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    Handthal

    Patrozinium an historischer Stelle

    Rund 50 Teilnehmer hatten sich zum Patrozinium eingefunden. Foto: Paul Römer

    Einen ganz besonderen Gottestdienst am Magdalenenkreuz konnten die Handthaler in diesem Jahr zum Patrozinium "Maria Magdalena” feiern. Und dabei war der Auslöser für die Ortswahl eigentlich relativ einfach. Aufgrund der aktuellen Sanierung der Ortskirche konnte dort kein Gottesdienst stattfinden, und so regte der örtliche Männerstammtisch an, in diesem Jahr das Patrozinium im Wald beim Magdalenenkreuz auszurichten.

    Schon alleine wegen der wunderschönen Kulisse hätte der Gottesdienst, den Pfarrer Stefan Mai zelebrierte, für die rund 50 Teilnehmer etwas Besonderes sein können, aber es gab noch einen viel interessanteren Grund, der das Ereignis in ein besonderes historisches Licht rückte. Nämlich die gemeinsame Geschichte der Handthaler Dorfkirche und des Ortes, an dem sich das Magdalenenkreuz befindet. Dabei erschließt sich der Zusammenhang wenn man die Inschrift, die sich auf der Rückseite des Kreuzes befindet, liest: "Denkmal zum frommen Gedenken an das Hospiz der Brüder des hl. Franziskus auf diesem Berge, 1805 geschlossen und zerstört, in Verehrung des hl. Kreuzes errichtet im Jahr 1867."

    Dort, wo heute das Magdalenenkreuz steht, befand sich nämlich bis zum Jahr 1802 ein Franziskanerkloster und die heutige Dorfkirche von Handthal, die nun renoviert wird, war bis dahin die Kirche dieses Klosters auf dem Kapellenberg nordöstlich von Handthal. Nach der Säkularisation wurde das Kloster aufgelöst und geschlossen. Die Franziskaner kehrten nach Dettelbach zurück und das Inventar ließ der bayerische Staat versteigern. Der Altar kam nach Falkenstein, die Seitenaltäre nach Geusfeld. "Die steinerne Kreuzigungsgruppe und die 15 Kreuzwegstationen, die die Wallfahrer zum Kloster hinaufführten, kaufte eine Witwe für den neu angelegten Friedhof in Donnersdorf", berichtete Pfarrer Mai in seiner Ansprache.

    Zur Erinnerung an das aufgelöste Kloster steht seitdem das "Magdalenenkreuz" an diesem Ort. Dem Ansuchen der Gemeinde Handthal, "man möge das Gebäude der Magdalenenkapelle nebst Grund und Boden zur Erbauung einer Kapelle im Orte Handthal kostenlos überlassen" wurde im Jahre 1809 vom Bischof entsprochen. So erhielten die Handthaler 1810 die "demolierten Gebäude" zum Abbruch und erbauten 1811 mit Hilfe einiger Wohltäter nach einem Bild der ehemaligen Franziskaner-Klosterkirche die jetzige Dorfkirche. Es hieß, dass insgesamt 364 "Bittfuhren" notwendig waren, um alles Baumaterial vom Kapellenberg nach Handthal zu transportieren. Und nun, nach mehr als 200 Jahren wird die kleine Kapelle wieder renoviert um den Handthalern auch weiterhin als ihre Ortskirche zur Verfügung zu stehen. An ihren Ursprung aber erinnert das Magdalenenkreuz im Wald.

    Nach diesem denkwürdigen Gottesdienst an historischer Stelle genossen die Teilnehmer noch eine Weile das herrliche Panorama und ließen den Abend schließlich bei einem kleinen Umtrunk gemütlich ausklingen.

    Das Magdalenenkreuz im Wald bildete die besondere Kulisse für das diesjährige Patrozinium "Maria Magdalena" der Handthaler. Foto: Paul Römer

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