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    GEROLZHOFEN

    Noch keine Entschärfung der Hochwasser-Gefahr

    So sah es am 13. Juni 2016 in Michelau aus. Aus dunklen Wolken ergossen sich unvorstellbare Wassermassen über den Ort un... Foto: Michael Kundmüller

    Am 13. Juni 2016 meldete fast der gesamte Altort von Michelau Land unter. Ein Unwetter mit unvorstellbaren Regenwassermengen hatte sich nordöstlich der Steigerwaldgemeinde entladen. Über die Hänge hinab schossen Wasser und Schlamm in den Ort hinein. Menschen blieben zum Glück unverletzt, doch der Sachschaden summierte sich auf 80 000 Euro. Auch Dingolshausen wurde schwer getroffen. 

    Nach wie vor müssen die Menschen am Steigerwald und in den weiter bachabwärts gelegenen Gemeinden bei jedem stärkeren Unwetter befürchten, dass sich diese Situation wiederholt.

    Viel Wasser aus dem Staatswald

    Das wird auch erst einmal so bleiben. Denn um die vor zwei Jahren von Michelaus Bürgermeister Siegfried Ständecke angeregten Allianz der Gemeinden an der Volkach gegen das Hochwasser ist es ruhig geworden. In diese Allianz einbezogen werden sollten auch der Staatliche Forstbetrieb Ebrach und der Gemeinsame Bürgerwald Gerolzhofen-Dingolshausen. Denn insbesondere aus dem Staatswald kam nach Ansicht von Ständecke das meiste Wasser, das für die Überflutung Michelaus sorgte.

    Hier ein Video von der letzten Überschwemmung in Michelau und Dingolshausen:

     

    Wichtigstes Ergebnis einer Bürgermeisterbesprechung war es damals, ein Ingenieurbüro mit der Erstellung eines Gesamtkonzepts für die Volkach einschließlich ihrer Zuflüsse zu beauftragen. Der Auftrag sollte über die Gemeindeallianz Main-Steigerwald laufen. 75 Prozent Zuschuss standen in Aussicht. Auch Innenstaatssekretär Gerhard Eck hatte Hilfe aus München zugesagt, nachdem er die Überschwemmungsbilder aus Michelau gesehen hatte.

    Auftrag für Schutzkonzept blieb liegen

    Doch das alles scheint nun im Sande verlaufen zu sein. „Das Hochwasserschutzkonzept ist aufgrund der Kündigung von Regionalmanager Sebastian Restetzki leider monatelang liegen geblieben“, erklärt Siegfried Ständecke jetzt auf Anfrage dieser Redaktion. Die Nachfolgerin Carina Hein sei erst vor Kurzem vorgestellt worden.

    Die Gemeinden brauchen nach Einschätzung von Ständecke vor weiteren Verhandlungen mit Staatsforst und Bürgerwald erst einmal ein Büro, das ein komplettes Konzept erstellt. Das Wasserwirtschaftamt habe den Allianzgemeinden angetragen, ein Fachbüro mit der Ausschreibung einer Konzepterstellung zu beauftragen, um ein Büro für dieses Konzept zu finden. Das sollte die Aufgabe des mittlerweile verabschiedeten Regionalmanagers sein. Für das Konzept gäbe es 75 Prozent Zuschuss, so dass an den Gemeinden nur geringe Kosten hängen blieben.

    Faden wieder aufnehmen

    In Michelau selbst habe die Gemeinde einige kleinere Maßnahmen zum Hochwasserschutz getroffen, die aber nicht ausreichen dürften. In den nächsten Tagen werde er mit der neuen Regionalmanagerin sprechen, um den Faden wieder aufzunehmen und weitere Maßnahmen einzuleiten, sagt der Bürgermeister.

    Auch Gerolzhofen war vom Hochwasser betroffen. Hier ein Video vom östlichen Stadtrand:

    Daniel Steuer, stellvertretender Leiter des Staatsforstbetriebs Ebrach, teilt zwar die Ansicht, dass das Hochwasserproblem nur gemeindeübergreifend und unter Einbeziehung der gemeindefreien Bereiche (das ist im Wesentlichen der Staatswald) zu lösen ist. Was er nicht teilt, ist die Aussage, die straßenbegleitenden Gräben im Wald seien sozusagen Vorfluter für das Hochwasser im Juni 2016 gewesen.

    Braucht es technische Bauten im Wald?

    Steuer beruft sich in der Frage nach Abhilfe auf eine Aussage von Leonhard Rosentritt, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Bad Kissingen, bei der gemeinsamen Besprechung. Rosentritt ist der Auffassung, dass ein Hochwasser dieser Intensität nur durch technisch sehr aufwändige Bauten beherrschbar sei. Solche Anlagen im Wald zu bauen sei erstens teuer und zweitens bestehe die Frage, ob es konsensfähig in der Öffentlichkeit wäre, wenn im Wald große technische Bauwerke errichtet werden, meint Daniel Steuer dazu.

    Conrad reichen einfache Mittel

    Wieder anders sieht das Volker Conrad, der Revierleiter im gemeinsamen Bürgerwald. Es sei mit einfachen Mitteln möglich, Wasser im Wald zu halten. Die Natur würde dabei kaum beeinträchtigt, auch Dämme seien nicht nötig. Das habe er bereits mehrmals erfolgreich praktiziert, indem er beispielsweise über kleine Gräben Wasser in Senken leitete. Ein probates Mittel sei es auch, die wegbegleitenden Gräben nicht allzu gründlich zu reinigen, denn Bewuchs in Gräben halte ebenfalls Wasser zurück und verlangsame die Fließgeschwindigkeit.

    Hier Bilder der damaligen Überschwemmung:

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