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    Schweinfurt

    Neue Pflegekräfte dank Spezialeinsatz der Jobcenter

    Die Personalnot ist groß im Seniorenpflegeheim Domicil. Das Coronavirus ist im Haus, Pflegekräfte sind in Quarantäne. Da war Kreativität und schnelles Handeln gefragt. 
    Mit einem schnellen Einsatz fanden die Jobcenter für Stadt und Landkreis neun Interessierte für die Pflege im Seniorenheim Domicil. Wegen des Coronavirus fällt gerade zu viel Personal aus.
    Mit einem schnellen Einsatz fanden die Jobcenter für Stadt und Landkreis neun Interessierte für die Pflege im Seniorenheim Domicil. Wegen des Coronavirus fällt gerade zu viel Personal aus. Foto: Martina Müller

    Zurzeit zählt das Gesundheitsamt Schweinfurt 14 Corona-Tote in Stadt und Landkreis Schweinfurt, Stand Dienstag, 15.30 Uhr – darunter sieben Bewohner des Schweinfurter Seniorenpflegeheims Domicil. Ein Teil der Mitarbeiter dieser Einrichtung sei positiv auf Covid-19 getestet, sagt der Schweinfurter Ordnungsreferent Jan von Lackum, der in der Stadt Schweinfurt auch für den Katastrophenschutz und die Heimaufsicht zuständig ist. Infolge der durch Quarantäne geschrumpften einsatzfähigen Belegschaft des Domicil sei jüngst die Frage gewesen, ob das Heim wegen Personalmangels ganz oder teilweise geschlossen werden müsse, so von Lackum.  

    Lage immer noch "fragil" 

    Da hat die Not erfinderisch gemacht. Übers Wochenende sei es den Jobcentern von Stadt und Landkreis Schweinfurt gelungen, neun Interessenten an das Heim zu vermitteln, die bereit wären, in der Pflege zu arbeiten. Das seien keine ausgebildeten Fachkräfte, aber Personen mit gewisser Vorbildung, so von Lackum. Damit habe man die akute Personalnot erst einmal behoben. Doch der Chef über die Heimaufsicht und Leiter des Katastrophenschutzes warnt auch, so etwas funktioniere nur einmal.

    Das nagelneue Pflegeheim Domicil in Schweinfurt bei der Eröffnung im September 2018. Es ist nur zu einem guten Drittel belegt und vom Coronavirus besonders betroffen.
    Das nagelneue Pflegeheim Domicil in Schweinfurt bei der Eröffnung im September 2018. Es ist nur zu einem guten Drittel belegt und vom Coronavirus besonders betroffen. Foto: Martina Müller

    Auch jetzt sei die Situation in dem Heim noch "fragil", so der Ordnungsreferent. Besonders Pflegefachkräfte fehlten weiterhin, aber wenn es um die Frage einer Heimschließung gehe, sei es ein weniger gravierender Eingriff, den Betrieb auch mit weniger Fachkräften aufrecht zu erhalten. "Schließen und Wegverlegen wäre für die Bewohner ein belastenderer und riskanterer Eingriff gewesen, meint Jan von Lackum. Die vermittelten Personen müssten natürlich grundsätzlich geeignet sein für die Aufgabe. Auch Änderungen in den Schichten könnten Verbesserungen bewirken. 

    Betrieb stand auf der Kippe

    Vor einer guten Woche schon stand der Heimbetrieb laut von Lackum auf der Kippe. Da habe der Hamburger Heimbetreiber „Domicil Senioren-Residenzen SE“ konzernintern Kräfte von anderen bayerischen Einrichtungen nach Schweinfurt ausgeliehen. Das sei aber keine Dauerlösung. Über die Heimaufsicht und das Gesundheitsamt kennt die Stadt den Personalstand und die Zahl der positiv getesteten Beschäftigten. Zum 28. März waren es von Lackum zufolge im Domicil 56 Mitarbeiter, davon neun Corona-positiv. 

    Grundsätzlich sei es Sache des Betreibers, selbst "über Konzernmittel" für Personal zu sorgen. Nur wenn er das nicht schaffe, "werden wir als Katastrophenschutzbehörde aktiv", sagt der Ordnungsreferent. Nun, mit den neun Interessenten, vermittelt durch die Schweinfurter Jobcenter, hofft er auf eine Verbesserung der Lage. So habe zumindest eine Teilschließung verhindert werden können. Aber: "Öfters funktioniert das nicht, auch weil der Arbeitsmarkt leer ist."

    Betreiber des im September 2018 neu eröffneten Domicil-Pflegeheims in Schweinfurt ist die private „Domicil Senioren-Residenzen SE“ mit Sitz in Hamburg. Der 22 Millionen Euro teure Neubau verfügt über 152 Pflegeplätze in 109 Einzel- und 21 Doppelzimmern. Derzeit ist das Heim mit lediglich 56 Bewohnern nur zu einem guten Drittel belegt.

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