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    Gerolzhofen

    Oldtimer passen in Altstadtkulisse

    In der Marktstraße reihte sich ein Oldtimer an den anderen. Foto: Norbert Finster

    "Tolles Ambiente", "Diese Autos passen genau in diese Altstadt", "Klasse" und "Wunderbar" - das waren immer wieder zu hörende Aussagen von den tausenden Besuchern, die am Sonntag durch die Gerolzhöfer Innenstadt bummelten, um sich bei "Geo Classics" zahllose Oldtimer anzuschauen. 

    Rund 200 alte Autos und Motorräder waren bei der Motorsportvereinigung 1898 Gerolzhofen gemeldet, die die Organisation übernommen hatte. Dazu kamen viele, die Gerolzhofen unangemeldet ansteuerten, ihr Gefährt kurz zur Schau stellten und dann weiter ihrer Wege fuhren. Informativer waren natürlich  die Gemeldeten, denn sie hatten alle einen Aushang in der Windschutzscheibe mit den wichtigsten Daten zu den Fahrzeugen.

    Da war zum Beispiel am Marktplatzbrunnen das Gespann aus einem Mercedes SL aus dem Jahr 1956 mit einem Sportboot gleichen Alters. Besitzer Timo Aumüller aus Gerolzhofen hat beide Fahrzeuge in mühe- und liebevoller Kleinarbeit hergerichtet. Das Besondere dabei: Der Mercedes hat eine Anhängerkupplung für das Boot, die es nur wenige Male gibt. "So ein Gespann wird man nirgendwo sonst noch finden", sagt der stolze Besitzer. Das Boot hat er in Mailand auf einem Hinterhof gesehen und gekauft. Wasser hat es nie unter dem Kiel gehabt. Aumüller zeigte noch ein weiteres Gespann aus einem Mercedes 250 SE mit einem Wohnwagen, der eine Tonne wiegt. Beide Teile des Gespanns stammen aus dem Jahr 1954.

    Motorräder vor dem Hauptportal

    "Da kommt man gerne, das ist ein tolle Umgebung für unsere Fahrzeuge", sagt Dominik Fries aus Willanzheim, der ebenfalls seinen Oldtimer dabei hatte. Zu sehen gab es auch zahlreiche Marken, die es heute nicht mehr gibt. Vor dem Hauptportal der Stadtpfarrkirche waren Motorräder mit langer Historie ausgestellt. Hier lauschte der Reporter einem Fachgespräch von Klaus Reitwiesner und Armin Knauer aus Sand am Main. Obwohl im benachbarten Gleisenau (ebenso wie in Sommerhausen bei Würzburg) eine ähnliche Veranstaltung stattfand, bevorzugten die beiden Gerolzhofen – ebenfalls wegen der unvergleichlichen Altstadt-Atmosphäre. Beide waren auch im vergangenen Jahr schon da.

    Auch Motorräder, hier mit Seitenwagen, bereicherten die Oldtimer-Parade in der Innenstadt. Foto: Norbert Finster

    Vor dem AOK-Gebäude war eine kleine Auswahl von Militärfahrzeugen zusehen. An der Gaststätte Weinig stieg Franz Jobstmann aus Gerolzhofen aus seinem Cadillac Coupé, den er in Oklahoma gekauft hat. Das war vor vier Jahren. Heute werde es für Oldtimer-Freaks immer schwerer, berichtet er. "Entweder bekommt man nur noch Schrott oder die Autos sind nicht zu bezahlen."

    Die herausragende Veranstaltung hatte die Motorsportvereinigung 1898 mit Inge Engert, Vorsitzendem Conny Haub und Bernhard Bedenk auf die Beine gestellt. Etwa 20 Helfer wiesen die Fahrer zu ihren Standorten ein. Erst wurde der Marktplatz gefüllt, dann die übrigen Altstadtstraßen in alle Himmelsrichtungen. Eine feste Standzeit brauchten die Oldtimer-Besitzer nicht einzuhalten. Jeder konnte zwischen 11 und 18 Uhr kommen und fahren, wann er wollte. Alle durften sich kostenfrei präsentieren, erhielten im Gegenteil noch einen Verzehrgutschein.

    Ganz ohne Begleitmusik

    Zwischen den Oldtimern reihten sich die Versorgungsstände ein, die sich regen Zuspruchs erfreuten. Die Präsentation der Oldtimer kam ganz ohne Begleitmusik aus, was manche Besucher als sehr wohltuend empfanden.

