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    Gerolzhofen

    "Nützelbach II" geht in die nächste Runde

    Es war fast zu erwarten, dass es der Stadtrat nicht schafft, dass Pensum zu bewältigen, dass er sich am Montagabend im öffentlichen Teil vorgenommen hatte. Zum einen war da der ab 19 Uhr vorgeschobene nichtöffentliche Teil. Er ließ die öffentliche Sitzung aufgrund von größerem Gesprächs- und Klärungsbedarf schon mit leichter zusätzlicher Verspätung erst nach 20 Uhr beginnen. Zum anderen galt es die ganzen Stellungnahmen abzuwägen, die im Rahmen der frühzeitigen Behörden- und Bürgerbeteiligung zur Aufstellung des Bebauungsplans für das sich über den Bürgerentscheid hinweg gerettete Neubaugebiet "Nützelbach II" eingegangen  waren.

    Auf 77 Seiten hatte Planer Frank Braun das Ergebnis zusammengefasst. Auch wenn er sich bemühte, alles in geraffter Form vorzutragen, so musste doch immer wieder auf Zwischen- und Nachfragen eingegangen und am Ende über verschiedene Dinge wie die Zahl der pro Wohneinheit vorgeschriebenen Stellplätze einzeln abgestimmt werden. So sah sich Günter Iff wegen der bereits unaufhaltsam auf 22.30 Uhr zugehenden Zeit bemüßigt, die Notbremse zu ziehen und den Antrag auf Schluss der Debatte zu stellen. Der wurde mit 15:2 Stimmen angenommen. Denn schließlich sollte an diesem Abend auch noch im Kreise der Stadtväter und Stadtmütter auf den runden Geburtstag eines Kollegen angestoßen werden.

    Enttäuschte Zuhörerinnen

    Weniger glücklich über das dann doch abrupte Sitzungsende waren die zahlreich vertretenen Damen auf den Zuhörerplätzen. Sie waren in der Hauptsache wegen des nicht mehr behandelten Antrags von Burkhard Wächter auf Bildung eines Beirats zur städtischen Innenentwicklung gekommen. Der Vorstoß ist eine Folge des erwähnten Bürgerentscheids gegen das Baugebiet "Nützelbach II". 

    Am Ende hatten die enttäuschten Damen somit vergeblich ausgeharrt, was sichtlich für Verdruss sorgte. Jetzt müssen sie nochmals am kommenden Montag um 19.30 Uhr ins Alte Rathaus kommen, wenn die Sitzung quasi fortgesetzt wird, um die Behandlung des Antrags mitverfolgen zu können. Wohl in gewisser Vorahnung hatte Bürgermeister Thorsten Wozniak die Zuhörer eingangs "zur letzten regulären Sitzung" vor der Sommerpause begrüßt.

    Der Schwerpunkt lag an diesem Abend darauf, den Bebauungsplan "Nützelbach II" laut Frank Braun "in die nächste Runde zu heben". Für die Befürworter des Sprungs über den Nützelbach in Richtung Arlesgarten und Schallfeld war es dabei besonders wichtig, zu hören, dass weder die für die Höhere Landesplanung zuständige Bezirksregierung von Unterfranken noch der Regionale Planungsverband Main-Rhön noch Bedenken gegen die Ausweisung von Bauland an dieser Stelle geltend gemacht hatten. Beide Institutionen sind erfahrungsgemäß sonst die ersten, die ihr Veto einlegen.

    Wozniak: "Bedarf und Nachfragen sind da"

    Es wurde noch einmal deutlich gemacht, dass das geplante Neubaugebiet "der letzte größere Bereich ist, in den die Stadt momentan bei der Baulandausweisung hin kann" (Frank Braun). Bürgermeister Wozniak unterstrich: "Bedarf und Nachfragen sind da."

    Was mögliche Erweiterungen durch "Nützelbach III und /oder IV"“ in Gestalt eines Baugebietsgürtels anbelange, müsse die Zukunft zeigen. Das Stadtoberhaupt: "Momentan können wir nur für diesen Bebauungsplan abwägen und die Situation abschätzen." Hier hakte Burkhard Wächter ein und mahnte: "Wir müssen den Fokus auch mehr auf die Innenstadt richten. Da müssen wir tätig werden."

