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    Schweinfurt

    Orkan Sabine fegt mit über 100 Stundenkilometern über die Region

    Der Orkan Sabine hat in der Region zwischen Main und Rhön keine großen Schäden hinterlassen. Weder Mensch noch Tier wurden verletzt. Entwarnung gibt es aber noch nicht.
    Der Sturm hat am Obertor in Schweinfurt mehrere Wahlplakate umgerissen.
    Der Sturm hat am Obertor in Schweinfurt mehrere Wahlplakate umgerissen. Foto: Horst Breunig

    Bei der Integrierten Leitstelle für die Region Schweinfurt (Tel: 112) waren seit Sonntag, 22 Uhr, bis Montagmittag 111 Notrufe aus der Stadt Schweinfurt sowie den Landkreisen Schweinfurt, Bad Kissingen, Haßberge und Rhön-Grabfeld eingegangen. Zu beseitigen waren auf Straßen und Wege gestürzte Bäume, Bauzäune mussten aufgerichtet werden, und Ziegel waren von Dächern gefallen. Verletzte gab es weder bei Mensch noch Tier. Die Leitstelle des BRK hatte im Vorfeld Zusatzkräfte eingeteilt. Auch die Feuerwehren seien "bestens vorbereitet", so die Leitstelle in der Friedrich-Gauß-Straße. 

    Die Schweinfurter Feuerwehr rückte im gleichen Zeitraum siebenmal aus. Aus Baumkronen waren Äste gebrochen, ein Blech hatte es von einem Dach geweht, Schilder waren umgestürzt, ein Fenster kaputt gegangen und Dächer beschädigt. Alle Einsätze konnten von kleinen Teams (2 bis 4 Mann) bewältigt werden.

    Schwarzpappel stürzte auf Motorroller

    Der städtische Servicebetrieb Bau und Stadtgrün rechnet mit mehreren umgefallen Bäumen in den Grünanlagen, darunter die Wehranlagen. In die Bestände wird Amtsleiter Axel Meffert die Mitarbeiter aber erst schicken, wenn der Wind sich gelegt hat. Einen sofortigen Einsatz verlangte eine von dem Orkan Sabine gefällte Schwarzpappel an der Wohnscheibe im Stadtteil Bergl. Das 50 Jahre alte Exemplar mit einem Stammumfang von etwa zwei Metern hatte unter sich einen Motorroller und eine Straßenlaterne begraben. Am gleichen Standort war auch eine Eberesche (60 Zentimeter Stammumfang) Opfer der Böen geworden. Gesichert wurde zudem der Standort eines großen Laubbaums im I. Wehr, der schon durch einen Blitzeinschlag geschwächt war.

    Leere Bahnsteige am Bahnhof Schweinfurt-Mitte. Am Schweinfurter Hauptbahnhof standen die Züge am Vormittag noch weitestgehend still, nachdem die Deutsche Bahn den Zugverkehr vorübergehend eingestellt hatte. 
    Leere Bahnsteige am Bahnhof Schweinfurt-Mitte. Am Schweinfurter Hauptbahnhof standen die Züge am Vormittag noch weitestgehend still, nachdem die Deutsche Bahn den Zugverkehr vorübergehend eingestellt hatte.  Foto: Lisa Marie Waschbusch

    Gefahren im Wald

    Förster Anton Goss vom städtischen Forstamt hatte am Montagmorgen eine Inspektionsfahrt in den Wald bei Schwebheim abgebrochen, nachdem vor ihm ein Baum auf den Weg gekracht war. Amtsleiter Florian Haensel ruft die Bevölkerung auf, in den kommenden Tagen den Wald zu meiden. Die Gefahr sei jetzt noch nicht einzuschätzen, so Haensel.  

    Dies gilt für alle Wälder in Stadt und Landkreis Schweinfurt und in der Region. Stephan Thierfelder, der zuständige Bereichsleiter beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, hatte am Montagmorgen bei einer Fahrt von Burgsinn nach Schweinfurt in den Wäldern "vereinzelt" Schäden ausgemacht. In den Revieren werden die Förster jedoch erst nachschauen, wenn sich das Wetter beruhigt hat und keine Lebensgefahr durch Windböen mehr besteht. 

