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    Region Steigerwald

    Naturwälder als großes Klima-Labor nutzen

    Das Naturwaldreservat Waldhaus im Handthalgrund bei Ebrach wurde im Jahr 2000 unter Naturschutz gestellt. Es ist knapp 108 Hektar groß. Foto: Norbert Vollmann

    Der Verein Unser Steigerwald hat unlängst in einer Pressemitteilung erklärt, dass für ihn die Aussage von Ministerpräsidenten Markus Söder, für den Klimaschutz in den Wäldern mehr Geld zur Verfügung zu stellen, ein wichtiges Signal sei. Genauso wichtig und richtig sei Söders Aussage, dass Schutzgebiete für einen Umbau des Waldes eher hinderlich seien.

    Es sei auch im Steigerwald ein aktiver Waldumbau notwendig, wenn die Wälder für künftige Generationen noch lebenswichtige Funktionen wie den Trinkwasserschutz erfüllen sollen. Mit dem Trittsteinkonzept des Forstbetriebs Ebrach als integratives Naturschutzkonzept sei aber seit Jahren der Weg eingeschlagen worden, den Söder jetzt offiziell vorgebe, ließ der Anti-Nationalparkverein weiter wissen.

    Die spannende Frage in diesem Zusammenhang lautet, was sagt der Bund Naturschutz in Bayern dazu, dass Schutzgebiete für den Umbau des Waldes eher hinderlich sind? Wir haben Dr. Ralf Straußberger, seines Zeichens, Wald- und Jagdreferent des Bund Naturschutz und zugleich Geschäftsführer des Freundeskreises Nationalpark Steigerwald um eine Stellungnahme gebeten.

    Große Schutzgebiete als Wegweiser aus der Klimakrise

    Straußbergers Worten zufolge seien die zentralen Aussagen von Ministerpräsident Markus Söder klar: der Staatswald soll ökologischer ausgerichtet werden. Dazu gehören nach Auffassung von Ralf Straußberger auch große Schutzgebiete, in denen sich Wälder natürlich entwickeln können. Der BN-Waldreferent: „Dies ist gerade im Klimawandel wichtig, weil wir dort lernen können, wie die Natur mit der Klimakrise umgeht, welche Baumarten sich durchsetzen, wie sich Wälder erneuern.“

    Für die großflächigen Nadelholzforste in Bayern sei ein Nationalpark wohl eher kein geeignetes Instrument, das fordern der BN ja auch nicht, so Straußberger. In dem Fall sei vielmehr ein Waldumbau notwendig. Dazu würde der Bund Naturschutz  schon lange mehr Beratungsförster, mehr Geld und eine waldfreundliche Jagd fordern.

    Ralf Straußberger: „Wichtig ist uns dabei, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit lernt und die Waldwirtschaft an die Klimakrise anpasst. So kann man aus Naturwäldern auch lernen wie Wirtschaftswälder zu behandeln sind.“ Naturwälder haben ein feuchteres und kühleres Waldinnenklima, so der Mann vom BN. Sie könnten zudem mehr Wasser speichern, mehr Kohlenstoff im Boden und in den Bäumen fixieren und sie würden vor allem einen Lebensraum für Waldarten bieten, die im Wirtschaftswald nicht oder kaum vorkommen.

    Die Austrocknung und Verdichtung der Böden im Wirtschaftswald

    Im Forst dagegen könne die Hitze durch die starken Auflichtungen und Holznutzungen den Waldbäumen leichter zusetzen. Die Folge: die Waldböden trocknen aus. Die schweren Maschinen auf den vielen Fahrwegen im Forst verdichten zudem die Böden, leiten bei Regen das Wasser schnell aus dem Wald und schränken so die Wasserspeicherfähigkeit der Waldböden ein.

