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    Werneck

    Nahwärme und Klimaschutz vereint

    Bei der Übergabe des Biogas-Wärmeschildes in der Wernecker Mittelschule waren dabei (von links): Markus Bäuml, Regionalreferent Fachverband Biogas, Prof. Kilian Hartmann, Präsidiumsmitglied, Landrat Florian Töpper, Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl, Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber, Ulrich Beck, Geschäftsführer Biogasanlage Bioenergie Ettleben, Landtagsabgeordneter Paul Knoblach, Bernhard Bedenk ÜZ Mainfranken, Schulleiterin Nicole Schmitt und Norbert Kolb, Beiratsvorsitzender Bioenergie Ettleben. Foto: Silvia Eidel

    Sichtbar machen und weitersagen, wie klimaneutrales Heizen geht: Das will das Biogas-Wärmeschild, das der Mittelschule Werneck übergeben wurde. Die Auszeichnung gilt dem ganzen Nahwärmeverbund mit Turnhalle, Hallenbad und Kindergarten Marienau. Denn alle beziehen ihre Wärme aus der Gemeinschafts-Biogasanlage der Bioenergie-Gesellschaft Ettleben.

    Das Kooperationsprojekt mit der regenerativen Energieform sei beispielhaft, lobt der Fachverband Biogas, der Dachverband der Branche aus Nutzern, Planern und Herstellern. Dessen Präsidiumsmitglied Prof. Kilian Hartmann würdigte bei einer Feierstunde in der Balthasar-Neumann-Schule das Engagement des Schulverbands.

    Mit dem Lied "Baum des Lebens" aus dem Musical "5 Minuten vor 12" stimmte der Schulchor unter der Leitung von Rektorin Nicole Schmitt auf das Thema des Tages, den Klimaschutz, ein.

    Die Gemeinde Werneck erzeuge bereits 225 Prozent ihres Energieverbrauchs aus regenerativen Energien, informierte eingangs Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl. Im Landkreis sind es 140 Prozent, ebenfalls mehr als vor Ort benötigt wird. Schon vor der energetischen Sanierung der Schule 2016 hatte es das Nahwärmenetz, das die ÜZ Mainfranken versorgt, gegeben.

    Die Biogasanlage Ettleben war bereits 2011 gebaut worden, blickte Ulrich Beck, Geschäftsführer der Bioenergie-Gesellschaft zurück. Anfangs 14, inzwischen elf Landwirte sowie Beck als Planer betreiben die Anlage. Sie wird mit Gülle, Mist, Maissilage, aber auch mit neuen Energiepflanzen gespeist.

    Über eine 2,5 Kilometer lange Gasleitung ist die Anlage mit einem Satelliten-Blockheizkraftwerk (BHKW) in Werneck verbunden. Das wandelt das Biogas vor Ort in Strom und Wärme um. 1,5 Millionen Kilowattstunden Biogaswärme versorgen das Nahwärmenetz der Schule. Eingespart werden damit 175 000 Liter Heizöl pro Jahr. Über ein weiteres BHKW werden die Bezirkskrankenhäuser Schloss Werneck versorgt.

    Biogas habe den Vorteil der bedarfsgerechten Stromerzeugung, unterstrich Beck. Fossiles Erdgas aus Russland sei nicht "sexy", widersprach er Bundeswirtschaftsminister Altmaier, der CO2-Ausstoß sei viel höher. Man müsse zudem die Förderstrecke betrachten, bei der auch Methan frei werde. Sein Appell an die Politik lautete: Ausbau von Sonnen- und Windenergie und Biogasanlagen erhalten.

    Der Einstieg in die CO2-Bepreisung sei ein Anreiz, regenerative Energien attraktiver zu machen, sagte CSU-Bundestagsabgeordnete Anja Weißgerber. Man müsse aber die Bevölkerung mitnehmen, auch wenn es um Windräder gehe, thematisierte sie die aktuell diskutierten Abstandsregeln von 1000 Meter.

    Dass man die Regenerativen schneller ausbauen müsse, meinte dagegen MdL Paul Knoblach (Grüne). Bei Biogasanlagen gebe es zu bedenken, dass forcierter Maisanbau der Lebensmittelproduktion entgegenstehe sowie schädlich für den Boden sei.

    Auf dezentrale Energieversorgung setzte Landrat Florian Töpper, die Wertschöpfung solle in der Region gehalten werden. In der Bioenergie Ettleben sei dies gelungen.

    Man dürfe bei der Energiewende von der Politik nicht bremsen, wie es bei der Photovoltaik und Biogasanlagen geschehe, monierte Bernhard Bedenk (ÜZ Mainfranken). Es brauche nach der ersten EEG-Phase mit 20 Jahren eine zweite Phase. Sonst würden 40 Prozent der Biogasanlagen nicht weiter betrieben, obwohl sie länger laufen könnten. Er wünsche sich, dass längerfristige Zielsetzungen auch sicher von der Politik mitgetragen würden.

    Die Landwirtschaft denke mit und denke auch um, sagte Norbert Kolb, Landwirt und Beiratsvorsitzender der Bioenergie Ettleben. Aber es müsse betriebswirtschaftlich auch darstellbar sei, wünschte er mehr Verständnis in der Gesellschaft.

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