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    Wipfeld

    Nach guten Jahren droht die konjunkturelle Delle

    Mit der Wipfelder Fähre über den Main setzen, das könnte künftig teurer werden. Kämmerin Marliese Hofmann rät angesichts der angespannten Finanzlage zu einer Erhöhung der Gebühren. Foto: Anand Anders

    Mit Dank an die Verwaltung, aber ohne größere Debatte hat der Gemeinderat Wipfeld den Haushalt 2019 verabschiedet, in überarbeiteter Fassung. Etwas gewachsen ist der Verwaltungshaushalt, um 5,98 Prozent auf rund 2,32 Millionen Euro. Der Vermögenshaushalt erhöht sich gegenüber 2018 minimal, er beträgt nun rund 2,03 Millionen Euro. Ihm werden 45 600 Euro aus dem Verwaltungshaushalt zugeführt, als Mindestzuführung.  Er finanziert sich zur Hälfte aus der Rücklage, inklusive 700 000 Euro Sollüberschuss aus dem Vorjahr. 16 400 Euro mussten wiederum vom Vermögenshaushalt in den Verwaltungshaushalt gebucht werden.

    Wichtigste Einnahmenquelle ist die Beteiligung an der Einkommenssteuer, die sich etwas erhöht hat (630 000 Euro).  Die Gewerbesteuer-Einnahmen steigen um 90 000 Euro auf 190 000 Euro. Der Ansatz bei den Schlüsselzuweisungen liegt bei 292 800 Euro, ein Minus von 10,4 Prozent. "Es ist wirklich geboten, sparsam zu wirtschaften", mahnte Kämmerin Marliese Hofmann am Ratstisch. Aktuell habe man keine freie Finanzspanne, in den Folgejahren werde sie wohl wieder knapp erreicht. Hofmann riet für das nächste Jahr dringend zu einer Erhöhung der Hebesätze, aber auch anderer Gebühren, etwa bei der Fähre oder dem Wohnmobilstellplatz. Ausgaben-Kürzungen stehen nach 2019 ebenfalls im Raum.

    Teure Reparatur- und Unterhaltsmaßnahmen, etwa bei der Fähre, aber auch steigende Umlagen bei Kreis, Schulverband und Verwaltungsgemeinschaft sowie schwindende Zuweisungen lassen die Finanzverwaltung vor einer "angespannten finanziellen Lage der Gemeinde" warnen. Die Schulden sind ebenfalls am Sinken, von 640 000 Euro Anfang letzten Jahres auf 595 000 zu Beginn des Jahres 2019 (was einer Pro-Kopf-Verschuldung von 551 Euro entspricht). Bis Anfang 2020 sollen die Ausstände auf knapp 550 000 Euro abschmelzen. Ein massiver Abbau ist allerdings auch bei den Rücklagen in Sicht: Diese werden sich bis 2020 von 1,1 Millionen auf 670 000 Euro reduzieren. Anfang 2022 könnten dann nur noch 22 000 Euro auf der hohen Kante liegen – Grund ist vor allem die Generalsanierung der Grundschule.

    In diesem Jahr fließen noch einmal 450 000 Euro in die Fertigstellung der energetischen Sanierung des Rathauses, 105 000 Euro in die Mainfähre sowie 90 000 Euro ins Schwesternhaus. LED-Umrüstung bei der Straßenbeleuchtung, Grunderwerb, eine Modernisierung der Regelungstechnik der Kläranlage und die Fertigstellung des Breitbandausbaus (mit 80 Prozent Förderung) stehen ebenfalls auf der Liste. Bei der Finanzlage sei man eine "normale Gemeinde", resümiert Bürgermeister Tobias Blesch, der allerdings "mächtige Summen" auf Wipfeld zukommen sieht. Nach der Finanzkrise habe man von Jahren mit guter Einnahme-Situation profitiert, nun werde es mit Sicherheit eine konjunkturelle Delle geben.

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