    Der Schutz naturnaher zusammengesetzter Wälder sei deshalb zwingend notwendig, gerade wenn es, wie im Nordsteigerwald, Staatswälder auf größeren Flächen gebe. Kurzfristig sollte zumindest der „Hohe Buchene Wald im Ebracher Forst“ – erweitert durch den Stollberger Forst als Naturwald geschützt werden. Zum Hohen Buchenen Wald habe ja der Bayerische Verwaltungsgerichtshof festgestellt, dass dieser zweifelsfrei schutzwürdig sei, betont Straußberger.

    Straußberger: "Ein durchsichtiges Ablenkungsmanöver"

    Dr. Ralf Straußberger, Waldreferent des Bund Naturschutz und Geschäftsführer des Freundeskreises Nationalpark Steigerwald, bei einer Kundgebung  im ehemaligen Waldschutzgebiet "Hoher Buchener Wald im Ebracher Forst". Foto: Norbert Vollmann

    Die Klimakrise stelle die Waldbesitzer beim Waldumbau der Nadelwälder zweifelsfrei vor riesige Herausforderungen, aber doch nicht der Waldumbau naturnahe Laubmischwälder, wie im Steigerwald oder Spessart, erklärt Straußberger. Er betont: „Wir werten dies eher als durchsichtiges Ablenkungsmanöver, mit dem ein Naturwaldschutzgebiet verhindert werden soll.“

    Es sei demnach falsch, wenn Unser Steigerwald versuche, den Schutz der Artenvielfalt gegen den Klimaschutz auszuspielen, weil in Naturwäldern beides verwirklicht werde. Der Bund Naturschutz würde sich freuen, wenn Unser Steigerwald stattdessen zum Schutz der heimischen Wälder mehr wirksame Klimaschutzmaßnahmen einfordern würde: zum Beispiel mehr ÖPNV, mehr Energiesparen und Energieeffizienz oder ein Tempolimit auf Autobahnen.

    Straußbergers Kritik an Eck

    Stattdessen stelle man mit Bedauern fest, dass der 1. Vorsitzende von Unser Steigerwald, Gerhard Eck, in seiner Funktion als Innenstaatssekretär von einem Termin zur Einweihung einer Ortsumfahrung und eines Straßenneubaus zum nächsten eile. Ralf Straußberger unterstreicht: „Damit werden die Wälder und das Klima nicht zu retten sein.“

    Da die Wälder in Deutschland am stärksten von der Klimakrise betroffen sind, und sich aufgrund der anhaltenden Trockenheit und Hitze der letzten Jahre die Situation dramatisch zuspitze, befürchtet der Bund Naturschutz in der aktuellen Pressemitteilung zu Klimakrise und Waldumbau ein „Waldsterben 2.0“.

    Trinkwasserversorgung drohen dramatische Folgen

    Der Bundesvorsitzende des BN, Hubert Weiger, mahnt: „Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Wenn wir nicht jetzt die Ursachen für die Klimakrise und das Waldsterben bekämpfen, haben wir irgendwann nur noch Katastrophenholz und verlieren die heutigen Wälder“. Die Schäden für Gesellschaft sowie Waldbesitzer seien heute schon enorm. Dabei seien die Folgekosten durch ein weiteres Aussitzen der Klimakrise durch die Politik deutlich höher als die Kosten für längst überfällige Klimaschutzmaßnahmen. Denn wenn die Wälder sterben, seien die Folgen unübersehbar, vor allem für die Trinkwasserversorgung von Millionen von Menschen.

    Der Bund Naturschutz wiederholt in diesem Zusammenhang in der aktuellen Pressemitteilung seine Forderung, dass sich langfristig mindestens zehn Prozent der Wälder dauerhaft als „Ur- und Naturwälder von morgen“ frei von forstlichen Eingriffen entwickeln dürfen. Die  Forschung könne gerade hier wertvolle Erkenntnisse gewinnen, wie sich der Wald in der Klimakrise selbst helfen könne, sagt Hubert Weiger.

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