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    Schweinfurt

    Nach Ankerzentrum-Demo: So sind die Reaktionen im Netz

    Am Donnerstag demonstrierten Bewohner des Ankerzentrums in Schweinfurt für bessere Lebensbedingungen. Im Internet wurde die Aktion heftig diskutiert.
    Eine Demonstration von Bewohnern des Ankerzentrums aus Somalia fand am Donnerstag in der Schweinfurter Innenstadt statt. Foto: Lisa Marie Waschbusch

    Nachdem am Donnerstag rund 90 Somalier aus dem Ankerzentrum in der Schweinfurter Innenstadt für bessere Lebensbedingungen demonstriert hatten, spaltet die Aktion weiter die Gemüter im Netz. Während die meisten Leser auf der Facebook-Seite des Schweinfurter Tagblatts heftige Kritik an der Demonstration sowie den Forderungen der Somalier äußerten, und teilweise sogar von Undankbarkeit und Hass gegenüber Deutschen („Halten nur die Hand auf und hassen uns“) schreiben, gibt es aber auch Zuspruch und Verständnis einiger Leser, die auf sachlicher Ebene argumentieren.

    "Sie haben vollkommen recht!", schreibt einer der Nutzer auf Facebook, der angibt, bereits ehrenamtlich im Ankerzentrum gearbeitet zu haben. "Unter solchen Bedingungen soll und darf kein Mensch leben. Damit Integration gelingt, brauchen diese Menschen, wie sie selbst sagen, Zukunftsperspektive. Dazu gehört neben Sprache, vor allem auch Chance zur Arbeit und Partizipation in unserer Gesellschaft. Für letzteres sind wir alle verantwortlich." Damit Integration stattfinden könne, schreibt der Nutzer weiter, müsse man den Menschen die Möglichkeit geben, Teil der Gesellschaft zu werden.

    Kirix Abdi Asis (Mitte) lebt seit drei Monaten im Ankerzentrum Geldersheim. Er und seine Mitstreiter wollten über die Lebensbedingungen im Ankerzentrum aufklären. Foto: Lisa Marie Waschbusch

    Zuspruch bekommt er von einer weiteren Nutzerin. Sie schreibt dazu: "Korrekt, denn zu Integration gehören immer zwei. Meine Erfahrung ist, sie wollen sich integrieren, aber oft wird es von unserer Seite aus sehr schwer gemacht." Sie schreibt, sie habe bereits mit Geflüchteten gearbeitet und sie sei nie respektlos behandelt worden, "im Gegenteil".

    Kontroverse Diskussion auch auf mainpost.de

    Ein ähnliches Bild zeigt sich auch auf mainpost.de: "Ich verstehe das schon voll und ganz, manche von diesen Einrichtungen sind halt nun mal wie Lager oder, soll ich eher sagen, Gefängnisse. Unser Innenminister mit seinem Ausländerwahn trägt natürlich eine große Schuld an solchen menschenunwürdigen Einrichtungen", heißt es in einem Kommentar.

    Ein anderer Leser fordert mehr Empathie: "Was Menschen brauchen, ist eine Perspektive! Wenn ich in solch ungeklärten Verhältnissen leben müsste, würde ich genauso handeln. Es geht einfach nicht immer nur ums Geld und saubere Toiletten im Ankerzentrum." Er schreibt weiter: "Ach ja, ich arbeite im Krankenhaus. Und ohne die KollegInnen aus anderen Ländern, könnten wir unseren Laden dicht machen."

    Doch auch hier stoßen solche Äußerungen auf Gegenwind. "Undank ist der (dritte) Welt Lohn", kommentiert ein Leser. Ein anderer Leser kritisiert die Aufschriften der Plakate ("Irgendwie begannen gefühlte 90% der Plakate mit 'wir wollen'.Was (mir) fehlte, waren die Plakate mit 'wir bieten', 'wir sind bereit'") und schreibt: "Eine bessere Werbung für rechte Gruppierungen und Parteien hätten die Menschen gestern gar nicht machen können. Leider!"

    186 Somalier leben im Ankerzentrum Geldersheim

    Aktuell sind nach Angaben der Regierung von Unterfranken 186 Somalier im Ankerzentrum in Geldersheim untergebracht, bei insgesamt 639 Bewohnern (Stand 31. Januar 2020). Die Schutzquote (Summe positiver Entscheidungen) bei Asylsuchenden aus Somalia lag nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge im vergangenen Jahr bundesweit bei 41,9 Prozent, in Bayern bei 40,8 Prozent.

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