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    Schweinfurt

    Nathan: Schwierige Versöhnung der Religionen

    Der mächtige Saladin (Sebastian Nakajew) muss zu Nathan (Sebastian Kowski) aufblicken.  Foto: Volker Beinhorn 

    Natürlich geht es heute beim Streit der Religionen längst nicht mehr darum, wer die Wahrheit besitzt. Religion wird für die verschiedensten Interessen instrumentalisiert. Und das ist nicht neu. So hat sich Lessing in seinem letzten großen Werk "Nathan der Weise", das 1783 erschienen ist, mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Die Inszenierung des Deutschen Nationaltheaters Weimar, die jetzt in Schweinfurt zu sehen war, greift die große Geschichte von der Versöhnung der Religion, das Plädoyer für Toleranz, desillusioniert auf.

    Unterlegt mit schrillem Sound

    Gespielt wird auf einer großen, zum Zuschauerraum hin geneigten Holzscheibe vor einer schrundigen Betonwand (Thilo Reuther). Regisseur Hasko Weber will den großartigen Text Lessings in diesem reduzierten Rahmen aus sich herauswirken lassen. Entstanden ist er aus Lessings Streit mit dem Hamburger Hauptpastor Goeze um den Wahrheitsanspruch der Kirche, eingebettet in ein märchenhaftes Spiel. Dabei arbeitet die Inszenierung Lessings Witz, seine ironischen Anspielungen betont heraus und nimmt den Figuren das Pathos. Unterlegt ist dies von einem schrillen Sound (Sven Helbig), dem laut Programmheft Beethovens 9. Symphonie ("Alle Menschen werden Brüder") zugrunde liegt.

    Im Zentrum steht Nathan, der reiche Jude, der trotz der Ermordung seiner Familie mit einem positiven Blick auf die Welt offen und gesprächsbereit auf jeden zugeht. Sebastian Kowski spielt ihn als stolzen souveränen Mann, der meist mit einem leichten Lächeln seinen Widersachern begegnet. Herrlich die Szene, in der der eigentlich fast allmächtige Sultan Saladin (Sebastian Nakajew gibt einen schmierlappigen Versager) zu ihm aufblicken muss. Bei Kowskis großartiger Interpretation der berühmten Ringparabel von der Gleichwertigkeit der Religionen, lümmelt er traubenkauend am Bühnenrand.

    Ein schwarzer Engel taucht auf

    Mit dem hektischen Derwisch (Marcus Horn), der den reichen Kaufmann um Geld für den klammen Sultan angeht, raucht Nathan einen Joint. Der Klosterbruder Krunoslav Sebreks stöckelt schwul durch die Szenerie und ist dem aasig-bösen Patriarchen ("Der Jude muss brennen") auch körperlich zu Diensten. Julius Kuhn spielt auch den hinzugefügten schwarzen Engel, der wieder unvermittelt auftaucht und mit Texten aus der Bibel, der Thora und dem Koran das Geschehen kommentiert.

    Die Liebesgeschichte zwischen Nathans zarter mädchenhafter Adoptivtochter Recha (Rosa Falkenhagen musste wegen der Erkrankung Isabel Tetzners kurzfristig einspringen und schafft das bravourös) und dem Tempelherrn, der das Mädchen mutig und uneigennützig aus einem brennenden Haus gerettet hat, droht an religiösen Vorurteilen zu scheitern. Thomas Kramer zeigt einen zweifelnden, mit sich ringenden jungen Mann. Die Sittah Johanna Geißlers ist mehr als die verbitterte Haushälterin Nathans, die zurück nach Europa will, sie ist eine selbstbewusste Strippenzieherin.

    Gespielt wird von einem spielfreudigen, überzeugenden Ensemble in einem höllischen Tempo, was jedoch leider oft zu Lasten der Verständlichkeit geht. Zum Schluss wird die Rückwand nach oben gezogen. Es erscheinen die Zeichen der drei Religionen. Die Akteure versammeln sich sitzend im Kreis. Die von Lessing vorgesehenen Umarmungen entfallen jedoch.

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