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    SÖMMERSDORF

    Nach der letzten Passionsspiel-Vorstellung: Feiern, rasieren und ein wenig trauern

    Der Rasierer brummt, die langen Bärte verschwinden aus den Gesichtern der Passionsspieler unter johlendem Beifall der Mitspieler. Das Ritual gehört zur Abschlussfeier einer Passionsspielsaison in Sömmersdorf. In diesem Jahr beendete es noch dazu die mit 35000 Zuschauern erfolgreichste Spielzeit in der 85-jährigen Geschichte der Fränkischen Passionsspiele.

    Das traumhafte Sommerwetter bescherte keiner einzigen der 18 Vorstellungen Regen, so dass die Zuschauer immer ungetrübt das Theaterstück vom Leben, Leiden und Sterben Jesu erleben konnten. Wenn auch die ungewöhnliche Hitzewelle die Schauspieler besonders forderte.

    Emotionen pur

    Emotionen pur, starke Massenszenen, nachdenkliche, ruhige Passagen und intensives Mit-Erleben kennzeichnete jede Vorstellung. Heftig geweint wurde unter den Zuschauern auch bei der letzten Aufführung am Sonntag nachmittag, die Darsteller zeigten sich in Höchstform. „Das war heute noch einmal eine super Leistung“, zeigte sich auch das Regie-Duo Hermann J. Vief und Marion Beyer zufrieden.

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    Selbst der bayerische Innenminister Joachim Herrmann war von den Laien auf der Freilichtbühne beeindruckt, seine Frau Gerswid wischte sich beim Schlussapplaus die Tränen aus dem Gesicht.

    Traditionell beendete ein gemeinsam gesungenes „Großer Gott, wir loben dich“ die Spielzeit, für die Weihbischof Ulrich Boom die Schirmherrschaft übernommen hatte. Dass nach monatelangen Strapazen dann am Sonntag abend die 320 Schauspieler und 100 Helfer kräftig in und an der Robert-Seemann-Halle feierten, versteht sich von selbst.

    Ab zum Bärte-Scheren

    Die ersten, die sich ihre Bärte scheren ließen, waren die Mitglieder des Hohen Rates, Jubal alias Joachim Kreß und Nikodemus alias Matthias Rieger sowie Jörg Kampe als Herodes. Mehr als erleichtert zeigten sie sich über die Befreiung, zumal die Gesichtshaare nicht nur sehr warm, sondern auch hinderlich waren.

    Was in den Mitwirkenden mit der letzten Verbeugung vor dem Publikum vorging, fasste Vereinsvorsitzender Robert König in Worte: Einerseits Freude über die wiedergewonnene Freizeit, andererseits Wehmut angesichts der „tollen gemeinsamen Zeit, die jetzt zu Ende ist“.

    Tolle gemeinsame Zeit

    Stolz dürften alle sein, „auf unser Spiel, das viele Menschen beeindruckt und zum Nachdenken gebracht hat“ und auf „euren überragenden Einsatz, das war einfach sensationell“. Stolz dürfe man sein über die vielen prominenten Gäste aus Politik, Kirche oder aus anderen europäischen Passionsspielorten, die alle voll des Lobes waren.

    Königs herzlicher Dank galt allen Beteiligten, von der Feuerwehr bis zu den Maskenbildnerinnen, von den Musikern bis zu den Technikern, von den Vorstandsmitgliedern des Vereins bis zu den Regisseuren. Alle hätten überragendes geleistet, trotz schwieriger Umstände im Vorfeld, die den Bauarbeiten an der neuen Überdachung geschuldet waren.

    Diese Gesamtleistung, die „mehr als ein Spiel“ war, das Zusammensein von Jung und Alt, das zum Leben und zum Dorf gehöre, die vielen Gesten und Zeichen würden ihm Zuversicht geben, dass die Sömmersdorfer wieder beim nächsten Passionsspiel dabei sind.

    Tosender Beifall quittierte Königs Rede, „es gibt nur einen Robert König“-Gesänge in der Halle zeigten, wie sehr der Vereinsvorsitzende geschätzt wird. Regisseur Vief griff spontan zum Mikro, um seinen „allergrößten Respekt“ auszudrücken.

    Kleine Entspannungsgeschenke

    Judas-Darsteller Frank Greubel benannte für die Mitwirkenden den außergewöhnlichen Einsatz, den König und die vier anderen Vorstandsmitglieder Johannes Gessner, Norbert Mergenthal, Dieter Mergenthal und Hubert Röth gezeigt hatten. „Was ihr auf euch genommen habt!“, lautete sein Dank, verbunden mit kleinen „Entspannungsgeschenken“, die einige Spielern überreichten.

    Der von König als „Weggefährte“ bezeichnete bayerische Innenstaatssekretär Gerhard Eck unterstrich, dass er auch die Sorgen des Vereinsvorsitzenden miterlebt habe. Bauunternehmer, Statiker oder Brandschutz hätten dazu geführt, dass das Dachprojekt „schon ein paar Euro über dem Ansatz“ liegt. Aber die Mehrkosten dürften nicht alleine bei den Sömmersdorfern hängen bleiben. „Wir werden das schon lösen“, versprach er.

    Geschichte berührt die Herzen

    „Wer einmal dabei war, dessen Herz ist berührt“, bekannte Eck. Er zeigte sich überzeugt, dass man diese zentrale Geschichte des Christentums auf solche Weise zeigen müsse, dass die Menschen sie auch 2018 sehen und hören wollen.

    Bei jedem einzelnen wollte sich Euerbachs Bürgermeister Arthur Arnold für die „ganz tolle Zeit“ bedanken. „Ihr habt Grund zu feiern, bis morgen die Sonne aufgeht“, meinte er angesichts der anstrengenden Monate. Bei unzähligen Sitzungen und Beratungen mit Entscheidungsträger und Zuschussgebern habe er gemerkt, wie gut man von Sömmersdorf spreche und was für ein großartiges ,Projekt‘ der Ort habe. „Das tut euch gut und dem Dorf, aber auch der ganzen Region“.

    Witzige T-Shirts

    Die besondere Stimmung unter den Mitwirkenden drückten auch die T-Shirts aus, die sich viele eigens für die Spielzeit hatten drucken lassen. Als „Schmierfinken“ bezeichneten sich da ironisch die Maskenbildnerinnen, die römischen Soldaten und Pilatus waren als „Achtung, die Römer kommen“ erkenntlich, der Hohe Rat als „Ehrwürdige Väter“. Kräftig feierten in und vor der Halle mit der beleuchteten Überdachung auch die „Eseltreiber“, das „Team Herodes“, „die Heulsusen“, die „Technik 4 Passion“ oder die „Apostel 4 Life“.

    Auch wenn sich alle auf den Urlaub freuten, ein bisschen noch festhalten an dem wunderbaren Gefühl dieser Passionsspielzeit wollten sie auch.

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