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    Bergrheinfeld

    Netzausbau: Gemeinde spricht von Teilerfolg

    Hier führen die Hochspannungsleitungen zum Main und weiter nach Bergrheinfeld. Hier "drohen" künftig weitere Leitungen. Foto: Horst Fröhling

    Stellungnahmen zum Dauerbrenner SuedLink und dessen Folgeprojekte standen im Mittelpunkt der jüngsten Sitzung des Gemeinderats.

    Zur Vereinbarung über die Netzausbauprojekte zwischen Bund und Ländern nahm die Gemeinde Stellung. Bürgermeister Ulrich Werner verlas dieses Statement. Darin heißt es: Der gefundene Kompromiss im Blick auf Entlastung des Ausbaues des Netzverknüpfungspunktes Bergrheinfeld/Grafenrheinfeld sei nach Ansicht der Gemeinde ein kleiner Erfolg. Die geplante Freileitungstrasse P44 aus Thüringen nach Bergrheinfeld werde ersatzlos gestrichen, die geplante Leitung P43 aus Hessen nach Bergrheinfeld solle als Erdkabel verlegt werden.

    Als Gemeinde freue man sich über die teilweise Entlastung. Der Verzicht auf den Bau der P43 wäre in unseren Augen ein wirklicher großer Erfolg gewesen im Blick auf die 2015 von der Bundesregierung und von der Bayrischen Staatsregierung zugesagten Entlastung des Netzverknüpfungspunktes Bergrheinfeld/Grafenrheinfeld.

    Mit der Entscheidung für Erdverkabelung anstatt Hochspannungsmasten der zwei parallel verlaufenden SuedLink-Gleichstromleitungen von Wilster nach Bergrheinfeld und von Brunsbüttel nach Großgartach sowie der neuen Wechselstromtrasse P43 - jetzt ebenfalls als Erdkabel geplant - werde unser Landschaftsbild wesentlich weniger stark belastet als befürchtet. Die ersten Planungen von 2015 hätten fünf neuen Stromtrassen vorgesehen - alle als Freileitungen mit zum Teil 70 Meter hohen Strommasten. Dies sei nicht mehr zu befürchten, so Werner.

    Aber es würden zusätzliche neue Strommasten für die Anbindung des SuedLink-Erdkabels via Konverterhalle auf das Umspannwerk Bergrheinfeld-West geplant. Das bereits stark belastete Landschaftsbild in Bergrheinfeld mit schon über 170 Strommasten werde dadurch weiter belastet.

    Werner dankte allen Mitstreitern. die sich für die Interessen der Gemeinde eingesetzt haben.

    "Unsere grundsätzliche Forderung nach einer regionalen und dezentralen Energiewende sowie einer regelmäßigen Überprüfung des zukünftigen Strombedarfes wurde seitens der Politik nur sehr ungenügend in den Fokus genommen", betonte Werner. "Wir werden trotz des vorliegenden Kompromisses Netzausbauprojekte weiter für eine Entlastung unserer Heimat kämpfen."

    Mit den ersten Vorplanungen eines neuen und erweiterten Umspannwerkes Grafenrheinfeld direkt an unserer Gemeindegrenze stünden bereits weitere Pläne der Bundesnetzagentur und Tennet im Raum. Die angewandte Taktik einer "scheibchenweisen" Informationspolitik durch die Bundesnetzagentur und Tennet sei in unseren Augen "Demokratie schädigend".

    "Wir können nur hoffen, dass die angefragten Grundstückseigentümer im Bereich Bergrheinfeld/Grafenrheinfeld nicht im Voraus mögliche Flächen an Tennet verkaufen. Wenn solche Verkäufe bereits erfolgt sind, wird es sehr viel schwerer, politisch dagegen anzukämpfen", so der Redner.

    Gemeinderat Thomas Posselt sieht nur einen Erfolg, wenn nichts gebaut wird. Von einem Teilerfolg sprach zweiter Bürgermeister Dieter Wagner. Dies sei ein Verdienst der Bürgerinitiative und der eingeschalteten Abgeordneten. "Es ist äußerst unverschämt, wie hier gegen die Bürger vorgegangen wurde", stellte Gemeinderat Thomas Geißler fest. Er sprach von "Salamitaktik" bei der Informationspolitik und bemängelte die unverständlichen Konzepte.

    "Wir sind im Fadenkreuz und voll unter die Räder gekommen", so Bürgermeister Ulrich Werner. "Wir tragen einen Teil der Energiewende, was auf einen Kompromiss hinauslaufen wird." Er sei sich sicher, dass künftig weiter Belastendes kommen werde. Daher müsse man wachsam bleiben.

    Das Umspannwerk im Atomkraftwerk, das entgegen den ursprünglichen Plänen modernisiert und sogar vergrößert werden soll. Foto: Horst Fröhling

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