die Feiertage in einer abgelegenen Villa getreu dem Motto: Wir sind nicht nett, wir sind eine Familie. Und es kommt, wie es kommen muss. Die aufgesetzte Höflichkeit hält nur so lange stand, bis es ans Eingemachte geht.

    Ein Schrei, eine Leiche und ein Messer im Rücken

    Ein Schrei, eine Leiche. Der einzige Mann in diesem Stück ist tot, der Hausherr, ermordet liegt er da – mit einem Messer im Rücken. Tot sind auch die Telefonleitung und die Autos. Abgeschnitten von der Zivilisation und der Möglichkeit, die Polizei zu verständigen, kommt Panik auf. Ist der Mörder womöglich noch im Haus und wieso musste der Patriarch so grausam sterben? Misstrauen und Ungunst erwachen. Keine der Damen hat ein stimmiges Alibi und allmählich verstricken sie sich in Ungereimtheiten. Verdächtig macht sich jede und eines steht schnell fest: Der Mörder ist eine Mörderin und eine von ihnen.

    Die Schirmherrin Margit Endres, Leiterin der Polizeiinspektion Gerolzhofen, zusammen mit Lara Stößel (links) in der Rolle als vorlaute Göre Catherine, Achim Hofmann und Anita Wozniak (rechts) in der Rolle der Susanne. Foto: Andrea Lindenberger

    Es beginnt ein kriminalistisches Verwirrspiel – mit starken Pointen und einer geschickt aufgebauten Spannung. Jede der Damen erweist sich als feine Spürnase in Sachen Mordermittlung. Bald ist nichts mehr, wie es anfänglich schien. Die Masken beginnen zu bröckeln. Frustrationen entladen sich. Das Innerste kehrt sich nach außen. Und so manches gut gehütete Geheimnis kommt ans Tageslicht.

    Ein Lied für jede Frau

    Acht Frauen, acht Charaktere. Für den Gerolzhöfer Komponisten Achim Hofmann war das die gedankliche Voraussetzung, die Darstellerinnen mit ihren Stimmungen und Leidenschaften musikalisch in Szene zu setzen. Jede Akteurin singt in einem kurzen Spot, was ihren Charakter offenbart. Hofmann ist es gelungen, diese unterschiedlichen Facetten mit Leben zu füllen. Der Zuschauer taucht in die Seelenwelt der Rolle ein und erlebt die Zerrissenheit fast körperlich spürbar.

    Der Regisseur Jens Gärtner (Berlin) bringt die literarische Vorlage des Theaterstücks "Huit femmes" von Robert Thomas turbulent und spannungsgeladen auf die Bühne. Stilsicher und mit dem Hang zur Perfektion inszeniert er ein Theaterstück voller kluger Anspielungen, zugeschnitten auf acht Darstellerinnen, die tiefschichtig mit ihrer jeweiligen Ausstrahlung spielen. „Wenn es einen Mann gibt, der die dunklen Seiten einer Frau erkennt, versteht und liebt, dann ist es Jens Gärtner“, schwärmt Silvia Kirchhoff, die Leiterin des Kleinen Stadttheaters.

    Lob der Kulturreferentin

    Zusammen mit dem Verein "Das Karussell" haben sich hier Kulturschaffende verbunden, die Profis und Laien auf die Bühne bringen. „Theater darf Spaß machen und Kultur ist für jeden zugänglich“, ermutigt Amelie Auer zur kreativen und künstlerischen Selbstverwirklichung. Sie ist Schauspielerin und als nervig verspannte Tante Augustin mit einer ausgeprägten Neigung zur Hypochondrie reißt sie in ihrer Glanzrolle das Publikum mit. Darüber freut sich auch die Kulturreferentin der Stadt Gerolzhofen, Stadträtin Ingrid Feil: „Gerade in diesen Zeiten tut es gut, einfach mal eine Komödie zu sehen – unbekümmert und so gelungen musikalisch begleitet.“

    Schirmherrin Margit Endres bedauert nur eines. „Ich wäre gerne die neunte Frau auf der Bühne gewesen“, sagt die engagierte Polizeibeamtin, die selbst schon mehrmals bei Theaterstücken mitwirkte, augenzwinkernd. Das Einzige, was sie verrät: „Der Gärtner ist nicht der Mörder!“ Es bleibt also spannend.

    Mitwirkende: Anita Wozniak,  Nadja Pitter, Monika Freiberger, Amelie Auer, Celina Stöcklein, Brigitte Wozniak, Emmanuelle Collinet, Ramona Stoige, Lara Stößel, Silvia Kirchhof, Klaus Müller (Technik), Anneliese Hartmann und Birgit Stumpf (Maske und Gewand), Torsten Feig (Fotos und Programmgestaltung) und zahlreiche weitere Helfer hinter den Kulissen. 

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