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    GEROLZHOFEN

    Päusle mit Moisle: Scherben als Empfehlung

    Päusle mit Moisle Doppelt Angelus geläutet hält besser
    Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, das bei der ganzen Sache meine Freundin, die Kirchenmaus von der Stadtpfarrkirche ihre kleinen Pfoten im Spiel gehabt haben muss. Was ist geschehen? Zu früher Morgenstunde weckten mich am Samstag, wie es üblicherweise um 6 Uhr der Fall ist, die Glocken des Steigerwalddoms. Das Angelus-Läuten ruft die Christen täglich am Morgen, Mittag und Abend zum Angelus-Gebet auf. Dieses hat seinen Namen von seinen ersten drei lateinischen Worten, die da lauten: „Angelus Domini nuntiavit Mariae", zu Deutsch: „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft“. Mir brachte das Angelus-Läuten am Samstag die Botschaft, dass es 6 Uhr ist. Denn nach 22 Uhr bis zum ersten morgendlichen Angelus-Läuten um 6 Uhr schweigen schon seit etlichen Jahren aus Rücksicht auf die Nachbarschaft die Glocken der Stadtpfarrkirche, wenn man einmal von der Vor- und Frühwarnung durch drei kurze Schläge um Dreiviertelsechs absieht. Ich bequemte mich also umgehend raus aus den kuscheligen Federn. Doch welche Überraschung. Der Blick auf den Wecker sagte mir unmissverständlich, dass es erst 5 Uhr und nicht schon 6 Uhr ist. Ich wurde also tatsächlich eine Stünde zu früh vom Glockenschlag geweckt. Doch damit nicht genug: Pünktlich um 6 Uhr läutete es nochmals zum Angelus-Gebet. Am Sonntag und Montag dasselbe Spiel. Doch wie konnte das passieren? Nun war meine Neugier geweckt. Ich treffe auf einen ratlosen Glöckner, bei dem allerdings sofort alle Alarmglocken schrillen. War es am Ende möglicherweise gar ein hochspezialisierter Hacker, der das Verwirrspiel um die Uhrzeit durch das doppelte Angelus-Läuten ausgelöst hat? Denn darin war sich Mesner Klaus Schanz sicher: Eigentlich kann niemand Fremdes „eingegriffen“, sprich die Läutanlage manipuliert haben. Dazu muss man wissen, dass die stündlich wiederkehrenden Glockenzeichen und die Läut-Termine vor den üblichen Gottesdiensten über eine entsprechend programmierte Funkuhr in der Sakristei automatisch ausgelöst werden. Zu der Steuerungsanlage haben Unbefugte keinen Zugang. Lediglich beim Läuten außerhalb der Läutordnung, zum Beispiel nach Sterbefällen, muss der Mesner und Küster selbst die jeweiligen Knopftasten drücken. Allenfalls ein Defekt an der Steuerung bot sich somit als Erklärung dafür an, dass diese begonnen hatte, ein unüberhörbares Eigenleben zu früher Morgenstunden zu entwickeln, so dass die Menschen das Angelus-Läuten aus Gewohnheit beim ersten Zusammenschlagen um 5 Uhr für das 6-Uhr-Läuten halten mussten. Am Dienstag hatte dann schon alles wieder seine Läut-Ordnung. Der Fehler in der Programmierung war durch das Löschen des Befehls für das zusätzliche Läuten bereits um 5 Uhr ausgemerzt worden. Alles sieht ganz danach aus, dass die Technik ohne fremdes Zutun von sich aus Glöckner und Glocken einen Streich gespielt hat, so dass diese sowohl um 5 als auch nochmals um 6 Uhr zusammenschlugen. Oder war es am Ende doch meine Freundin, die Kirchenmaus, die sich dachte: Doppelt Angelus geläutet hält besser, um den letzten frühen Vogel zum Beten wie zum Arbeiten aufzurufen. Aber man muss ja nicht gleich alles an die große Glocke im Nordturm des Steigerwalddoms hängen, findet Euer inzwischen wieder in den gewohnten Schlafrhythmus zurückgekehrtes Moisle.

    Claudia Roth, ihre Zeichens Bundestagsvizepräsidentin, stellte gleich fest, als sie bei ihrem Besuch in Gerolzhofen den „großen Saal“ des Theaterhauses in der Marktstraße betrat, das sich das Kleine Stadttheater im früheren Café Schoué geschaffen hat: „Schön ist das hier“.

    Und es ging auch nicht einfach so zusammen mit Theaterleiterin Silvia Kirchhof und der Landtagskandidatin der Grünen, Birgid Röder, schnurstracks auf die Bühne. „Der Auftritt kommt im Theater immer von der Seite“, gab die langjährige Bundesvorsitzende der Grünen deutlich zu verstehen. Schließlich hatte sei einst vor ihrer politischen Karriere am Theater gearbeitet.

    Überhaupt waren Kunst und Kultur ein Grundnahrungsmittel in ihrer Familie, wie sie erklärte. Schon der Großvater war Organist und Kirchenmusiker. Der Zweite Weltkrieg zerstörte schließlich die Träume beider Elternteile von einer musikalischen Karriere. So wurde der Vater Zahnarzt, die Mutter Lehrerin.

    Bevor es die „Erstgeborene“ von drei Mädchen zuhause in die Politik verschlagen hat, „wollte sie die Welt verändern“ und habe demzufolge begonnen, in München unter anderem Theaterwissenschaften zu studieren. Das Studium brach sie aber bald wieder ab, um auf die freigewordene Stelle als Dramaturgin an die Städtischen Bühnen in Dortmund zu wechseln.

    Über die Zwischenstation bei einer freien Theatergruppe in Unna kam sie schließlich 1982 als Managerin zur deutschen Rockband „Ton Steine Scherben“ um den Frontmann und Sänger Rio Reiser. Diesen hatte Claudia Roth über dessen Bruder kennengelernt, der am Dortmunder Theater ein Kinder- und Jugendtheater leitete.

    Durch Zufall war Claudia Roth zu jener Zeit auf die Anzeige gestoßen, mit der die 1983 erstmals in den Bundestag eingezogene Fraktion der Grünen 1985 eine Pressesprecherin suchte. Die Entscheidung, ob sie sich bewerben solle oder nicht, fiel in der WG „beim Frühstück nachmittags um 17 Uhr“, wie Claudia Roth im Theaterhaus erzählte.

    Der parapsychologisch angehauchte Gitarrist der Scherben, ein Franzose, habe die Konstellation für sehr günstig befunden. Obendrein habe der Bassist die Sache sicherheitshalber ausgependelt. Damit war der Weg frei für die Bewerbung.

    Es traf sich gut für Claudia Roth, dass Michael Vesper, der damalige Fraktionsgeschäftsführer und spätere Minister und stellvertretende Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen sowie Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes, ein Scherben-Fan war.

    „Wer es mit den Scherben aushält, hält es auch mit den Grünen aus“, habe Vesper gesagt, so Claudia Roth. Die heutige Bundestagsvizepräsidentin: „So kam es dazu, dass ich von der Theater- auf die andere, politische Bühne wechselte.“

    Euer Gerolzhöfer Moisle

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