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    Kreis Schweinfurt

    Passionsspielbühne: Einstimmigkeit und doch politischer Streit

    50 000 Euro zusätzlich stellt der Landkreis für die Überdachung der Freilichtbühne in Sömmersdorf bereit. Für Wahlkampfzwecke taugte das Thema auch.
    Weil die Dachkonstruktion verändert wurde, kam der Sonnen- und Regenschutz der Freilichtbühne in Sömmersdorf teurer als geplant. Der Landkreis schießt deswegen weitere 50 000 Euro zu – politischer Streit im Kreisausschuss inklusive.
    Weil die Dachkonstruktion verändert wurde, kam der Sonnen- und Regenschutz der Freilichtbühne in Sömmersdorf teurer als geplant. Der Landkreis schießt deswegen weitere 50 000 Euro zu – politischer Streit im Kreisausschuss inklusive. Foto: Josef Lamber

    Etwas zähneknirschend, aber letztlich geschlossen stimmten alle Fraktionsvertreter im Kreisausschuss des Kreistags für den Vorschlag, dem Passionsspielverein Sömmersdorf weitere 50 000 Euro zur Verfügung zu stellen, nachdem der Bau des Dachs über dem Zuschauerraum der Freilichtanlage fast eine halbe Million Euro teurer geworden ist als zunächst geplant. Bereits 2017 hatte der Landkreis 300 000 Euro gewährt, was ihn, wie Landrat Florian Töpper (SPD) verdeutlichte, zum größten Finanzier des Projekts mache. Bei aller Einmütigkeit in diesem Punkt bestimmte der laufende Kommunalwahlkampf die Diskussion.

    Bräuer (SPD) kritisiert Eck (CSU)

    Entfacht hat ihn diesmal SPD-Fraktionschef Hartmut Bräuer. Er bezog sich auf die Verwaltungsunterlagen, wonach Staatssekretär und Kreisrat Gerhard Eck (CSU) bei einem Treffen mit Verantwortlichen die Höhe des neuen Zuschusses ins Gespräch gebracht hat. Bräuer nannte es "sehr verwunderlich", dass Eck als Kreisrat – "als einer von 60" – "vorgeprescht" sei und das Vorgehen nicht dem gesamten Gremium vorgestellt worden sei, damit man darüber hätte beraten können. Eck sagte, dass jeder Kreisrat auf Verein und Gemeinde hätte zugehen können, um sich nach dem Projekt zu erkundigen. Er habe sich "erdreistet", einen Gesprächstermin zu vereinbaren, sagte Eck ironisch. Am Tisch habe er dann die 50 000 Euro "als Empfehlung" ins Spiel gebracht.

    Mit seiner Wortwahl ringend zeigte Eck sein Unverständnis, seine Leistung "runterzuwürdigen", und nannte Bräuers Kritik populistisch und "sehr, sehr unglücklich". CSU-Fraktionschef Friedel Heckenlauer stellte seinem SPD-Kollegen die Gegenfrage, wo man denn hinkomme, wenn man jedem Gemeinderat oder Kreisrat persönliche Einschätzungen und Zusagen für dessen persönlichen Einsatz für eine Sache absprechen wollte.

    Mehr Geld für mehr Lärmschutz

    Kritik in die andere Richtung äußerte Ewald Öftring (Freie Wähler): Man hätte die Gesamtkosten sicherlich genauer kalkulieren können, dann bräuchte es diese Diskussion um einen nachträglichen Zuschuss nicht. Eck erläuterte, dass die Mehrkosten von 480 000 Euro keiner Fehlkalkulation geschuldet seien, sondern dem Umstand, dass das Dach umgeplant wurde. Es sei eine andere Krümmung gewählt worden, um die Schallemission zu verringern. Daher habe man die Statik und Fundamente verändern müssen. Bekanntlich beschwerten sich Nachbarn der Geländes über zu hohen Lärm.

    Inhaltlich gab es eine Differenz zwischen Töppers Verwaltungsvorschlag und der CSU. Der Landrat wollte dort festschreiben, dass grundsätzlich keine weiteren Leistungen für den Passionsspielverein, der die Sanierung seiner Robert-Seemann-Halle vor Augen hat, zu erwarten seien. Dies lehnte Gerhard Eck als Vorfestlegung für den ab 1. Mai neu amtierenden Kreistag ab. Um die Einstimmigkeit nicht zu gefährden, verzichtete Töpper auf den Zusatz. Es wird im Beschluss lediglich festgestellt, dass es sich um eine Einzelfallentscheidung handelt. Einig war man sich auch, dass sich der Landkreis nicht an der Sanierung von Vereinshallen beteiligen wolle. Man solle in diesem Bereich keinen Präzedenzfall schaffen, warnte Ewald Öftring.

    Kreisräte sehen Zuschusshöhe gerechtfertigt

    Neben dem Zuschuss des Landkreises gibt es für das Bühnendach in Sömmersdorf zusätzlich 153 000 Euro aus der "Förderung Regionalkultur" (früher Kulturfonds Bayern) und 39 000 Euro vom Bezirk Unterfranken. Die Diözese Würzburg schießt kein zusätzliches Geld nach.

    Einig waren sich alle Fraktionen, dass der Zuschuss auch in dieser Dimension gerechtfertigt sei, weil es sich in Sömmersdorf um ein herausragendes Kulturprojekt handle, das zudem in Ehrenamtlichkeit betreut werde. Lothar Zachmann (CSU) nannte es einen "überragenden Kulturfaktor", der in ganz Deutschland wahrgenommen werde. Bräuer verglich die Bedeutung mit der Umgestaltung des Ellertshäuser Sees und dem Bau des Geomaris-Schwimmbads in Gerolzhofen, an denen sich der Landkreis ebenfalls über Gebühr und freiwillig beteiligt hatte.

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