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    Schweinfurt

    P-Seminar am Celtis-Gymnasium: Von Freundschaften und Vorbildern

    "Zeit für Kinder", das ist der Kern des P-Seminars am Celtis mit dem Kinderschutzbund. Was dahinter steckt und wieso Grundschüler donnerstags so gerne in der Schule sind.
    Julia Zehner vom P-Seminar des Celtis-Gymnasiums stellt mit Lillian in der Montessori-Schule Knete her.
    Julia Zehner vom P-Seminar des Celtis-Gymnasiums stellt mit Lillian in der Montessori-Schule Knete her. Foto: Oliver Schikora

    Es ist ein besonderes P-Seminar, das Deutsch- und Religions-Lehrerin Katharina Döhner in Zusammenarbeit mit dem Kinderschutzbund im Celtis-Gymnasium nun ein zweites Mal anbietet: Im Schuljahr 2017/18 gab es das P-Seminar zum ersten Mal, seit Herbst 2019 läuft es wieder, Zeitgeschenke von Gymnasiasten für Grundschulkinder.

    Ein dreiviertel Jahr lang besuchen Maximilian Stahl, Robin Zeitler, Kai Bartelmus, Fiona Lorz, Sophia Müller, Luisa Warnecke, Lea Volkmar und Julia Zehner in der Montessori-Schule Schülerinnen und Schüler aus der Klasse 1-4 f, die in den Montessori-Schulen jahrgangsübergreifend geführt werden. Weitere sieben ihrer Mitschüler sind in der Rückertschule und verbringen dort einmal in der Woche mit "ihren" Kindern am Nachmittag eine Stunde Zeit – sie spielen, basteln, machen Sport, unterhalten sich.

    Die Bilanz ist schon nach einem halben Jahr positiv, in Bezug auf die Grundschüler, als auch die Teilnehmer des P-Seminars. Lehrerin Katharina Döhner arbeitet eng mit Yvonne Bauer vom Schweinfurter Kinderschutzbund zusammen. Im Kern geht es bei dem Projekt um eine Vernetzung von Jugendlichen und Kindern im sprachlichen und sozialen Bereich. Der Kinderschutzbund als Hüter der Schutzrechte von Kindern ungeachtet ihrer sozialen und kulturellen Herkunft will die Chancenungleichheit im bayerischen Schulsystem für Kinder mit Migrationshintergrund oder einem sozial benachteiligten Haushalt abmildern.

    Die Schüler des Celtis-Gymnasiums, im Bild Luisa Warnecke mit Stella beim Traumfänger basteln, überlegen sich jede Woche neu, was sie mit den Grundschülern gemeinsam machen wollen - basteln, spielen, Sport, lesen oder unterhalten.
    Die Schüler des Celtis-Gymnasiums, im Bild Luisa Warnecke mit Stella beim Traumfänger basteln, überlegen sich jede Woche neu, was sie mit den Grundschülern gemeinsam machen wollen - basteln, spielen, Sport, lesen oder unterhalten. Foto: Oliver Schikora

    Mit dem „Zeitgeschenk“, so Yvonne Bauer, wollte man Kindern die Möglichkeit bieten, dass sich wenigstens einmal pro Woche jemand nur auf sie konzentriert, mit ihnen spielt, ihnen zuhört. Interessant in der zweiten Auflage die beiden doch sehr unterschiedlichen Grundschulen: In der Rückertschule gibt es einen mit 90 Prozent hohen Anteil von Schülern mit Migrations- oder Fluchthintergrund. In der Montessori-Schule ist das völlig anders, doch natürlich gibt es auch hier Kinder, die von der Idee des "Zeitgeschenks" profitieren, wie die Lehrerinnen Susanne Marquardt und Heike Sporer bestätigen.

    Den Grundschülern mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden

    "Kinder mit ihren Bedürfnissen wahrnehmen“, so Yvonne Bauer, ist die Kernaufgabe und es gelinge wieder sehr gut. Die Montessori-Lehrerinnen erzählen, dass sich die acht Kinder schon die ganze Woche auf den Donnerstagnachmittag freuen, wenn "ihr" Celtis-Schüler wieder da ist. Katharina Döhner hat von ihren Schülern auch sehr positives Feedback: "Viele haben schon gesagt, wenn ich hierher komme, geht es mir gut." Sprich: Es ging schnell, sich auf die Bedürfnisse der Kinder einzulassen, ihnen zuzuhören und dabei die eigenen Alltagsprobleme im Gymnasium kurz vor dem Abitur zu vergessen.

    "Die Schüler", so Katharina Döhner, "sind sehr reflektiert, machen sich viele Gedanken, haben auch eine gute Bindung aufgebaut". Das sieht man auch bei einem Gang durch die Klassenzimmer, wo die Celtis-Schüler mit ihren Montessori-Kindern einen Platz gesucht haben. Julia Zehner stellt zum Beispiel mit der sechsjährigen Lillian Knete her, ein unglaubliches Gemansche. Sie haben auch schon Badesalz produziert, gemalt oder Mandalas gemacht.

    Die beiden verstehen sich augenscheinlich sehr gut, Julia Zehner kennt auch die Montessori-Schule gut, weil sie hier selbst vor dem Wechsel ans Celtis-Gymnasium in der Grundschule war. "Weil ich Kinder mag", kommt die Antwort, warum sie sich für dieses P-Seminar entschied, wie aus der Pistole geschossen. Vorstellen kann sie sich auch, nach dem Abitur in dem Bereich zu arbeiten.

    Fußball in der Turnhalle, das macht Celtis-P-Seminar-Schülern genauso viel Spaß wie den Grundschülern der Montessori-Schule.
    Fußball in der Turnhalle, das macht Celtis-P-Seminar-Schülern genauso viel Spaß wie den Grundschülern der Montessori-Schule. Foto: Oliver Schikora

    Während Luisa Warnecke mit Stella Traumfänger bastelt, ist die Jungs-Abteilung schon in Richtung Turnhalle unterwegs. Dort sind Maximilian Stahl, Robin Zeitler und Kai Bartelmus mit Bastian, Nico und Julio am Spielen und haben ihren Spaß. Erst auf Skateboards durch die Halle sausend, danach beim Fußball. Und eines ist klar: Als die Stunde vorbei ist, freuen sich alle sechs schon auf die nächste Woche. Auf die nächsten "Zeitgeschenke", füreinander.

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