    Sabine fegt mit 102 km/h über den Windpark bei Forst

    Welche Geschwindigkeiten der Orkan stellenweise im Schweinfurter Raum erreicht, lässt sich an einem Standort ziemlich genau sagen: am Windpark bei Forst. Dort messen die drei Windräder der Stadtwerke Schweinfurt exakt und kontinuierlich die Windgeschwindigkeit. Bei einer Windstärke von 8 bis 9 schalten sich die Windräder automatisch ab, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Kästner. Das erste Mal erreicht wurde der Grenzwert am Sonntag kurz vor Mitternacht. Am Montagvormittag stand ein Windrad, die anderen waren wieder in Betrieb. Doch das, sagt Kästner, kann sich ständig ändern. Er schätzt, dass am Windpark Windstärken von bis zu 11 erreicht worden sind.

    „Es war ein anständiger Sturm, wir sind froh, dass nichts passiert ist“, zieht Kästner eine erste Bilanz zu Sabine, die anderen, vor allem den Versorgern mit Überlandleitungen, auch in der Region einige Probleme bereitet habe. Bei den Stadtwerken habe es dagegen „keine signifikanten Störungen gegeben‘“, sagt Kästner. Weder bei der Stromversorung, hier zahle sich die größtenteils erdverlegte Infrastruktur aus, noch beim Öffentlichen Personennahverkehr. Der Schulverkehr zu den öffentlichen Schulen, die Notbetreuungen anbieten, laufe. Ansonsten gab es laut Kästner nur einen Bus, der ausfallen musste – wegen eines heruntergefallenen Astes. Fazit: Keine große Aufregung bei den Stadtwerken. Vorbereitet hatte man sich allerdings auch dort.

    Die Schulen sind zu – und die Kindergärten?

    Noch am Sonntagabend hat das Kultusministerium beschlossen, dass in allen Schulen Bayerns am Orkantag der Unterricht ausfällt. Notbetreuungen wurden eingerichtet. Und die Kindergärten? In Schweinfurt haben offenbar alle Kindergärten geöffnet. Das bestätigt die Stadtpfarrei, die für die neun katholischen Einrichtungen in der Stadt zuständig ist. Allerdings spüren die Kindergärten den Orkan doch. Es sind weniger Kinder da, sagt Tanja Pohl, Leiterin des Katholischen Kindergartens St. Anton. Mit ein Grund: Manche Kinder kommen mit dem Bus – und einigen Eltern war das angesichts der Unwetterwarnungen dann vielleicht doch zu brisant.

    Auch im evangelischen Kindergarten St. Lukas verläuft der Montag ruhiger. Manche Eltern, meint Leiterin Ines Lamberty, haben ihre Kinder wegen des Sturms zuhause gelassen; manche vielleicht auch wegen eines schulpflichtigen Geschwisterkinds, das zuhause bleiben musste. Buskinder gibt es in St. Lukas nicht, die Eltern bringen die Kinder.

    Anders die Situation im Landkreis, hier scheinen einige Einrichtungen geschlossen zu sein beziehungsweise wurden Notgruppen eingerichtet. In Grafenrheinfeld, Hambach oder Niederwerrn soll das der Fall sein, hat man in den Kindergärten der Stadt gehört.

    Auch in Schweinfurt steht der Bahnverkehr still

    Am Schweinfurter Hauptbahnhof standen die Züge am Vormittag noch weitestgehend still, nachdem die Deutsche Bahn den Zugverkehr vorübergehend eingestellt hatte. Nach Angaben des Reisezentrums vor Ort soll eine erste Regionalbahn um 11.19 Uhr in Richtung Würzburg abgefahren sein. Aufgrund von Sturmschäden war der Betrieb zwischen Schweinfurt und Bamberg eingestellt.

    Nach Sturmtief Sabine: Die Züge stehen am Vormttag in Schweinfurt weitestgehend still.
    Nach Sturmtief Sabine: Die Züge stehen am Vormttag in Schweinfurt weitestgehend still. Foto: Lisa Marie Waschbusch

    Wer an Sturmböen denkt, blickt vielleicht auch sorgenvoll auf die Baukräne. Muss man aber nicht, beruhigt Tamara Fink vom Bauunternehmen Glöckle. Grundsätzlich seien Kräne so gebaut, dass sie sich immer mit dem Wind bewegen. Keine großen Zwischenfälle gab es auch auf den Glöckle-Baustellen; man war vorbereitet, sagt Fink, hat die Baustellen Sturm fest gemacht.

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