• aktualisiert:

    HIRSCHFELD

    Neue Kanuanlegestelle stößt auf Kritik

    „Schotterpiste” oder „naturnahe Wiese, die noch etwas Zeit braucht” – der Abschlussbericht zur Bauausführung der Hirschf... Foto: Daniela Schneider

    „Steinwüste“, „chaotisch angelegt“ „nichts für die Bürger“ – die Gemeinderäte sind mehr als unzufrieden mit dem Ausbau der bestehenden Kanuanlegestelle in Hirschfeld. Ganz anders hatten sie sich das Ergebnis zur Aufwertung des Ortsauftritts vorgestellt, das jetzt die Planer Sebastian Güth und Moritz Schaper in ihrem Abschlussbericht präsentierten.

    Der Fairness halber muss gesagt werden, dass die Maßnahme über das Leader-Projekt „Gelbe Welle“ realisiert und gefördert wurde und hier strenge naturschutzrechtliche und wasserwirtschaftliche Auflagen gelten, die vom Planungsbüro berücksichtigt wurden, wie Bürgermeister Albrecht Hofmann in der jüngsten Gemeinderatssitzung erklärte. Zielsetzung des Projektes ist das „Erlebbarmachen des Mains“, wie Güth es nannte. Eine Badestelle mit Rasenliegefläche war im Leistungsverzeichnis nie geplant und wäre auch über die Leader-Förderung nicht möglich gewesen. Aus der ehemals steilen Böschungssituation ist nun ein abgeflachter, buchtartiger Ein- und Ausstiegsbereich mit Muschelkalk-Stufen geworden, die allerdings, wie auch Güth zugab, nicht „optimal“ angelegt wurden, weil die Planer eine massive Abspülung des aufgeschütteten Kieses, wie vom Wasserschifffahrtsamt vermutet, verhindern wollten. Sie sei über den Winter aber nicht eingetroffen. Das ist – so Güth – eigentlich gut, lässt aber die Stufen nun etwas verschwinden. Das kann verbessert werden.

    Bei den Bodenarbeiten hat sich dazu herausgestellt, dass der Bereich wohl mit Schotter und Betonfundamenten aufgefüllt wurde. Größere Brocken und etwa 100 Tonnen belastetes Bodenmaterial wurden entsorgt, die Schotterschicht mit dem etwa zehn Zentimeter hohen Oberboden gemischt und wieder aufgebracht. Darauf wurde dann angesät.

    Leider sei die Saat nicht optimal aufgegangen und der „chaotische“ Zustand der als „naturnahe Wiese“ geplanten, von Geröll durchdrungenen Fläche ärgert die Räte. Entstanden ist „eine „Schotterwüste“, wie es Hilmar Kirch bezeichnete, mitnichten „naturnah“, wie Simon Stock bemängelte und „sehr weit weg von einer Wiese“ – so Peter Gehring, der sich dazu wunderte, dass die Fläche nicht abgesperrt wurde.

    Schuld am beanstandeten „Anwuchserfolg“ trägt, so Planer Güth, die lange, witterungsbedingte Trockenphase. Eine Bewässerung der Fläche am Main wäre laut Planer wohl zu kostspielig und so plädierte er dafür, der Etablierung der Wiesenfläche „mehr Zeit zu geben“, quasi „Gras über die Sache wachsen zu lassen“, wie es Ingeborg Wegner auf den Punkt brachte. Der Anwuchserfolg ist unternehmerische Pflicht, die endgültige Abnahme der Kanuanlegestelle im Herbst könnte verweigert werden, wenn die Wiese nicht den vorgeschriebenen Deckungsgrad erfüllt.

    Florian Kress kritisierte die Vorgehensweise in der Bauphase, er vermisste aufklärende Informationen und synergieeffektive Gespräche über die Gestaltung einer benachbarten Liegefläche, die von Gemeindeseite realisiert werden könnte – im Gespräch ist der alte Sportplatz. Andreas Hetterich schließlich fragte, ob die Planer 140 000 Euro im eigenen Garten für ein solches Ergebnis zahlen würden, bei dem man sich „die Füße aufreißt“ und befürchtete, ebenso wie Armin Götz, dass es schwer wird, dem Bürger das Ergebnis der Baumaßnahme positiv zu vermitteln. Auch die Parksituation begeisterte nicht wirklich, Jürgen Lorenz monierte die beengte Wendesituation, dazu müssen Schilder aufgestellt werden, denn schon jetzt übernachten dort wohl Camper.

    Am 20. September ist im Bauausschuss eine Begehung geplant, einerseits um über die Abnahme der Maßnahme zu diskutieren, wohl aber auch, um Zusatzwünsche wie Parkmöglichkeiten und, wie Simon Stock beantragte, weitere Sitzgelegenheiten und eine Liegewiese zu installieren.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!