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    SÖMMERSDORF

    Nah dran an seinen Schäfchen: Diözesanbischof Franz Jung

    Ein Handyfoto von Satan-Darsteller Marius Mergenthal schoss Bischof Franz Jung beim Besuch hinter der Bühne der Fränkisc... Foto: Silvia Eidel

    Sein erstes Passionsspiel überhaupt hat der neue Würzburger Bischof Franz Jung am Samstag Abend in Sömmersdorf erlebt. Nicht nur er war beeindruckt von der Leistung des 680-Einwohner-Dorfes. Auch die Zuschauer, Laienschauspieler und Akteure hinter der Bühne waren angetan von der lockeren und offenen Art, mit der der Diözesanbischof auf die Menschen zuging.

    Mit starkem herzlichen Applaus empfingen die Besucher den neuen Bischof, den der Vorsitzende des Vereins Fränkischen Passionsspiele Sömmersdorf, Robert König, humorvoll begrüßte. Bischof Franz ließ sich ebenso locker auf das Wortspiel mit den „Schäfchen“ und dem „Hirten“ ein. Er zeigte sich gespannt, wie die Gratwanderung von Schauspiel und den geistlichen Inhalten des Themas Leiden, Tod und Auferstehung gelinge – was er nach der Vorstellung uneingeschränkt bejahte. Sein Vorab-Wunsch ans Publikum lautete, eine „gute Vertiefung“ der Fragen: „Wer bin ich?“ und „Wo stehe ich?“

    In der Pause: Gespräche und Begegnungen hinter der Bühne

    Die Pause nutzte Bischof Franz gemeinsam mit Domkapitular Christoph Warmuth und Ortspfarrer Markus Grzibek zu einem Besuch hinter die Bühne. Von Maria-Darstellerin Susanne Mergenthal ließ er sich die stetigen Veränderungen der Inszenierungen erklären, mit Jesus-Darsteller Tobias Selzam plauderte er über die monatelangen Proben und anstrengenden Szenen. Sein Handy musste er zücken, um den „gruseligen“ Satan-Spieler Marius Mergenthal zu fotografieren. Und neugierig setzte er sich den metallenen Helm eines römischen Soldaten auf.

    Als „ganz stark“ bezeichnete er zu diesem Zeitpunkt die Judas-Szene, in der dieser sich mit dem Wort „Verrat“ auseinandersetzt. Aber auch die eindrückliche Ölberg-Szene, die Händler als treibende Kräfte oder die Fußwaschung, bei der Judas nicht dabei war, waren ihm besonders aufgefallen. „Da hat sich jemand was dabei gedacht“, lobte er die Regie.

    Dass der Einstieg in das Theaterstück mit dem „Vater unser“ begann und auch mit einem gemeinsam gesungenen „Our Father“ aller Schauspieler und Helfer endete, nannte Bischof Franz nach der Vorstellung besonders gelungen. Ungeheuer emotional habe er die Mutter-Jesus-Beziehung empfunden, gestand er. Beklemmend sei für ihn das Spiel des verzweifelten Judas und sein Thema „Schuld“ gewesen. Auch von der Art, wie sich die Menschen von den Einpeitschern des Hohen Rates zu einem Mob wandelten, zeigte er sich betroffen.

    Bischof Jung: „Dass ihr als kleines Dorf so was stemmt!“

    In der Nachbesprechung mit Vereinsvorsitzendem König und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Sabine Nöth drückte der Bischof seinen Respekt aus: „Dass ihr als kleines Dorf so was stemmt!“ „Wir sind auch alle Feuer und Flamme“, bestätigte Nöth. Alles geschehe ehrenamtlich, alle schätzten die Gemeinschaft, die besondere Stimmung hinter der Bühne, den guten, fröhlichen Umgang.

    Viel gelacht wurde in dem Gespräch, erst recht, als Sabine Nöths T-Shirt-Aufdruck erläutert wurde: „Spa-Chefin“ aus dem „Team Herodes“ stand da für ihre Rolle der Badefrau Shoshana.

    Die Schirmherrschaft für die Fränkischen Passionsspiele hatte in den letzten Spieljahren stets der Würzburger Bischof übernommen. Aufgrund der Vakanz agierte diesmal Weihbischof Ulrich Boom. Ob Bischof Franz denn beim nächsten Mal in fünf Jahren als Schirmherr den Sömmersdorfern zur Seite stehen würde? „Natürlich“, lautete seine prompte Antwort.

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