    Neu bei den "GEO Classics" waren in diesem Jahr die Lounge-Bereiche: Das Mercedes-Benz Autocenter Mainfranken stellte sich im Alten Rathaus, das Autohaus Ganzinger im Hof der Amtsvogtei und das Autohaus Kienberger auf seinem Betriebsgelände in der Rügshöfer Straße vor.

    Einen ganz anderen Charakter und auch ein anderes Publikum hatte der Samstag. Hier dominierten die Musik und das Kulinarische. Allerdings überwog die Zahl der festen Versorgungsstände die der angekündigten Foodtrucks bei weitem. Den Grund nannte Mitorganisator und Stadtteilmanager Daniel Hausmann: Drei Foodtruck-Besitzer hatten kurzfristig abgesagt. Einer davon wollte gleich mit vier Trucks nach Gerolzhofen kommen. Die Geschäfte der Innenstadt blieben diesmal anders als im Vorjahr geschlossen.

    Beeindruckender Elvis

    Das tat dem Fest aber keinen Abbruch. Mit ohrenbetäubendem Trommeln und Rasseln eroberte zunächst die Bateria Caliente aus Hofheim den Marktplatz. Ihr heißer Samba riss die Zuhörer mit. Nachdem sich auch noch die Bad Kissinger Band "King Creole" mit ihren Elvis-Songs ins Geschehen eingeschaltet hatte, fuhr Rainer Beringer aus Gerolzhofen mit seinem 50 Jahre alten Mercedes 280 SL Bürgermeister Thorsten Wozniak und seine Frau Anita in einem US-Truck direkt vor die Bühne.

    In vorbildlicher militärischer Kleidung und Haltung brachte Peter Pfister aus Schallfeld in seinem Willys Jeep aus dem Jahr 1955 die Band "King Creole" auf den Marktplatz. Udo Wächter chauffierte Markgraf Gerold (Peter Popp) sowie den Wein- und Spargeladel zur Festeröffnung. Bürgermeister Thorsten Wozniak wünschte den Festbesuchern ein friedliches Fest (das es auch wurde) mit viel kulinarischem und musikalischem Genuss. Die Gerolzhöfer  Weinprinzessin Julia Fuchs betonte, dieses Fest beanspruche alle fünf Sinne.

    Peter Pfister aus Schallfeld bringt die Band "King Creole" im Jeep zu ihrem Spielort. Foto: Norbert Finster

    An den Ständen gab es von der klassischen Bratwurst über Spanferkel bis hin zu Kartoffelgerichten, Burgern und Hot Dogs alles, was der Gaumen begehrt."King Creole" mit Michael Fritsche als Elvis-Imitator sowie Ewald Schuster, Yannick Steinborn und Bernd Schmid hielten das Publikum bei Laune,während die Bateria Caliente in die Spitalstraße und den Spitalgarten weiterzog. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr dachte man diesmal an die Besucher des Vorabendgottesdienstes im Steigerwalddom und die Instrumente schwiegen zwischen 18 und 19 Uhr.

    Eintritt für den Spitalgarten

    Im Spitalgarten spielte die "Monkey Man Band". Dort hielt sich der Zuspruch im Gegensatz zu Marktplatz und Spitalstraße allerdings zunächst in Grenzen. Den Grund nennt Daniel Hausmann. Für das Konzert im Spitalgarten erhob der Veranstalter Eintritt, auf dem Marktplatz spielte "King Creole" zum Nulltarif für die Besucher. Hausmanns Lösung fürs nächste Jahr: Entweder endet das Konzert auf dem Marktplatz früher, so dass Musikliebhaber doch in den Spitalgarten gehen oder man lässt den Eintritt für den Spitalgarten fallen. Eine Alternative war schon heuer ein Besuch der Spitalkirche, wo leisere Klänge und Farbenspiele an Decke und Wänden zum Entspannen einluden.

    Unter dem Strich war das Stadtfest 2019 eine Werbung für Gerolzhofen. Bei idealem, nicht zu heißem und trockenem Wetter honorierten Tausende von Besuchern die Bemühungen der Veranstalter und motivierten sie damit, in diese Richtung weiterzumachen.

    Vor den Foodtrucks bildeten sich oft lange Warteschlangen. Foto: Norbert Finster

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