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    WERNECK

    Park schlägt Brücke zwischen Jung und Alt

    Vor der imposanten Kulisse des Kreisalten- und -pflegeheims hat sich in jüngster Zeit einiges getan. Unübersehbar konnte man als Passant der Spitalstraße verfolgen, wie sich das Außenareal des Heims eindrucksvoll und zielgerichtet veränderte: Im Rahmen der bayernweiten Aktion „Mitmenschlichkeit – Lebenswert in Bayern" entstand dort ein so genannter „Generationenpark“. Eingeweiht wird er im Rahmen des Sommerfests am Sonntag, 29. Juli, um 16 Uhr.

    Nun beeindruckt die Gartenanlage mit Installationen für speziell die junge und die ältere Generation: mit Schaukel, Rutsche und Klettermöglichkeit, einem kleinen Pavillon mit gemütlicher Sitzgruppe sowie mit einer offenen Holzkonstruktion mit eingebauten Kreativ-Tonelementen.

    Für wen? Nicht nur für die rund 250 Senioren, die hier ihren Lebensabend verbringen. Denn weit weniger als die Hälfte der Alten- und Pflegeheimbewohner sei überhaupt noch mobil und aktiv genug, um das Areal nutzen zu können, bedauert die Geschäftsführerin Simone Falkenstein. Dieser Platz ersetze ein bisschen das, was man als Wohnzimmer einer Großfamilie kenne: Jung und Alt zusammen. Man wolle „Last und Freuden vieler Leben zum Gemeinsamen werden lassen“.

    Das stehe zwar in keinem Therapieplan und in keiner Pflegevorgabe. Doch es bedeute ein Stückchen mehr an Lebensqualität, wenn durch den Park den alten Mitmenschen mehr Besucher zugeführt werden können – ob sie verwandt, bekannt oder im Ehrenamt tätig seien.

    Blick zum pulsierenden Leben

    Der Park müsse von den Senioren nicht zwingend aktiv genutzt werden. Doch durch offene Fenster oder den Blickkontakt vom Zimmer aus, von den Aufenthaltsräumen oder von einer Bank aus können die alten Menschen pulsierendes Leben miterleben, so das Ziel: Wenn Kinder schaukeln, schaukeln die Senioren mit. Das wecke Erinnerungen, in die sich alte Menschen so wundersam fallen lassen können.

    Da ist Lachen, da ist Weinen beim Herunterpurzeln, da ist Leben ohne Vorgaben und ohne Bewertung, ob gut oder schlecht gemacht. Da ist einfach nur Lebensfreude. Da ist auch noch Mitsorge und Angst, dass keinem der Kleinen etwas passiert. All das soll nun dem Wahrnehmungsbereich der Senioren, optisch wie akustisch, nahegebracht werden.

    Man kann sich vorstellen, dass da aus so manchem alten Leben Sorge, Schmerz, Ärger, Groll und was auch immer Belastendes zumindest zeitweise verschwindet.

    Die Planer hoffen, über diesen Generationenpark „ein Mehr“ an Gemeinsamkeit in der Gesellschaft zu erreichen. Das täte den Senioren sehr gut – übrigens auch den Jungen.

    Dem „Mittelalter“ soll der Park eine Hilfe sein, und der Jugend soll er Spaß und vor allem Bewusstseinsstärkung bringen, dass Jung und ganz Alt gar nicht so weit auseinander liegen. Altern und Sterben als ganz natürlichen Teil des Lebens mit(er)leben zu können und zu dürfen, das sei eine Frucht, die man ernten darf, wenn auch meist erst sehr spät, lautet die Intention.

    Und so gehört auch ein Ort des Verweilens zum Park, der dezent, aber sehr liebevoll den Tod nicht ausklammert. Der Gedenkstein mit filigranem Kreuz in unmittelbarer Nähe der Mariengrotte ist ein Ort, der Ruhe geben kann – und Gewissheit, dass man nicht vergessen wird, auch wenn man zuletzt vielleicht einsam lebte.

    Die Hoffnung, nicht vergessen zu werden, wird laut Pflegedienstmitarbeiterin Helga Naumann beim Tod eines Heimbewohners jeweils in einem Abschiedsritual vermittelt: Kerze, Gebet und Gedenken im Wohnbereich oder am Gedenkstein gehören zu dieser schönen Übung.

    Die Gelder für so ein Projekt sind zunächst und natürlich nicht im Haushaltsplan eines Altenpflegeheimes eingeschlossen. Schließlich muss man wirtschaftlich arbeiten. Doch das Ansinnen, mehr Lebensqualität zu schaffen, ist es den Volksbanken und Raiffeisenbanken in Unterfranken sowie der Raiffeisen/Schulze-Deltisch-Stiftung Bayerischer Genossenschaften wert, dass für die Senioren eine andere Komponente in die Alters-Zeit einfließt als nur Pflege und Versorgung.

    Kinder bastelten Insektenhotel

    2500 Euro flossen dem Heim als Finanzierungsbasis für die Maßnahme als Spende zu. Die Spende honoriert damit Idee, Zielsetzung und Ausarbeitung des Projekts seitens Heimleitung und Sozialdienst. Weitere notwendige Mittel brachte die Einrichtung des Landkreises Schweinfurt selber auf. Zudem flossen viele Stunden Eigenleistungen in das Projekt ein. Mitarbeiter des Hauses, auch manche ihrer Angehörigen halfen tatkräftig mit. Selbstredend legte auch der Hausmeister Hand an.

    Arbeit und Material für einige Wege oder Pavillonböden sind der Beitrag der Firma Fußbodenbau Thomas Endres, Waigolshausen. Das gut einsehbare Insektenhotel stammt vom Garten- und Verschönerungsverein Werneck, der in einer vorgezogenen Aktion des Ferienspaßes mit Wernecker Kindern das Hotel zimmerte, er- und einrichtete. Dieter Hart begleitete diese Aktion.

    Über das Gelände verstreut finden die Besucher weitere Sinnesoasen: die Kräuterschnecke, eine Steinpyramide als Unterschlupf für Kleingetier, den Barfußpfad, fithaltende Treppen, einladende Bänke, das erfrischende Grün des saftigen Rasens, Sträucher und Hecken, aus denen in den frühen Morgenstunden Vogelgezwitscher klingt. Und wenn jemand die Schritte hinter das Gebäude lenkt, so lacht ihn dort ein kleiner Weinberg an. Wie könnte diese Lage wohl heißen? Vielleicht haben die Besucher am Sonntag bei der Eröffnung des Generationenparkes eine Idee und schreiben diese am Zugang in den entsprechenden Aushang.

    Sommerfest von 14 bis 18 Uhr

    Eingeweiht wird der Generationenpark im Rahmen des Sommerfests am Kreisalten- und Pflegeheim Werneck, das bereits um 14 Uhr starten und bis 18 Uhr andauern wird. Es gibt: Hausführungen durch das fachkundige Personal, Informationsstützpunkte für Senioren und Pflegebedürftige sowie über das Leistungsspektrum der Pflege. Ein kleiner Flohmarkt und eine Tombola lassen sicherlich manches Herz schwach werden. Kinderbelustigung und verschieden Spiele sorgen für Kurzweil. Bei musikalischer Untermalung durch das „Werntaltrio“ darf auch dem Kaffee- und Kuchenangebot sowie weiteren Leckereien kräftig zugesprochen werden.

    Von unserem Mitarbeiter Bernhard Wegscheid

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