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    OBERSCHWARZACH

    Operngesang und ein Jazzpianist

    Tosca meets Jazz: Die Operndiva Georgina (Antje Hagen) und der Jazzpianist James (Jan Weigelt) interpretieren gemeinsam die Oper „Tosca“. Es ist der vierte von fünf Beiträgen zur diesjährigen Kästnerwoche im Erich-Kästner-Kinderdorf.
    Tosca meets Jazz: Die Operndiva Georgina (Antje Hagen) und der Jazzpianist James (Jan Weigelt) interpretieren gemeinsam die Oper „Tosca“. Es ist der vierte von fünf Beiträgen zur diesjährigen Kästnerwoche im Erich-Kästner-Kinderdorf. Foto: Guido Chuleck

    Eine Operndiva und ein Jazzpianist - das mag als private Verbindung in Ordnung sein, aber klappt das auch als gemeinsamer Auftritt auf der Bühne? Oh ja, und wie! Den jüngsten Beweis lieferten die amerikanische Operndiva Georgina (Antje Hagen) und der norddeutsch-unterkühlte Jazzpianist James (Jan Weigelt) im Salon des Kästnerhofes in Oberschwarzach. Es ist der vierte von fünf kulturellen Beiträgen der diesjährigen Kästnerwoche, dieses Mal unter dem Titel „Tosca meets jazz“. Sie wagen sich an die Interpretation der Oper „Tosca“ von Giacomo Puccini.

    Wobei: So richtig norddeutsch-unterkühlt ist dieser Jazzpianist gar nicht. Er hat halt diesen typisch norddeutschen Humor, der für unterfränkische Begriffe etwas schnell daherrauscht. Kurz, heftig, mit dem für Norddeutschland üblichen Tiefgang, stets schlagfertig aus der Hüfte geschossen. Und er ist ein lässiges Improvisationstalent. Eine ideale Ergänzung zur amerikanischen Diva, die diesen Humor gekonnt aufnimmt und ihn in Manier eines Stürmers, der einen millimetergenauen 70-Meter-Steilpass auf die Fußspitze präsentiert bekommt, elegant und graziös im gegnerischen Tor versenkt. Beide toben sich auf ihrem Terrain aus und treiben sich gegenseitig zu Höchstleistungen.

    Rom, Juni 1800

    Den Inhalt der Oper „Tosca“ auch nur annähernd wiederzugeben, würde den Rahmen dieses Berichts sprengen. Nur soviel: Die Oper spielt an zwei Tagen im Juni des Jahres 1800 in Rom, es geht um Leben, Leiden und Lieben von gewöhnlichen Menschen zur Zeit Napoleon Bonapartes am Rand einer Schlacht im Norden Italiens.

    Nun würde gern die Operndiva diese Oper aufführen, doch die musikalische Begleitung übernimmt ausgerechnet ein Jazzpianist. Dennoch raufen sich die beiden schnell zusammen, da ihnen keine andere Wahl bleibt. Sie basteln gemeinsam an einer packenden Dreiecksgeschichte um eine große Frauengestalt, nämlich um die Maria Callas. In Ermangelung weiterer Mitspieler übernehmen die beiden zwangsläufig die Rollen der fehlenden Mitspieler. Auch die Zuschauer werden in das Stück mit eingebunden, für sie liegt auf jedem Tisch ein Publikumstextbuch für die Unterstützung diverser Rollen und Massenszenen. Etwa ein großer Tumult in der Kirche, oder sie intonieren die Schüsse gegen Ende des Stücks, die einen der Helden der Oper niederstrecken. Schade nur, dass der Salon des Kästnerhofes nicht ausverkauft ist. Wer nicht erschienen ist, hat was versäumt.

    Genial schlüpfen Antje Hagen und Jan Weigelt von einer Rolle zur nächsten und lassen die Zuschauer dabei fast vergessen, dass sie zu zweit ein gutes dutzend Rollen übernehmen. Der Pianist wagt sich sogar an die hohe Kunst des Operngesangs - was auch recht hörbar gelingt - und die Sängerin übernimmt für einen Moment die Tastatur des Pianos, was sich auch gut anhören lässt. Zwei Stunden lang fliegen die Pianoklänge und der Operngesang nur so hin und her zwischen den beiden, immer in der Interaktion mit dem Publikum, und als sich die beiden mit Gute-Nacht-Liedern verabschieden, wünscht man sich unwillkürlich, am nächsten Morgen von ihnen mit einem fröhlichen Aufwach-Lied geweckt zu werden.

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    Von unserem Mitarbeiter Guido Chuleck

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