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    WAIGOLSHAUSEN

    Oberflächennahe Geothermie für Baugebiete

    Neu ist die Technik, oberflächennahe Erdwärme mit Hilfe von Erdsonden und Wärmepumpen zum Heizen von Gebäuden einzusetzen, nicht. Diese sogenannte Kaltwärmeversorgung für ganze Baugebiete zu nutzen, ist dagegen ein noch neuer Ansatz, den die Unterfränkische Überlandzentrale (ÜZ) verfolgt.

    Nach einem Pilotprojekt in Schwebheim mit 13 Bauplätzen hat der regionale Stromversorger mittlerweile zwei weitere Neubaugebiete in Wiesentheid und Gerolzhofen mit dieser Kaltwärmeversorgung erschlossen. Sechs weitere Gemeinden, darunter jüngst Werneck, haben beschlossen, in ihren Neubaugebieten die oberflächennahe Geothermie zu nutzen und die ÜZ mit der Erschließung beauftragt.

    In der jüngsten Gemeinderatssitzung stellte ÜZ-Mitarbeiter Alexander Wolf nun dem Waigolshäuser Gremium die Technik der Kaltwärmeversorgung vor. Denn aus Sicht der ÜZ besteht auch bei den 25 Bauplätzen im geplanten Neubaugebiet „Obere Honigleite“ in Waigolshausen die grundsätzliche Eignung zur Nutzung dieser besonderen Wärmequelle im Boden.

    12 500 Euro pro Grundstück

    Die Erschließungskosten bezifferte Wolf pro Grundstück auf 12 500 Euro mit einer auf maximal zehn Prozent gedeckelten Abweichung nach oben. Darin enthalten sind drei Bohrungen mit 65 Meter Tiefe, das Einbringen der Sonden und die Außenanbindung. Laut Wolf käme eine Generalerschließung, bei der die Gemeinde Vertragspartner der ÜZ ist, aufgrund der Synergien rund 30 Prozent günstiger als die Erschließung eines einzelnen Grundstücks.

    Aus Sicht der ÜZ spricht vieles für die Nutzung der Erdwärme. Dazu verglich Wolf verschiedene Heizsysteme wie Nahwärmeversorgung aus Biomasse, Gasbrennwerttechnik oder auch Luft-Wasser-Wärmepumpen unter Gesichtspunkten wie Wohnwert, umweltschädlichen Emissionen vor Ort, der Kohlendioxidbelastung aber auch der Bezahl- und Verfügbarkeit in der Zukunft.

    Die Nase vorn hatte die Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Erdsonden sowohl bei der Zukunftsfähigkeit als auch bei den Betriebs- und Gesamtkosten (ab dem 20. Jahr). Mit einer Kilowattstunde (KWh) Strom können hier 4,5 KWh Wärme kostenlos aus der Umwelt gewonnen werden, was einen Wärme-Arbeitspreis von unter fünf Cent pro KWh bedeute, sagte Wolf.

    In der Region verwenden

    Es gehe darum, in der Region erzeugten grünen Strom auch sinnvoll in der Region zu verwenden, anstatt Produktionsspitzen billig zu verschleudern, erklärte Wolf das Engagement des Stromversorgers. Schon jetzt speise die ÜZ in der Summe deutlich mehr regenativen Strom ein, als die Kunden insgesamt an Strom verbrauchen. Allerdings schwankt die Einspeisung von regenativem Strom stark.

    Deshalb sei die ÜZ auf der Suche nach unterbrechbaren Verbrauchern, wozu Wärmepumpen zählten. Diese seien Smart-Grid-Ready fähig, was bedeutet, dass die Geräte mit der ÜZ kommunikativ vernetzt sind um zur Netzstabilität beizutragen. So könnten sie dabei helfen, aus der Stromwende eine Energiewende zu machen.

    Überlegen muss der Gemeinderat jetzt, ob er den ersten Schritt geht und die ÜZ mit der Bohrung einer Probesonde beauftragt. Sie ist notwendig, um unter Aufsicht eines Sachverständigen die örtlichen Gegebenheiten exakt zu erkunden. Die Kosten von circa 12 000 Euro übernehme die ÜZ in jedem Fall zur Hälfte. Würden später mindestens 20 Grundstücke erschlossen, werden die Kosten in das Gesamtprojekt integriert, sagte Wolf.

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