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    Schonungen

    Oma Christine löst das Schonunger Schülerlotsenproblem

    Eigentlich wollte Christine Werth nur mithelfen. Doch weil sich niemand für den Schülerlotsendienst gemeldet hat, steht sie nun täglich mit der Kelle an der Straße.
    Seit September steht Christine Werth in der Bachstraße, um die Schüler sicher über die Straße zu lotsen. Foto: Ursula Lux

    "Einer fehlt noch." Christine Werth kennt ihre Pappenheimer. Seit Schuljahresbeginn steht sie in der Bachstraße in Schonungen und lotst die Grundschüler über die Straße. Nach wenigen Minuten kommt der Schüler, Werth stellte sich auf die Straße und hält die weiß umrandete rote Kelle hoch. "So, wenn mein Schleicher jetzt durch ist, bin ich fertig", erklärt sie und zieht die neongelbe mit Reflexstreifen versehene Jacke aus.

    Die beiden Enkel von Christine Werth kamen heuer in die Schule. Und nachdem sie im Elternbrief gelesen hatte, dass Schülerlotsen gesucht werden, hat sie sich spontan zur Verfügung gestellt. Eigentlich wollte sie nur jede zweite Woche Dienst tun, aber nachdem sich niemand mehr gemeldet hatte, steht sie nun jeden Morgen zwischen 7.15 und 8 Uhr in der Bachstraße. Bei Wind und Wetter. "Jetzt freue ich mich halt auch auf die Wochenenden und die Ferien, wo ich ausschlafen kann", meint Werth lachend.

    Sebastian Fleischer sorgt schon seit sieben Jahren für Sicherheit

    Kollege Sebastian Fleischer macht seinen Job schon seit 2013, sein Aufgabengebiet ist auch etwas größer. Zuerst macht er morgens die Schranke an der Grundschule zu, so dass niemand mehr in den Pausenhof fahren kann. Dann steht er an der Ampel am alten Rathaus und lotst die Kinder sicher durch den Verkehr. Mittags switcht Fleischer zwischen seinem Schülerlotsendienst und dem Busdienst hin und her. Denn er sorgt auch dafür, dass die Kinder sich ordentlich für den Bus anstellen und langsam nacheinander einsteigen. "Da muss ich manchmal durchgreifen und streng sein", erzählt er. Vereinzelt gebe es auch Kinder, die sich "respektlos" verhielten. Dann informiert er die Schulleiterin, die sich darum kümmert.

    Jeden Morgen sorgt Sebastian Fleischer dafür, dass die Schulkinder sicher über die Straße kommen. Dabei hat er immer auch die Buskinder, deren Situation er "katastrophal" findet, im Blick. Foto: Ursula Lux

    Was Fleischer wirklich schlimm findet, ist der proppenvolle Bus. "Früh steigen 50 Kinder aus, und der Bus ist immer noch voll." Er hält das für lebensgefährlich, wenn mal ein Unfall so wie jüngst in Thüringen passieren sollte. Auch Werth sieht in der Bachstraße die Busse vorbeifahren, die ihrer Meinung nach "viel zu voll sind". Danny Kurz und Meike Weichold kämpfen mit anderen Eltern unablässig für "bessere Busverhältnisse" für ihre Kinder. An diesem Tag aber sind sie eigentlich aus einem anderen Grund ins Rathaus gekommen. Sie bedanken sich mit einem vom Naturfreundehaus gespendeten Essensgutschein bei den beiden Schülerlotsen. "Danke, dass Sie unsere Kinder beschützen", sagt Weichold, das sei beileibe keine Selbstverständlichkeit. Stellvertretender Bürgermeister Jürgen Geist schließt sich diesem Dank an. Ihn freut, dass dieser Dienst überhaupt wahrgenommen und gewürdigt wird.

    Oft gibt es brenzlige Situationen

    So ganz ungefährlich ist diese Aufgabe nämlich nicht. Beide Schülerlotsen berichten, dass sie einige Male schon "fast über den Haufen gefahren" worden wären. Nur einmal, so Werth, habe ein Fahrer gehalten und sich entschuldigt. Solche brenzligen Situationen gebe es immer wieder, weshalb Geist den Dienst der Schülerlotsen für ganz wichtig hält.

    Und die misslichen Busverhältnisse? Die Eltern kämpfen weiter. Von der Gemeinde werden sie dabei unterstützt. Eine erste "kleine Lösung" allerdings scheiterte. Es wurden Personen gesucht, die im Bus einen Lotsendienst übernehmen würden. Aber niemand hatte sich gemeldet. Weichold kann das verstehen, denn pro Fahrt würden ja zwei Freiwillige benötigt. Einer im Bus und ein zweiter, der den Buslotsen dann an der Endstation abholt und wieder nach Hause bringt. "Eine Anschnallpflicht für Kinder wäre die einfachste Lösung, dann wäre das Problem erledigt", meint Geist. Und diese ist nach dem Schulbusunfall in Thüringen ja durchaus im Gespräch.  

    Hinweis: Die Elterninitiative Schulbus Schonungen hat eine Petition "Sichere Schulbusbeförderung für alle Kinder" gestartet. Wer diese unterstützen will, kann sich in Petitionslisten eintragen, die in der Apotheke, beim Tegut-Markt, im Cafe Rohr und im Blumengeschäft Geist ausliegen, oder seine Stimme online abgeben unter https://www.openpetition.de/petition/online/sichere-schulbusbefoerderung-fuer-alle-kinder

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