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    OBERWERRN

    Personalmangel: Physiotherapiepraxis muss schließen

    Johannes Alber und Christian Gessner (von links) schließen ihre Praxis in Oberwerrn. Die beiden Physiotherapeuten finden... Foto: Daniel Wiener

    Nicht nur das Handwerk ist vom Facharbeitermangel betroffen. Auch bei den Physiotherapeuten fehlt der Nachwuchs. Eine Physiotherapiepraxis im Landkreis Schweinfurt muss deshalb jetzt schließen. Christian Gessner und Johannes Albert geben zum 30. September eine ihrer beiden Praxen, die in Oberwerrn, auf.

    Es falle ihnen nicht leicht, nach zehn Jahren Betrieb die Praxis in Oberwerrn zu schließen, betonen die beiden Physiotherapeuten im Gespräch mit dieser Redaktion. Die Ausgangsbedingungen seien gut gewesen, auch das Verhältnis zu den Patienten. Aber zu zweit können sie die Arbeit nicht mehr stemmen.

    Praxis in Poppenlauer bleibt erhalten

    Christian Gessner ist seit 2002 als Physiotherapeut zugelassen und besitzt eine Zusatzausbildung als Heilpraktiker. Zusammen mit seinem Johannes Albert, der auch Osteopath ist, führt er die Physiotherapie- und Naturheilkundepraxis Gessner & Albert, die einen weiteren Standort in Poppenlauer hat. Diese Praxis soll weiter erhalten bleiben. Die räumlichen Gegebenheiten seien dort großzügiger, weshalb das Angebot mit den Schwerpunkten Osteopathie und Sportphysiotherapie künftig allein auf Poppenlauer konzentriert wird. „Hier wurden in der Vergangenheit schon Sportler des TSV Großbardorf, des FC Schweinfurt 05 oder die Eishockeyspieler der Mighty Dogs wieder fit gemacht“, sagt Gessner.

    Die Schließung der Praxis in Oberwerrn begründet Gessner mit der vergeblichen Suche nach einer Fachkraft, nachdem eine der drei beschäftigten Physiotherapeuten für längere Zeit ausgefallen ist. Obwohl die Inhaber selbst mitarbeiten, sei das Pensum ohne zusätzliche Fachkraft nicht zu stemmen. „Wir arbeiten jetzt schon 60 Stunden in der Woche nur am Patienten. Hinzu kommen nochmals zehn Stunden Büro- und Verwaltungsarbeit, obwohl in beiden Praxen jeweils eine Halbtagskraft beschäftigt ist“, sagt Gessner. Auch die Wartezeiten auf einen Termin würden sich auf bis zu acht Wochen ausdehnen. „Das ist keinem Patienten zumutbar“, meint Christian Gessner resigniert. Deshalb will er mit dem gesamten Team künftig nur noch in Poppenlauer arbeiten und dabei auch zeitnahe Behandlungstermine anbieten können.

    300 Euro Schulgeld im Monat

    Warum es so schwer ist Nachwuchs zu finden, erklärt Sybille von Beck, Schulleiterin an der Berufsfachschule für Physiotherapie an der Hans-Weinberger-Akademie in Schweinfurt. Ein Hauptgrund ist ihrer Meinung nach das anfallende Schulgeld. Wer eine fachpraktische Ausbildung absolvieren will, muss dafür 300 Euro pro Monat berappen. „Während andere Azubis für ihre Ausbildung Geld bekommen, dürfen angehende Physiotherapeuten dafür bezahlen, das schreckt ab“, ist sich die Schulleiterin sicher. Ein weiteres Hindernis sei die wenig attraktive Bezahlung als ausgebildeter Physiotherapeut. Dabei leiste ein Physiotherapeut einen großen Beitrag zum Heilungsprozess der Patienten. Durch das professionelle Arbeiten mit einem multidisziplinären Team von Ärzten, Psychologen, Ergotherapeuten und Logopäden sei der Beruf zudem sehr attraktiv.

    Sybille von Beck ist überzeugt, dass die physiotherapeutische Leistung in Zukunft noch stärker nachgefragt werden wird. „Ohne ausreichend Fachkräfte werden viele Patienten aber auf die professionelle Behandlung verzichten müssen.“

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