    Beim Bürgerentscheid in Gerolzhofen am 28. April 2019 hatte sich eine deutliche Mehrheit derjenigen, die abgestimmt hatten, gegen das geplante Neubaugebiet "Nützelbach II" ausgesprochen. Das Quorum, damit das Abstimmungsergebnis für den Stadtrat verbindlich gewesen wäre, war aber um drei Stimmen denkbar knapp verfehlt worden. Foto: Norbert Vollmann

    Die Anbindung über den Feldweg in Richtung Osten habe die geringsten Auswirkungen auf die Natur, da keine komplett neue Straße gebaut werden müsse, wurde betont. Die Kosten für den Ausbau des vorhandenen Feldwegs zur Zufahrtstraße, um das Baugebiet ans Straßennetz anzubinden, müssen auf die Häuslebauer umgelegt werden, war weiter zu erfahren. Keine Probleme sah der Planer durch die für die Zufahrt zum Baugebiet vom Landratsamt geforderte Linksabbiegerspur aus Richtung Schallfeld auf die Zufahrt zu den Parkplätzen an der Tennishalle zukommen. Dies lasse sich durch Grunderwerb oder andernfalls eine Verlegung der Einfahrt lösen. Auch der Abstand zu eventuellen Windkraftanlagen sei ausreichend.

    Verjagt der Baulärm den Biber?

    Ob die buchstäblich am Nützelbach aufgetauchte Biberfamilie möglicherweise durch den Baulärm verjagt wird, wie Thomas Vizl befürchtet, müsse abgewartet werden. Das Projekt werde von einem Diplombiologen begleitet, hieß es weiter dazu.

    Ob die oberflächennahe Geothermie mittels Erdsonden  wie schon in "Nützelbach I" auch in "Nützelbach II" Einzug hält, wird mit der ÜZ Mainfranken abgestimmt. In Sachen Telekommunikation geht man von der Erschließung durch Glasfaserkabel aus. Auch bei "Nützelbach II" soll der Ansiedlung junger Familien ein besonderes Augenmerk gelten.

    Die Stellungnahme des Tennisclubs Rot-Weiß nahm der Bürgermeister zum Anlass, um zu erklären, dass man in engem Dialog mit dem Verein stehe, der berechtigte Interessen habe. Er sagte: "Ich glaube nicht, dass wir Dissonanzen erzeugen."

    Die pro Wohneinheit zu schaffenden Stellplätze

    Um das Verhältnis der relativ gering gehaltenen öffentlichen zu den privaten Stellplätzen ging es bei der ersten Einzelabstimmung. Während bei den normalen Wohnhäusern zwei Stellplätze pro Wohneinheit zu schaffen sind, wird bei den Mehrfamilienhäusern differenziert. Hat die Wohnung über 50 Quadratmeter werden auch hier zwei Stellplätze gefordert, darunter kommt der Faktor 1,5 zur Anwendung. Kämen beispielsweise 7,5 Stellplätze heraus, würde nach oben aufgerundet. Bei den Reihenhäusern wird wie folgt verfahren: Für eine Wohneinheit sind zwei Stellplätze fällig, bei zwei Wohneinheiten mindestens drei, womit man wieder beim Faktor 1,5 wäre. Garagen und Carports müssen dabei innerhalb der Baugrenzen liegen, einfache Stellplätze können auch außerhalb angeordnet werden.

    Seitens der Bürgerschaft waren sehr viele und sehr umfangreiche Stellungnahmen vorgebracht worden, die häufig stark im Zusammenhang mit dem Bürgerentscheid über "Nützelbach II" und der hierzu geführten Diskussion standen. So überschnitten sich vielfach die aufgeworfenen Fragen. Zu einem hohen Grad waren sie auch nicht Bestandteil des zur Diskussion stehenden Bebauungsplans.

    Deutliche Mehrheit hält an "Nützelbach II" fest

    Dann war es soweit und Wozniak forderte Braun auf: "Werfen Sie den Beschluss an die Wand." Dieser ging dann auch mit 11:6-Stimmen klar durch. Die Gegenstimmen kamen von Geo-net (3), den Freien Wählern (2) und der SPD (1).

    Damit nahm der Stadtrat die während der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit und Behörden eingegangenen Anregungen und Stellungnahmen zur Kenntnis. Zugleich erklärte er sein Einverständnis mit der entsprechenden Abwägung entsprechend dem Vorschlag des Planungsbüros Braun.

    Der Bebauungsplan "Nützelbach II"“ erhält übrigens die zusätzliche Bezeichnung "mit 1. Änderung der Einbeziehungssatzung 'Freizeitpark Gerolzhofen Süd'". Der Grund ist, dass die Zufahrt sowohl zum Baugebiet als auch zum geplanten Sportpark über die gleiche Erschließungsstraße führt.

    Erneute Auslegung des Planentwurfs

    Der vom Stadtrat mehrheitlich gebilligte Entwurf des Bebauungsplanes wird nun zur erneuten Beteiligung der Öffentlichkeit sowie der Behörden nochmals ausgelegt. Die größten Hürden auf dem Genehmigungsweg dürften aber für das Baugebiet genommen sein, das wegen des denkbar knapp am Quorum gescheiterten Bürgerentscheids lange am seidenen Faden hing.

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